Strukturwandel

Der Osten als Frühwarnsystem? Was drei westdeutsche Wirtschaftskenner heute anders sehen

Sattelberger, Trunk und Weik kennen Unternehmen und Märkte aus der Praxis. Ihre Diagnosen gehen auseinander – doch alle drei sehen: Was der Osten erlebt hat, trifft nun auch den Westen.

Ralf M. Ruthardt
Ralf M. Ruthardt
7 Min
Mitarbeiter demonstrieren für eine Mitbestimmung bei dem von Bosch geplanten Stellenabbau in Baden-Württemberg.

Mitarbeiter demonstrieren für eine Mitbestimmung bei dem von Bosch geplanten Stellenabbau in Baden-Württemberg.

© Bernd Weißbrod

Der Osten kennt eine Erfahrung, die viele westdeutsche Wohlstandsregionen lange für weit entfernt hielten: Wohlstand ist nicht selbstverständlich. Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung wirkt eine alte Rollenverteilung plötzlich erstaunlich brüchig.

Lange galt Ostdeutschland als der Teil des Landes, in dem wirtschaftliche Unsicherheit, Abwanderung und der Verlust industrieller Strukturen besonders tief ins gesellschaftliche Gedächtnis eingesunken sind. Der Westen dagegen stand in der öffentlichen Wahrnehmung eher für Kontinuität: starke Unternehmen, sichere Arbeitsplätze, wachsenden Wohlstand. Inzwischen werden auch dort Werksschließungen, Stellenabbau, Investitionszurückhaltung und der Verlust internationaler Wettbewerbsfähigkeit mit einer Nervosität diskutiert, die früher häufig als ostdeutsche Befindlichkeit abgetan wurde.

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