Reise-Creatorin Maria-Silva Villbrandt führt durch ihre zweite Heimat Litauen – die Highlights zwischen Kultur und Kulinarik.
Zwischen historischen Altstadtgassen, wilden Wäldern und einer anspruchsvollen Gastronomie verbindet Litauen historische Tiefe mit moderner Innovationskraft. Die Berliner Reise-Creatorin Maria Silva Villbrandt führt durch ihre zweite Heimat und zeigt, was die besondere Anziehungskraft der Region ausmacht.
Litauen gehört auf Ihren Radar
Mit „oho“ kommentieren Litauerinnen und Litauer gern Dinge, die außergewöhnlich, edel oder teuer sind. Litauen selbst ist als Reiseziel in jedem Fall oho. Nicht einmal 100 Kilometer Küstenlinie verbinden Litauen mit der Ostsee; dennoch ist es mit rund 65.000 Quadratkilometern der größte baltische Staat. Knapp 2,9 Millionen Menschen leben hier. Das Land ist überwiegend katholisch geprägt, gleichzeitig sind viele heidnische Traditionen und Bräuche bis heute fest im Alltag und in der Kultur verankert. Gesprochen wird Litauisch, eine der ältesten noch gesprochenen Sprachen Europas.
Auch „oho“: Die aufstrebende Gastroszene in Vilnius
© Maria-Silva Villbrandt
Frischer Wind im Baltikum
Was Litauen besonders macht, ist die Mischung aus Stadt und Natur. Hunderte Gewässer verteilen sich über das ganze Land, und Vilnius selbst wirkt mit seiner Altstadt, den Kirchen und den verwinkelten Gassen fast wie aus einem Bilderbuch. In den vergangenen Jahren haben sich sowohl das Land als auch die Hauptstadt rasant verändert. Das postsowjetische Litauen ist passé. Kurze Wege bei Innovationen und politischen Entscheidungen sowie eine junge, selbstbewusste Bevölkerung verändern den Takt. Viele Litauerinnen und Litauer sind nach Expat-Erlebnissen, insbesondere in Großbritannien und Skandinavien, mit viel Know-how und Erfahrung in ihre Heimat zurückgekehrt. Und das spürt man!
Strand so weit, das Auge reicht: 100 Kilometer Küstenlinie verbinden Litauen mit der Ostsee
© Maria-Silva Villbrandt für EST.
Kunstvoller Widerstand
In der litauischen Geschichte war Kunst nie bloß Deko, sondern diente auch als Akt des Widerstands. Während der sowjetischen Besatzung und der singenden Revolution in den späten 1980er-Jahren waren Kunst, Musik und Theater als getarnte Sprachrohre für den Drang nach Unabhängigkeit. Diese historische Aufladung spürt man bis heute. Bei der Vilnius-Planung sollte daher ein Abend im imposanten Opern- und Balletttheater nicht fehlen. Auch ein Abstecher ins zeitgenössische Kunstmuseum ŠMC lohnt sich.
Ein Abstecher ins zeitgenössische Kunstmuseum ŠMC lohnt sich.
© Maria-Silva Villbrandt
Business auf der Überholspur
Die Menschen in Litauen gelten als flexibel und unternehmerisch. Vielleicht ist es dieser Mentalität geschuldet, dass Litauen heute zu den wichtigsten Fintech-Standorten Europas zählt. Die Secondhand-Plattform Vinted wurde in Litauen gegründet und hat ihren Sitz in Vilnius. Auch der Finanzdienstleister Revolut ist in Litauen ansässig. Mit zahlreichen Fintech-Unternehmen und vergleichsweise schnellen Lizenzierungsverfahren ist der Standort besonders für seine fortschrittliche Regulierung durch die Bank of Lithuania bekannt.
Datscha-Romantik in Blau-Weiß.
© Maria-Silva Villbrandt für EST.
Datscha-Romantik
Landwirtschaft ist und war stets ein wichtiger Wirtschaftszweig in Litauen. Bis heute ist die traditionelle Datscha-Kultur weit verbreitet; vor allem die ältere Generation baut Lebensmittel für den Eigenbedarf an. Wer Vilnius besucht, sollte unbedingt einen Abstecher in die Markthalle machen. Dort scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein. Vor dem Gebäude sitzen ältere Damen und Herren an kleinen Tischen und bieten Beeren, Blumen, Kräuter und Pilze zum Verkauf an – vieles stammt aus dem eigenen Garten oder wurde frisch in den Wäldern gesammelt.
Microgreens bei Leafood.
© Maria-Silva Villbrandt für EST.
Landwirtschaft der Zukunft
Im Umland von Vilnius liegt Leafood, eines der größten Vertical-Farming-Unternehmen Europas. In einer riesigen Lagerhalle werden dort Microgreens – junge, essbare Keimpflanzen von Gemüse und Kräutern – nach taiwanesischem Vorbild auf 15 Ebenen vertikal angebaut. Den Werdegang des Gründers Valentinas Civinskas kann man als typisch litauisch bezeichnen: vom Investmentbanker in Dänemark und Großbritannien zum modernen Farmer in Litauen.
Litauens Küche greift nach den Sternen
44 litauische Restaurants sind inzwischen im Guide Michelin vertreten. Die „New Baltic Cuisine“ ist damit auf der Landkarte der internationalen Gastronomieszene angekommen. Kein Lokal verkörpert dies besser als das mit einem Stern ausgezeichnete Nineteen18. Küchenchefin Vita Bartininkaitė verfolgt gemeinsam mit ihrem Kollegen Justinas Misus eine Farm-to-Table-Philosophie. Traditionelle Techniken wie das Fermentieren werden dort mit heimischen Zutaten, frischen Waldkräutern und mutigen Aromen modern interpretiert. Unkonventionelles Backhandwerk gibt es im Desertų klubas (Dessert Club). Gründerin Asta Petrus startete einst mit einem Backblog, heute sind ihre zwei Cafés echte Institutionen, die man nicht missen sollte. Angeboten werden traditionelle litauische Rezepte neu interpretiert; die Pfifferlinge und Beeren dafür sammelt Petrus selbst.
Pinke Suppe und Roggenbrot
Maria-Silva Villbrandt verrät ihr Familienrezept für Šaltibarščiai.
© Maria-Silva Villbrandt
Der pinken, kalten Rote-Bete-Suppe Šaltibarščiai wurde in Vilnius sogar ein eigenes Fest gewidmet, das seit drei Jahren Ende Mai stattfindet. Beim „Pink Soup Fest“ verwandelt sich die ganze Stadt in ein pink geschmücktes Spektakel. Und dann wäre da noch das Brot. Dass die Deutschen ihr Brot lieben, ist kein Geheimnis. Doch wer einmal in juoda duona, das dunkle, häufig mit Kümmel verfeinerte Roggenbrot, gebissen hat, wird es nicht mehr vergessen. Perfekt zum in die Suppe Stippen!
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Maria-Silva teilt ihr Familienrezept für Šaltibarščiai (für 4 Portionen)
2-3 mittelgroße Rote Bete
800 ml Kefir
saure Sahne
1 Gurke
1 Bund Zwiebellauch
1 Bund frischer Dill
2 hartgekochte Eier
Salz (oder Gemüsebrühe) und Pfeffer nach Geschmack
optional: etwas Zitronensaft oder Essig für zusätzliche Frische
Zubereitung:
Die Rote Bete vorbereiten
Zuerst die Rote Bete gründlich waschen und in einem Topf mit Wasser bedeckt weich kochen. Dies dauert in der Regel etwa 30-40 Minuten.
Nachdem die Rote Bete gar ist, das Wasser abgießen und die Rüben etwas abkühlen lassen. Danach die Schale abziehen und die Rote Bete in kleine Würfel oder feine Streifen schneiden. Alternativ kannst du natürlich fertig gekochte Rote Bete im Glas kaufen (am besten aus einem polnischen oder osteuropäischen Laden, denn da gibt es geraspelte Rote Bete bereits mit Essig versetzt im Glas).
Die Gurke und die Frühlingszwiebeln vorbereiten
Die Gurke schälen (wenn die Schale zu dick oder bitter ist) und in Scheiben schneiden. Die Frühlingszwiebeln waschen und in feine Ringe schneiden.
Die Eier kochen
Die Eier in einem kleinen Topf hartkochen (ca. 8-10 Minuten). Nach dem Kochen die Eier abkühlen lassen, schälen und in Hälften schneiden.
Alles Gute kommt zusammen
In einer großen Schüssel den Kefir mit der gewürfelten Rote Bete, den Gurkenscheiben und den Frühlingszwiebeln vermischen. Den Dill fein hacken und hinzufügen. Alles gut vermengen. Jetzt die Suppe nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen. Falls du eine etwas säuerlichere Note bevorzugst, kannst du noch etwas Zitronensaft oder Essig hinzufügen.
Die Suppe kühlen
Die fertige Šaltibarščiai sollte vor dem Servieren gut gekühlt werden. Stelle sie dafür mindestens eine Stunde in den Kühlschrank, damit sich die Aromen voll entfalten können und die Suppe schön erfrischend ist.
Servieren
Šalitibarščiai wird traditionell kalt serviert. Die Suppe in Schüsseln geben und mit den Eiern garnieren. Dazu frisch gekochte Kartoffeln anreichen.
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