Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet erst nach der russischen Parlamentswahl mit neuen Dreiergesprächen über ein Ende des Kriegs. Vor der Abstimmung werde es kein Treffen zwischen der Ukraine, Russland und den USA geben, sagte Selenskyj am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Gewählt wird in Russland vom 18. bis 20. September.
Ukrainische und amerikanische Unterhändler stünden in ständigem Kontakt, sagte Selenskyj. Fortschritte bei Gesprächen über Energie und Getreide erhoffe er sich Ende September nach einem geplanten Treffen mit US-Präsident Donald Trump. Einen genauen Termin nannte er nicht.
Bereits vor einigen Tagen hieß es Medienberichten zufolge aus dem Élysée-Palast, die US-Seite habe eine russische Bereitschaft zu neuen Verhandlungen ausdrücklich erst für die Zeit nach der Duma-Wahl gemeldet.
Selenskyj nanne mögliche Orte für Verhandlungen
Selenskyj hatte am Dienstag erklärt, eine neue trilaterale Gesprächsrunde könne in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Schweiz, der Türkei oder einem anderen interessierten Staat stattfinden. Die Ukraine wolle das Treffen möglichst noch im September abhalten, berichtete Interfax-Ukraine.
Neben Energie und Getreideexporten sollen dabei nach Selenskyjs Angaben humanitäre Fragen behandelt werden. Besonders wichtig sei ein schnellerer Austausch von Kriegsgefangenen. „Wir müssen nicht nur diskutieren, sondern ein konkretes Ergebnis erzielen“, sagte der Präsident laut Interfax-Ukraine.
Kompromisse bei Energie und Getreide
Selenskyj erklärte sich grundsätzlich zu Kompromissen bei Angriffen auf Energieanlagen und bei Getreideexporten bereit. Beide Themen seien für die Ukraine und Russland, aber auch für zahlreiche andere Staaten von großer Bedeutung. Zugeständnisse dürften jedoch nicht allein von Kiew erwartet werden. Auch Moskau müsse Schritte unternehmen.
Die jüngsten Vermittlungsbemühungen waren durch Besuche der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew wieder in Gang gekommen. Beide sprachen am vergangenen Wochenende zunächst mehr als drei Stunden mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und anschließend mit Selenskyj.
Einen öffentlich erkennbaren Durchbruch erzielten sie nicht. Selenskyj bezeichnete einige der amerikanischen Vorschläge dennoch als „gut und sinnvoll“.
Trump nach Telefonat mit Kremlchef: Putin will Krieg beenden
Trump erklärte am Mittwoch nach einem Telefonat mit Putin, der russische Präsident wolle ein Abkommen schließen. Konkrete mögliche Zugeständnisse Moskaus nannte er nicht. Westliche Geheimdienstvertreter bezweifeln laut Reuters weiterhin, dass Putin ernsthaft an einem baldigen Ende des Kriegs interessiert ist.
Russland verlangt unter anderem den Rückzug ukrainischer Truppen aus bislang nicht eroberten Teilen der Region Donezk. Die Ukraine lehnt die Abtretung weiterer Gebiete ab.
Selenskyj äußerte sich während eines Besuchs in Kanada. Nach einem Treffen mit Ministerpräsident Mark Carney teilte er auf X mit, beide Seiten hätten über weitere Rüstungslieferungen und eine mögliche kanadische Beteiligung am europäischen Raketenabwehrprogramm FREYJA gesprochen. Außerdem arbeiteten die Regierungen an einem Abkommen zur Zusammenarbeit bei Drohnen.
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