Warum sich für eine Karriere in der Mode entscheiden, wenn sich gleich mehrere Disziplinen miteinander verbinden lassen? Anne Bernecker macht genau das. Die gebürtige Bayerin arbeitet seit 1997, als sie ihren Bachelor in Womenswear am renommierten Central Saint Martins College in London abschloss, als Designerin, Streetstyle-Fotografin, Trend-Forecasterin und -beraterin.
2015 gründete sie, damals noch in London, ihr gleichnamiges Modelabel, bevor sie 2019 nach Berlin zog. Heute steht die Marke Anne Bernecker für Vintage-Kleidungsstücke, denen durch aufwendige, von Hand gearbeitete Verzierungen neues Leben eingehaucht wird.
Da wäre etwa das „Lara Shirt“: Auf den beiden Schulter- und Brustpartien sitzen florale Kristallverzierungen, besetzt mit kleinen Glasperlen und funkelnden Steinen. Antik anmutende Fransen aus Reihen kleiner Kristalle hängen von den Ornamenten herab.
Das „Lara Shirt“ mit Verzierungen aus klaren Kristallen, kleinen Glasperlen und Fransen für 399 Euro
© Ansgar Sollmann
Genau diese Detailverliebtheit prägt die Handschrift von Berneckers Kollektionen: Simple Schnitte und klassische Silhouetten treffen auf lebendige, funkelnde Details. So entstehen Kreationen, die im Alltag für einen Hauch Extravaganz sorgen oder bei besonderen Anlässen genau die richtige Dosis Glamour mitbringen. Was die Designerin inspiriert, wenn sie gerade nicht im Atelier Secondhand-Mode zum Strahlen bringt? Das verrät Anne Bernecker im Ästhetik-Fragebogen.
Frau Bernecker, wo kaufen Sie am liebsten ein?
Am liebsten kaufe ich auch besondere Sachen mit Geschichte, die nicht jeder hat. Da eignen sich Vintage-Gegenstände einfach am besten. Mein Auto ist ein alter Volvo Kombi von 1997; mein Sofa besteht aus rosa bezogenen Mario-Bellini-Amanta-Sessel, die für C&B Italia in den 60er-Jahren produziert wurden.
Kleidung kaufe ich gerne auf Reisen, in Vintage-Läden oder bei Vinted. Bei Lebensmitteln bin ich ganz pragmatisch und gehe in den Edeka bei mir im Kiez oder auch mal donnerstags auf den Ökomarkt in der Wörtherstraße.
Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil beschreiben und wo halten Sie sich am liebsten in Ihrem Zuhause auf?
Da mein Atelier auch zu Hause ist, verbringe ich wohl am meisten Zeit dort. Aber am liebsten mag ich mein Wohnzimmer mit den Amanta-Sesseln, zwei alten Ikea-Sideboards, die ich noch in London gekauft habe, auf denen gesammelte Fotos und ein Holzdruck meiner Mutter stehen.
Mein Einrichtungsstil ist auf jeden Fall 70er-angehaucht, mit viel Weiß, aber dann eben auch vielen gesammelten und persönlichen Bildern, Lampen und auch Büchern.
Designerin Anne Bernecker im „Blackstar Blazer“.
© Anne Bernecker
Welches Buch hat Sie in letzter Zeit bewegt? Welches haben Sie zuletzt angefangen und wieder weggelegt? Was liegt ganz oben auf dem Lesestapel?
Ich muss ehrlich sagen – ich komme nicht viel zum Lesen, aber mag gerne Autobiografien und auch Selbsthilfebücher. Ich lerne lieber etwas beim Lesen, als mich in einen Krimi oder auch in Fiktion zu vertiefen. Vielleicht bin ich die letzte Person, die noch nie einen „Harry Potter“ oder auch „Herr der Ringe“ gelesen hat. Drama oder auch mal tolle Liebes- und Lebensgeschichten mag ich. Da hat mich vor allem „Normal People“ von Sally Rooney mitgerissen.
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Wer ist Ihr Stilvorbild? Wonach gehen Sie beim Ankleiden morgens? Routine, Stimmung oder Plan? Wie entscheiden Sie, was Sie kombinieren?
Ich bin natürlich auch von meiner Jugend geprägt und habe da immer Jil Sander und Helmut Lang bewundert. Überhaupt ist mein Kleidungsstil im Laufe der Zeit immer klassischer geworden. Ich trage gerne Hemden, tolle Mäntel, gute Lederschuhe (… und Sneaker) und ziehe auch viel von meiner Kollektion an.
Generell kleide ich mich nach Stimmung oder dem, was am Tag ansteht, angemessen. Wenn ich abends zu einem Event gehe, überlege ich mir aber schon genau, was ich ausdrücken will.
Hemd und Krawatte mal anders: Das „Luca Shirt“ für 279 Euro wird von einem kontrastierenden Ripsband an der Knopfleiste geziert.
© Ansgar Sollmann
Was steht auf Ihrem Wunschzettel ganz oben?
Ich träume noch immer von einer Bottega Veneta Padded Chain Cassette in einer hellen Farbe. Ich habe da ein paar auf Vestiaire Collective im Auge. Aber eigentlich investiere ich hauptsächlich in meine Brand und da steht ein eigener Laden mit Atelier ganz oben auf der Wunschliste.
Was war Ihr letzter Fehlkauf?
Ein schwarzer Hoodie.
Veredelte Klassiker: Anne Bernecker verhilft Second-Hand-Stücken zu mehr Funkeln.
© Ansgar Sollmann
Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen? Welches Kunstwerk oder welcher Künstler fasziniert Sie aktuell oder immer?
Die letzte Ausstellung war vor ein paar Wochen im Kunstmuseum Ahrenshoop an der Ostsee. Die Architektur ist sehr gelungen und die Fotoausstellung „Ihr denkt, wir waren anders. Fotografien aus Ost und West von 1945 bis 1989“ hat mich sehr berührt und war eine schöne Kombination zu den wundervollen Gemälden Ahrenshooper Künstler. Ansonsten lassen Werke von Paolo Uccello, Mark Rothko und natürlich auch meiner Mutter Cordelia Jungkunz Bernecker mein Herz höherschlagen.
Was hören Sie in der U-Bahn oder im Auto? Podcast oder Musik? Was genau?
Beim Autofahren höre ich am liebsten 80er-Jahre-Musik wie Depeche Mode, Roxy Music, Human League und auch Supertramp und David Bowie. Beim Arbeiten im Atelier läuft meistens meine Lieblingssongs-Playlist auf Amazon. Die ist relativ melancholisch, aber auch total bunt gemischt mit Künstlern wie James Blake, Rosalia, Miley Cyrus, Rover und auch Harry Styles.
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Was darf in Ihrer Beauty-Routine oder in Ihrem Kosmetiketui nicht fehlen?
Zur Abendroutine liebe ich das Weleda Granatapfel-Körperöl und nehme das auch für das Gesicht. Tagsüber, vor allem im Sommer, schwöre ich auf den getönten Sonnenschutz „Pigment Control“ von Eucerin zur Vorbeugung von Pigmentflecken. Ansonsten habe ich immer einen markanten Lippenstift, einen Kajal und ein tolles Parfüm im Kosmetiketui.
Der „Lily Coat“ für 999 Euro setzt auf abstrakte Lilien-Aplikationen aus saphirblauen Kristallen.
© Ansgar Sollmann
Welche Reise war Ihre schönste und warum? Berge oder Meer? Hotel? Ferienwohnung? Camping?
Wie viel Zeit habt ihr? Ich habe schon wirklich sehr tolle Reisen machen dürfen, die mich in Erinnerung noch immer erfreuen. Das war eigentlich nie wegen eines bestimmten Hotels, sondern aufgrund der Erlebnisse, der Personen, mit denen ich gereist bin, die ich im Urlaub getroffen habe, und all der tollen Erlebnisse.
Meine erste Fastenreise nach Thailand werde ich nie vergessen, Tokyo war jedes Mal ein Traum, ob privat oder beruflich, und in Italien fühle ich mich auch immer wie zu Hause. Und morgen geht es dann für eine Delegationsreise nach Seoul mit dem Fashion Council Germany und ich bin schon ganz aufgeregt und gespannt.
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