Kanada verhandelt offenbar über eine Beteiligung am 90-Milliarden-Euro-Kredit der Europäischen Union für die Ukraine. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Kanada und die EU hoffen demnach, sich vor dem EU-Kanada-Gipfel Ende Oktober in Montreal auf die Höhe eines möglichen kanadischen Beitrags zu einigen.
Mit dem Kredit will die EU die Ukraine finanziell unterstützen, die angesichts der hohen Kriegskosten vor einer Finanzierungslücke steht. Kanada wäre nach Großbritannien das zweite Nicht-EU-Land, das sich an dem Kredit beteiligt. Ein europäischer Vertreter sagte der Financial Times: „Wir sind dankbar für die Unterstützung, die Kanada der Ukraine zukommen lässt, und wir sind bereit, gemeinsam noch mehr zu tun.“
Kanada hat der Ukraine nach Angaben der Financial Times bislang militärische Unterstützung im Wert von 6,5 Milliarden kanadischen Dollar (rund 4 Milliarden Euro) zugesagt. In der vergangenen Woche unterzeichneten der kanadische Premierminister Carney und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj außerdem eine Vereinbarung über eine „100-jährige Partnerschaft“ zwischen beiden Ländern.
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Carney sucht Nähe zu Europa
Hintergrund der geplanten Beteiligung am Ukraine-Kredit ist laut Financial Times auch Carneys Bestreben, die Beziehungen Kanadas zur EU zu vertiefen. Zuletzt waren die Handelsgespräche mit den USA gescheitert. Carney verfolgt dem Bericht zufolge das Ziel, die internationalen Beziehungen seines Landes zu diversifizieren.
Wie das Wall Street Journal am Samstag unter Berufung auf Quellen berichtete, lotet Kanada eine deutlich engere Zusammenarbeit mit der EU aus. Carney soll europäischen Staats- und Regierungschefs vorgeschlagen haben, dass Kanada ein „assoziiertes Mitglied“ der EU werden könnte. Im Gespräch sind demnach unter anderem engere Kooperationen in Bereichen wie Energie, Künstlicher Intelligenz, kritischen Rohstoffen und Verteidigung.
Vorbehalte in der EU
In vertraulichen Gesprächen äußerten einige hochrangige europäische Beamte laut Wall Street Journal jedoch Bedenken hinsichtlich der Realisierbarkeit von Carneys Bestrebungen. Zehn EU-Mitgliedstaaten haben dem Bericht zufolge ein vor rund zehn Jahren mit Kanada geschlossenes Handelsabkommen bislang nicht ratifiziert.
Vertreter aus Brüssel distanzieren sich zudem von dem Begriff „assoziiertes Mitglied“, berichtete die Financial Times. Hintergrund seien die engeren Beziehungen der EU zu Ländern wie Norwegen, der Türkei und Großbritannien. Carney will nach Angaben der Zeitung am Mittwoch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen treffen. Anschließend wolle er nach Großbritannien weiterreisen, um den britischen Premierminister Andy Burnham zu treffen.
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