Super E10 hat im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,273 Euro je Liter erreicht – ein neuer Höchststand. An Autobahntankstellen werden teils schon drei Euro verlangt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert „dringend einen Spritpreisdeckel“. Doch wie kommt der Preis an der Zapfsäule überhaupt zustande? Und würde ein Deckel wirklich helfen?
Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?
Der Preis an der Zapfsäule entsteht nicht an der Tankstelle. Kraftstoff durchläuft vom Rohöl über Raffinerien und Großhandel bis zum Tanklager mehrere Preisbildungsstufen. Am Anfang steht der Rohölpreis. Raffinerien verarbeiten das Öl zu Benzin oder Diesel. Über den Großhandel gelangt der Kraftstoff an Tanklager und von dort an die Tankstellen.
Spritpreise auf Rekordhoch: Warum ein Preisdeckel Tanken sogar verteuern könnte
Die Großhandelspreise richten sich nach sogenannten Preisnotierungen. Das sind tagesaktuelle Referenzwerte, die spezialisierte Anbieter wie Platts oder Argus veröffentlichen.
Mehr als die Hälfte aller Kraftstoffmengen wird laut Bundeskartellamt über langfristige Lieferverträge gehandelt, deren Preise an solche Notierungen gekoppelt sind. Am Ende kommen Steuern – vor allem Energiesteuer und Mehrwertsteuer – sowie eine Bruttomarge hinzu. Die Tankstellenbetreiber selbst bestimmen den Endpreis in der Regel nicht. Sie erhalten pro Liter nur eine feste Provision.
Warum sind die Spritpreise gerade so hoch?
Die Lage im Nahen Osten hat sich verschärft. Die mit dem Iran verbündeten Huthi kontrollieren strategische Gebiete am Roten Meer, darunter die Insel Perim in der Meerenge Bab al-Mandab – einer zentralen Route für den internationalen Ölverkehr. Saudi-Arabien musste eine rund 1.200 Kilometer lange Pipeline nach einem Drohnenangriff vorübergehend stilllegen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent lag zuletzt knapp unter 110 US-Dollar.
Der ADAC sieht den Ölpreis allerdings nur als Teil der Erklärung. Ende April kostete Brent ebenfalls rund 110 US-Dollar – Super E10 lag damals aber nur bei etwa 2,10 Euro. Auf Raffinerie- und Großhandelsebene bestehe „weiterer Erklärungsbedarf“, so der ADAC. Dort müsse geprüft werden, ob „zulasten der Verbraucher unverhältnismäßig Marge gemacht wird“.
Wie würde ein Spritpreisdeckel funktionieren?
Anders als der Tankrabatt, der über eine gesenkte Energiesteuer wirkte, würde ein Deckel direkt eine Obergrenze für den Verkaufspreis setzen. Nach dem Vorbild Luxemburgs könnten Staat und Mineralölwirtschaft regelmäßig Kosten wie Rohöl-, Beschaffungs- und Transportpreise prüfen und daraus einen Höchstpreis ableiten.
So erklärt es Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband. Die Preisbildung könnte transparenter werden. Für die einzelnen Tankstellenbetreiber wäre ein Deckel laut Rabl allerdings wirkungslos: „Wir verdienen dadurch nicht mehr und nicht weniger.“
Warum könnte ein Preisdeckel Sprit sogar teurer machen?
Die Monopolkommission warnt vor einem paradoxen Effekt: Ein Höchstpreis verkehre sich „in der Praxis zum Zielpreis“, sagt Sprecherin Michelle Busch. Studien auf griechischen Inseln und zum belgischen Markt zeigten, dass günstige Anbieter nach Einführung einer Obergrenze ihre Preise teilweise anhoben – der Deckel glich die Preise also nach oben an, statt sie zu drücken.
Besonders groß sei das Risiko dort, „wo der Wettbewerbsdruck beispielsweise aufgrund weniger Wettbewerber und großer Entfernungen ohnehin gering ist“, so Busch. Das betrifft dünn besiedelte Teile Ostdeutschlands, aber auch ländliche Gebiete im Westen. Zudem entlastet ein Deckel nicht gezielt Geringverdiener: Vom niedrigeren Literpreis profitieren alle Autofahrer gleichermaßen.
Was hat der Tankrabatt gebracht?
Der Tankrabatt galt von Anfang Mai bis Ende Juni und senkte die Energiesteuer um 16,7 Cent je Liter. Davon kamen laut Monopolkommission im Schnitt nur 15 bis 16 Cent bei den Verbrauchern an. Schätzungsweise 100 bis 200 Millionen Euro der insgesamt 1,6 Milliarden Euro teuren Maßnahme versickerten auf dem Weg zur Zapfsäule. Die Monopolkommission rät von einem erneuten solchen Eingriff ab.
Welche Alternativen gibt es zum Spritpreisdeckel?
Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband plädiert für eine Senkung der Mehrwertsteuer. Die Mineralölkonzerne verdienten sich derzeit „eine goldene Nase“, eine Mehrwertsteuersenkung könne schneller wirken als ein komplizierter Preisdeckel.
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„Damit würde die Politik signalisieren, dass Mobilität ein Wirtschaftsgut ist, das allen Menschen zur Verfügung stehen muss.“ (Herbert Rabl, Tankstellen-Interessenverband)
Die Monopolkommission und der ADAC setzen dagegen auf strukturelle Verbesserungen. Das Bundeskartellamt hat in einer Sektoruntersuchung festgestellt, dass die Preisnotierungssysteme im Großhandel anfällig für Manipulation und stillschweigende Preisabsprachen sind. Es empfiehlt dem Gesetzgeber strengere Regeln. Der ADAC fordert mehr Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette und eine schnellere Anwendung kartellrechtlicher Instrumente.
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