Südkorea und Kasachstan haben am Dienstag in Seoul eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie unterzeichnet. Die Präsidenten Lee Jae Myung und Kassym-Schomart Tokajew vereinbarten zudem, die Beziehungen bei Energie, kritischen Rohstoffen, Handel und Künstlicher Intelligenz auszubauen.
Das Memorandum zur Kernenergie gehört zu insgesamt 13 Dokumenten, die bei dem Treffen unterzeichnet wurden. Darunter befinden sich nach Angaben des südkoreanischen Präsidialamtes auch Vereinbarungen zu Rohöl sowie zur wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit, berichtet Reuters.
Einzelheiten zu Investitionssummen, Liefermengen oder konkreten Projekten wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Bei der Vereinbarung zur Kernenergie handelt es sich um eine Absichtserklärung. Ein Auftrag an einen südkoreanischen Konzern zum Bau eines Atomkraftwerks ist damit nicht verbunden.
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Südkorea will neben Uran auch Lithium erschließen
Kasachstan besitze großes Potenzial für künftige Hochtechnologiebranchen und sei ein wichtiger Partner Südkoreas, erklärte Lee nach Angaben seines Präsidialamtes.
Südkoreas Ministerpräsidentin Han Seong-sook hatte zuvor vor Wirtschaftsvertretern dafür geworben, die Beziehungen über den bisherigen Handel mit Rohöl und Uran hinaus auszubauen. Künftig sollten auch Lithium und weitere kritische Rohstoffe einbezogen werden. Südkoreanische Unternehmen könnten ihre Technik bei der Erkundung und Förderung kasachischer Vorkommen einsetzen, berichtete Reuters unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Newsis.
Die beiden Länder beginnen dabei nicht bei null. Bereits 2024 unterzeichneten sie eine Absichtserklärung zu Lieferketten für kritische Mineralien. Sie sollte südkoreanischen Unternehmen die Beteiligung an der Suche und Erschließung von Lithium, Chrom, Uran und seltenen Erden in Kasachstan ermöglichen, wie Reuters damals berichtete.
Die neuen Gespräche bauen auf dieser Vereinbarung auf. Ein zusätzlicher Liefervertrag für Lithium oder andere Mineralien wurde bei dem Treffen am Dienstag jedoch bislang nicht veröffentlicht.
Kasachstan liefert 40 Prozent des weltweiten Urans
Kasachstan ist für das rohstoffarme Südkorea vor allem wegen seiner Uranvorkommen interessant. Das zentralasiatische Land förderte 2025 rund 25.839 Tonnen Uran und damit etwa 40 Prozent der weltweiten Menge. Seit 2009 ist es der größte Uranproduzent der Welt, wie Daten der World Nuclear Association zeigen.
Südkorea betreibt eine große Atomindustrie, ist bei den benötigten Rohstoffen aber auf Importe angewiesen. Das Land gehört zugleich zu den führenden Produzenten von Halbleitern, Batterien und Fahrzeugen. Dafür benötigt die Industrie neben Uran auch Lithium, seltene Erden und weitere strategisch wichtige Mineralien.
Am Montag hatten Südkorea und die fünf zentralasiatischen Staaten bereits eine engere Zusammenarbeit entlang der gesamten Rohstoffkette vereinbart. Nach Angaben des südkoreanischen Industrieministeriums sollen zentralasiatische Vorkommen von Lithium und seltenen Erden mit südkoreanischer Verarbeitungs- und Materialtechnik verbunden werden.
Geplant ist demnach eine Zusammenarbeit, die über die Förderung und den Export unverarbeiteter Rohstoffe hinausgeht. Sie soll auch Raffinerien, Schmelzen, die Herstellung hochwertiger Materialien und die Produktion fertiger Erzeugnisse umfassen. Konkrete Projekte wurden noch nicht genannt.
Kein neuer Auftrag für ein kasachisches Atomkraftwerk
Kasachstan plant nach einem Referendum von 2024 den Aufbau mehrerer Atomkraftwerke. Der südkoreanische Energiekonzern KHNP gehörte zu den vier Unternehmen, die sich um den Bau des ersten Kraftwerks bemühten.
Den Zuschlag für die Führung des internationalen Konsortiums erhielt im Juni 2025 jedoch der russische Staatskonzern Rosatom. Die kasachische Atomenergiebehörde bestätigte diese Entscheidung. Für ein weiteres Kraftwerk ist der chinesische Konzern CNNC als bevorzugter Partner vorgesehen.
Aus der jetzt unterzeichneten Absichtserklärung lässt sich daher nicht ableiten, dass Südkorea doch noch den Auftrag für eines der Kraftwerke erhält. Möglich sind zunächst Kooperationen bei Forschung, Technik, Ausbildung oder Teilen der nuklearen Lieferkette. Der genaue Umfang muss noch ausgehandelt werden.
Tokajew will Handel mit Südkorea verdoppeln
Tokajew wirbt parallel um weitere Investitionen aus Südkorea. Nach seinen Angaben überstieg der bilaterale Handel zuletzt drei Milliarden US-Dollar. Südkoreanische Unternehmen hätten bislang mehr als zwölf Milliarden US-Dollar in Kasachstan investiert.
Der kasachische Präsident schlug vor, das Handelsvolumen zu verdoppeln und stärker auf verarbeitete Produkte mit höherer Wertschöpfung zu setzen. Mehr als 1000 Unternehmen mit südkoreanischem Kapital seien bereits in Kasachstan tätig, meldete Qazinform unter Berufung auf das kasachische Präsidialamt.
Das bilaterale Treffen fand unmittelbar vor dem ersten Gipfel Südkoreas mit Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan statt. Seoul will seine Rohstoff- und Energieversorgung breiter aufstellen. Die zentralasiatischen Staaten suchen im Gegenzug Investoren und Technik, um einen größeren Teil ihrer Rohstoffe im eigenen Land zu verarbeiten.
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