Maria Bakalova, erste bulgarische Oscar-Nomineé, im Interview über Hollywood, Klischees und neue Hoffnung.
Maria Bakalova schrieb Geschichte, als sie als erste bulgarische Schauspielerin für einen Oscar nominiert wurde. Nach ihrem Durchbruch in „Borat Subsequent Moviefilm“ und Rollen in Produktionen wie „The Apprentice“ nutzt die in Burgas geborene Darstellerin ihre internationale Strahlkraft, um veraltete Osteuropa-Klischees aufzubrechen.
Im Rahmen der Rubrik „Gen Est“ porträtiert Mode-Insider, Trendscout und Editor-At-Large Julian Daynov Persönlichkeiten, die seine bulgarische Heimat mit frischen Visionen prägen. Er spricht mit Maria Bakalova über künstlerische Wurzeln am Meer, das Überwinden historischer Lasten und eine junge Generation, die stolz und lautstark die Zukunft ihres Landes mitgestaltet.
Du bist in Burgas aufgewachsen, an der Schwarzmeerküste. Wie hat dich diese Herkunft geprägt?
Burgas ist mein liebster Ort auf der ganzen Welt, und er ist ein sehr künstlerischer Ort. Mit sechs Jahren habe ich angefangen, Flöte und Klavier zu spielen. Mit zwölf kam das Schauspiel dazu, ich ging auf die Nationale Schule für Musik und Darstellende Künste in Burgas. Am letzten Tag meines Studiums habe ich ein Self-Tape für ein Blind-Casting in die USA geschickt. So begann meine internationale Karriere.
Du wirst oft als Wegbereiterin für Osteuropa wahrgenommen. Siehst du dich selbst so?
Ich glaube, es ist unsere Pflicht, ein Licht auf die Orte zu werfen, aus denen wir kommen. Wenn nicht wir, wer dann?
Wie sehr hat die Nachwendezeit deine Kindheit geprägt?
Ich war zu jung, um bewusste Erinnerungen an den Kommunismus zu haben. Aber ich weiß, dass ich nicht im Überfluss aufgewachsen bin – keine Riesenauswahl bei Spielzeug oder Kleidung und wenig exotisches Essen. Jeder Bulgare erwähnt irgendwann, dass es Bananen nur an Weihnachten gab (lacht). Die Inflation war erschreckend. Das hat viele Menschen davon abgehalten, sich etwas aufzubauen und groß zu denken.
Maria Bakalova bei der Premiere von „Electra“ im Mai 2025 in Beverly Hills.
© IMAGO/Collin Xavier/Image Press Agency/ABACA
Was überrascht Besucher, die zum ersten Mal nach Bulgarien kommen, am meisten?
Das Feedback, das ich bekomme: Die Menschen sind herzlich, das Essen ist köstlich, die Natur atemberaubend. Wer kommt, geht mit dem Gefühl, willkommen gewesen zu sein. Wir haben kulturelle Schwergewichte wie Christo, wir haben gerade den Eurovision Song Contest gewonnen. Und Sofia verändert sich rasend schnell – es wird kosmopolitisch. Das wünsche ich mir für ganz Bulgarien.
Als Schauspielerin mit osteuropäischen Wurzeln bekam man lange Zeit immer die gleichen Klischeerollen angeboten. Ändert sich das?
Ja, aber langsam. Das Klischee vom osteuropäischen Gangster oder der osteuropäischen Prostituierten ist lieder immer noch da. In der Musik gibt es Vorreiterinnen: Dua Lipa und Bebe Rexha haben albanische Wurzeln und sind weltweit bekannt, sie verändern das Bild ihrer Länder in der Welt aktiv. Mein Traum ist, das auch für Bulgarien anzustoßen.
Und was verändert sich im Land?
Die junge Generation entwickelt mehr Selbstvertrauen und die Zuversicht, dass Dinge möglich sind und dass wir Teil eines großen Ganzen sind, zum Beispiel der Europäischen Union. In diesem Jahr haben wir den Euro eingeführt. Damit sind wir nun offiziell ein europäisches Land, auch wenn Bulgarien der Europäischen Union bereits 2007 beigetreten ist. Wir als junge Generation tragen nicht mehr dieselbe Last auf unseren Schultern wie unsere Eltern. Wenn man über viele Jahre unterdrückt wurde, ist man logischerweise vorsichtiger damit, laut zu werden oder Missstände anzusprechen. Ich glaube, dass wir diese Zurückhaltung heute zunehmend überwinden. Umso schöner ist es jetzt zu sehen, dass eine neue Generation aufhört, sich selbst in Schubladen zu stecken. Wir hören auf, uns klein zu denken. Wir können Gleichheit einfordern, unsere Stimme erheben und Veränderungen verlangen. Die Proteste der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass junge Bulgaren ihre Zukunft selbst mitgestalten wollen.
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