Zwei mit US-Sanktionen belegte Schiffe transportieren offenbar die letzten fehlenden Strommodule für die zweite Produktionslinie von Russlands Terminal Arctic LNG 2. Das berichtet das Nachrichtenportal gCaptain unter Berufung auf aktuelle Satellitenbilder und Schiffsverfolgungsdaten. Die Schwerlastschiffe „Glory“ und „Bright“ hätten die Module zwischen dem 6. und 10. September im chinesischen Hafen Zhangjiagang geladen und seien anschließend Richtung Norden aufgebrochen.
Die Fracht könnte für den Betreiber Novatek entscheidend sein. Die zweite Produktionslinie arbeitet gCaptain zufolge bislang nur mit einem Teil ihrer vorgesehenen Stromversorgung. Dadurch sei ihre Leistung auf ungefähr die Hälfte der geplanten Jahreskapazität von 6,6 Millionen Tonnen Flüssigerdgas (LNG) begrenzt. Werden die beiden Module geliefert und installiert, könnte Novatek die Gasproduktion bei Arctic LNG 2 deutlich erhöhen. Ob die zweite Produktionslinie danach tatsächlich ihre volle Leistung erreicht, ist allerdings offen: Beim Hochfahren soll es technische Probleme gegeben haben.
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Module für Arctic LNG 2 lagen monatelang in China fest
Die beiden Module wurden ursprünglich auf einer Werft des chinesischen Unternehmens Wison in Zhoushan gebaut. Zwei weitere Stromerzeugungsmodule für dieselbe Produktionslinie waren bereits 2024 nach Russland geliefert worden. Im Januar 2025 belegten die USA die Werft wegen ihrer Unterstützung für Arctic LNG 2 mit Sanktionen. Die nun verschifften Bauteile blieben zunächst in Zhoushan und wurden erst im April und Mai dieses Jahres nach Zhangjiagang gebracht. Dort lagerten sie mehrere Monate, bevor „Glory“ und „Bright“ sie aufnahmen.
Beide Schiffe stehen ebenfalls auf der US-Sanktionsliste. Sie lieferten im Juli bereits zwei große Module aus China an Novateks Bauzentrum Belokamenka bei Murmansk. Diese Bauteile sind für die geplante dritte Produktionslinie bestimmt, wie die Berliner Zeitung damals berichtete. Die aktuelle Fracht betrifft dagegen die zweite Linie, die bereits teilweise in Betrieb ist. Zum Zeitpunkt des gCaptain-Berichts waren die Schiffe noch unterwegs. Dass die Module ihr Ziel erreicht haben, ist bislang nicht belegt.
Arctic LNG 2 zählt zu Russlands wichtigsten Vorhaben für den Ausbau seiner Gasexporte. Mit drei Produktionslinien soll die Anlage auf der sibirischen Gydan-Halbinsel jährlich knapp 20 Millionen Tonnen LNG herstellen können. Das Projekt ist ein wesentlicher Teil von Wladimir Putins Ziel, Russlands LNG-Ausfuhren bis 2030 zu verdreifachen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine belegten die USA Arctic LNG 2 im Jahr 2023 mit Sanktionen. Diese bremsten den Start der Exporte erheblich. Der damalige US-Beauftragte für Energieressourcen Geoffrey Pyatt betonte, Ziel der Vereinigten Staaten sei es, „dieses Projekt zu begraben (Originalzitat: ‚Our objective is to kill that project‘)“.
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Arctic LNG 2 verlädt 2026 rund 700 Prozent mehr Gas
Inzwischen nimmt der Betrieb dennoch Fahrt auf. Nach exklusiven LSEG-Daten für die Berliner Zeitung wurden bei Arctic LNG 2 von Januar bis Juli 2026 insgesamt 1,71 Millionen Tonnen LNG verladen – gut 700 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres mit 0,21 Millionen Tonnen. Zugleich ist die Zahl der Tanker, die die Anlage und ihre Transportinfrastruktur bedienen, laut Bloomberg-Recherchen auf mindestens 20 gestiegen. Darüber hinaus verfügt das russische Terminal mittlerweile über drei moderne Arc7-Eisbrechertanker, mit denen der LNG-Transport in der Arktis auch in den Wintermonaten möglich ist. China ist bislang der einzige bekannte Abnehmer von Lieferungen aus Arctic LNG 2.
Auch Europa importiert trotz des bevorstehenden Verbots ab 2027 weiterhin russisches LNG – allerdings vor allem über das arktische Projekt Yamal LNG: Für dessen Lieferungen zahlten europäische Abnehmer zwischen Jahresbeginn und dem 5. September 2026 nach Berechnungen der Umweltorganisation Urgewald schätzungsweise 7,3 Milliarden Euro. Damit übertrafen die Ausgaben bereits nach gut acht Monaten den Wert des gesamten Vorjahres. Der Betrag beruht auf gelieferten Mengen und europäischen Marktpreisen, da die tatsächlichen Vertragspreise nicht öffentlich sind. Von Januar bis August lieferte die Yamal-Anlage laut Urgewald 156 Ladungen mit insgesamt 11,39 Millionen Tonnen an EU-Häfen – 10,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die weltweiten Ausfuhren des Projekts sanken gleichzeitig um 3,1 Prozent.
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