Aribert Reimanns „Lear“ wird als einziges deutsches Musiktheater nach dem Zweiten Weltkrieg übrig bleiben, wenn die Opernhäuser den Aufwand für Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“ nicht mehr bezahlen können und Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ als Oper der „verstörten“ Siebzigerjahre nicht mehr verständlich sein wird.
Dem „Lear“ hilft dabei sein zeitloser Stoff, und zugleich träte natürlich der Vorbehalt zutage, dass das Stück seinen Erfolg vor allem seiner Nähe zum traditionellen musiktheatralischen Erzählen verdanke. Aber Reimanns Opern halten sich von experimentelleren Formen wie denen Mauricio Kagels oder Helmut Lachenmanns ebenso fern wie von den in jeder Hinsicht kompromissbereiten Werken Hans Werner Henzes oder Detlev Glanerts: nämlich, indem sie bei aller Treue zur Narration eine andere Form des musikalischen Erzählens finden, kompromisslos dissonant und frei von Anspielungen auf tradierte Sprachformen, auf der Suche nach einer individuellen Kantabilität und einer neuen orchestralen Klangpalette.
Musiktheater
Finsternis: Die Komische Oper führt Reimanns „Lear“ im Hangar auf – ein Geniestreich
Barrie Kosky eröffnet die Saison der Komischen Oper im Hangar Tempelhof mit Aribert Reimanns Shakespeare-Oper – kompromisslos, dissonant und von beklemmender Aktualität.
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„Lear“ von Aribert Reimann. In der Titelrolle: Scott Hendricks
© Monika Rittershaus
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