Irgendwo zwischen Neapel und Palermo, nachts, vor der Diskothek eines schwimmenden Hochhauses: Ein junger Mann macht eine Bemerkung über eine junge Frau. Kurz darauf fliegen Stühle.
Die Szene auf der „Costa Smeralda“ beschäftigt inzwischen die Staatsanwaltschaft Palermo. 13 Passagiere zwischen 18 und 20 Jahren wurden wegen schwerer Rauferei angezeigt, berichtet das sizilianische Nachrichtenportal Palermo Today.
Salentiner gegen Sizilianer an der Bord-Disco
Die eine Gruppe kam aus dem Salento, dem Absatz des italienischen Stiefels, und war in Civitavecchia bei Rom zugestiegen. Die andere stammte aus Sizilien und hatte in Palermo eingecheckt.
An der Disco kreuzten sich ihre Wege. Eine Bemerkung gegenüber einer jungen Frau passte einem der Männer nicht, aus Worten wurden Fäuste. Tische und Stühle dienten laut dem Portal als Schlagwerkzeug.
Vom Tanzboden bis vor die Aufzüge
Die Prügelei hielt sich an keine Hausordnung. Sie zog von der Disco durch die Gänge bis in den Bereich der Aufzüge.
Dort hörte jeder Spaß auf. Einige Beteiligte sollen einem jungen Mann gegen den Kopf getreten haben, als er schon bewusstlos am Boden lag. Er kam vorübergehend ins Krankenhaus, schwere Verletzungen stellten die Ärzte nach Angaben des Portals nicht fest.
Bordkameras überführen die Passagiere
Auf einem Kreuzfahrtschiff prügelt man sich nie unbeobachtet. Die Crew alarmierte die Behörden, in Palermo ging die Grenzpolizei an Bord und sichtete die Aufnahmen der Überwachungskameras.
So konnten die Beamten nach italienischen Medienberichten alle 13 Beteiligten identifizieren. Festgenommen wurde niemand, die jungen Leute wurden auf freiem Fuß angezeigt. Anderslautende Meldungen korrigierte das US-Kreuzfahrtportal Cruise Fever.
Verurteilt ist bislang niemand. Welche Rolle jeder Einzelne spielte, muss die Justiz klären.
Rauferei in Italien: Schon das Mitmachen ist strafbar
Deutsche Urlauber sollten die Rechtslage kennen. Nach Artikel 588 des italienischen Strafgesetzbuchs ist bereits die Teilnahme an einer Rauferei strafbar, mit bis zu 2000 Euro Geldstrafe.
Wird dabei jemand verletzt, drohen jedem Beteiligten sechs Monate bis sechs Jahre Haft. Entscheidend ist nicht, wer zugeschlagen hat, sondern dass jemand verletzt wurde.
Das deutsche Recht ist hier zurückhaltender. Paragraf 231 StGB bestraft die bloße Beteiligung an einer Schlägerei erst, wenn ein Mensch stirbt oder schwer verletzt wird, und zwar mit bis zu drei Jahren Haft.
Costa sperrt die 13 – und die AIDA?
Ein Sprecher von Costa Cruises betonte laut dem britischen Independent, die Sicherheit von Gästen und Crew habe oberste Priorität. Die Beteiligten dürfen demnach nicht mehr mit Costa reisen.
Ob die Sperre auch für AIDA gilt, ist nicht bekannt. Die Rostocker Reederei ist innerhalb des Carnival-Konzerns unter dem Dach von Costa organisiert, die „Costa Smeralda“ stammt aus derselben Schiffsklasse wie die AIDAnova.
Wann genau die Prügelei stattfand, ist uneinheitlich überliefert. Die Zeitung nennt den 5. März, italienische Medien geben kein Datum an. Öffentlich wurde der Fall erst Mitte September, als Videos der Polizei in sozialen Netzwerken kursierten.
Die „Costa Smeralda“ ist 337 Meter lang und fasst bis zu 6554 Passagiere. Für 13 von ihnen ist dort künftig kein Platz mehr.
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