Die Kosten für den Transport von Rohöl aus dem Persischen Golf nach China haben erstmals die Marke von einer Million Dollar pro Tag überschritten. Nach Daten der Baltic Exchange stieg die Tagesrate für die Nutzung eines Supertankers auf 1,035 Millionen Dollar, umgerechnet rund 902.000 Euro. Darüber berichten Bloomberg und Reuters.
Die Preissteigerungen beschränken sich nicht auf die Golfregion. Auch auf der Route von Westafrika nach Asien erreichten die Frachtraten laut Reuters Rekordstände. Grund dafür sind längere Transportwege, hohe Sicherheitsrisiken und eine wachsende Zahl von Tankern, die für Umladungen rund um die Straße von Hormus eingesetzt werden.
Pipeline-Ausfall erhöht Druck auf Flotte
Zusätzlich verschärft wurde der Engpass durch den Ausfall der saudischen Ost-West-Pipeline. Die Leitung verbindet die Ölfelder an der Golfküste mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer. Sie ermöglicht Saudi-Arabien normalerweise, Millionen Barrel Rohöl zu exportieren, ohne die Straße von Hormus passieren zu müssen.
Nach einem Drohnenangriff am 10. September wurde die Pipeline stillgelegt. Seit dem 16. September wurde in Yanbu kein Rohöltanker mehr beladen, wie Reuters unter Berufung auf Daten von Schiffsbeobachtern berichtet.
Die Anlagen von Saudi Aramco in Ras Tanura sind ein zentraler Ausgangspunkt für die Rohölexporte des Landes. Wegen des Pipeline-Ausfalls wird derzeit mehr Öl von dort durch die Straße von Hormus verschifft. Foto: Barry Iverson Photography
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Saudi Aramco verschifft deshalb mehr Öl durch die Straße von Hormus. In der Woche ab dem 13. September verließen nach Angaben des Analyseunternehmens Kpler 22 Tanker mit insgesamt rund 42 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge.
Mindestens zwei europäische Raffinerien sollen im Oktober nun zunächst kein saudisches Rohöl erhalten. Aramco strebt laut einem Bloomberg-Bericht eine teilweise Wiederinbetriebnahme der Pipeline „innerhalb weniger Tage“ an. Bis zum vollständigen Betrieb könnten jedoch mehrere Wochen vergehen.
Öl wird vor Oman umgeladen
Um die Lieferungen aus der Golfregion aufrechtzuerhalten, setzen die Produzenten verstärkt auf Schiff-zu-Schiff-Transfers. Tanker bringen das Rohöl zunächst durch die Straße von Hormus und übergeben es vor der Küste Omans an andere Schiffe, die anschließend die längeren Fahrten zu den Abnehmerländern übernehmen.
Dieses Verfahren hält den Ölfluss aufrecht, bindet aber zusätzliche Schiffe und verlängert die Wartezeiten. Nach Angaben von Clarksons Research befinden sich inzwischen rund 15 Prozent der weltweiten Flotte sehr großer Rohöltanker vor Oman. Andere Schiffe umfahren gefährdete Routen über das Kap der Guten Hoffnung. Dadurch können sich die Fahrten um etwa zwei Wochen verlängern.
Auch Lloyd’s List Intelligence beobachtet eine zunehmende Verknappung verfügbarer Schiffe. Der Preisanstieg habe inzwischen weitere Tankerklassen und Handelsrouten erfasst.
Öltransport wird zum erheblichen Kostenfaktor
Die Frachtkosten für Rohöl aus der Golfregion nach China liegen nach Berechnungen von Reuters inzwischen bei mehr als 30 Dollar je Barrel, umgerechnet rund 26 Euro. Damit entfällt mehr als ein Viertel des Werts einer Ölladung auf den Transport. Vor dem Iran-Krieg machten die Frachtkosten nur einen Bruchteil des Ladungswerts aus.
Die Entwicklung belastet Raffinerien unabhängig vom eigentlichen Rohölpreis. Bleiben die Transportkosten hoch, könnten sinkende Ölpreise deshalb nur teilweise bei den Verbrauchern ankommen und Kraftstoff länger verteuern.
Zuletzt gaben die Rohölpreise bereits nach. Brent verbilligte sich am Montag um rund 1,9 Prozent auf 101,75 Dollar je Barrel, umgerechnet knapp 89 Euro, und sank damit den vierten Handelstag in Folge. US-Rohöl der Sorte WTI fiel auf 98,34 Dollar, umgerechnet rund 86 Euro. Als Gründe nennt Reuters Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte und gestiegene saudische Exporte durch die Straße von Hormus. Trotz der jüngsten Verluste kostet Brent noch deutlich mehr als vor einem Monat.
Eine schnelle Entspannung ist jedoch nicht absehbar. Reedereien haben laut Reuters im Jahr 2026 bereits 217 Supertanker bestellt. Im gesamten Vorjahr waren es 93. Die zusätzlichen Schiffe werden jedoch erst in den kommenden Jahren ausgeliefert und können den derzeitigen Engpass nicht kurzfristig beheben.
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