Kurzweilig und temporeich: Die neue Comedy-Serie „Spyon“ handelt von Nachwuchsagenten, die den deutschen Geheimdienst aufmischen. Die fünf Anwärter beim BND werden von Sogol Faghani, Klaus Steinbacher, Lea Zoë Voss, Lukas Zumbrock und Nhung Hong gespielt.
Letztere ist diese Woche der Star in unserem Berlin-Fragebogen. Die aus Produktionen wie „Mädchen Mädchen“ oder „Doppelhaushälfte“ bekannte Wahlberlinerin spielt in der ZDFneo-Serie die unterschätzte Mikrosystemingenieurin Yuki.
Nhung Hongs Schauspielkarriere begann in Berlin, aufgewachsen ist sie allerdings im vorpommerschen Anklam, wo sie 2020 Abitur machte und als eine der Jahrgangsbesten eigentlich Medizinische Physik studieren wollte. Doch dann kam alles anders ...
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1. Frau Hong, Sie wurden 2002 in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi geboren. Wie ist Ihre Familie nach Deutschland gekommen?
Mein Vater kam damals als Vertragsarbeiter in die DDR und lernte bei einem Heimatbesuch meine Mutter kennen. Irgendwann kam ich als Dritte dazu und wir zogen in eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in Anklam.
2. In der Hansestadt sind Sie dann aufgewachsen. Was sind Ihre einprägsamsten Erinnerungen an Ihre Kindheit und Jugend in Mecklenburg-Vorpommern?
Die leeren weiten Felder und die frische Luft der Ostsee.
3. Wie kam es, dass Sie schließlich nach Berlin gezogen sind – und wie waren Ihre ersten Eindrücke von der Stadt?
Ich kam für meine Schauspielkarriere, von der ich nicht wusste, dass sie damals begann, mit 18 allein nach Berlin – und ich war wirklich maßlos überfordert mit allem. Ich bin noch eine ganze Weile immer in die falsche Richtung gefahren, weil ich nicht verstanden habe, dass eine Linie natürlich zwei verschiedene Endstationen hat. Für ein Dorfkind unverständlich.
Zur Person
4. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie schon gewohnt – und wo sind Sie schließlich gelandet und geblieben?
Ich habe zunächst im Prenzlauer Berg in einer Mädchen-WG gewohnt. Es waren noch tolle Zeiten, denn mein Zimmer hat nur 400 Euro gekostet und ich hatte einen dreimal so großen Kleiderschrank, weil wir unsere Klamotten geteilt haben.
Danach zog ich in meine erste eigene Wohnung in Wedding. Ich liebe Wedding, weil es ein Kiez ist, in dem Menschen arbeiten, man sich grüßt und es mehr arabische Märkte als Supermärkte gibt. Obst und Gemüse sind dort besonders frisch. Schließlich bin ich aber wieder im Prenzl-Kiez gelandet, weil ich hier mit dem Fahrrad mobiler sein kann.
5. Wie oft sind Sie noch in Ihrer alten Heimat an der Peene, und mit welchen Gefühlen fahren Sie heute aus der Hauptstadt dorthin?
Ich besuche alle paar Wochen meine Eltern in Mecklenburg-Vorpommern. Heute sehe ich es eher als eine Auszeit, da ich Berlin als mein Zuhause empfinde.
6. Viele Menschen empfinden Berlin mittlerweile als zu laut, zu dreckig, zu voll. Wie sehen Sie das? Haben Sie einen Fluchtpunkt – oder spielen mit dem Gedanken, die Stadt zu verlassen?
Ich kann das als Zugezogene gar nicht so gut einschätzen wie jemand, der hier aufgewachsen ist. Doch ich liebe diesen Trubel und wie in dieser Stadt alles gleichzeitig passiert. Ich bin schnell vom Alltag gelangweilt, deshalb passt die Abwechslung ganz gut zu mir.
Natürlich kann es manchmal zu viel sein, aber das Tolle an Berlin ist, dass man das ja nicht mitmachen muss. Ich flüchte gern auf Friedhöfe. Sie werden von allen als respektvoller Ort der Stille betrachtet, wo man im Geiste füreinander da ist. Ich bin sehr spirituell und der Gedanke, Seelen zu besuchen und ihre Anwesenheit zu genießen, beruhigt mich.
7. Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?
Die Fischerpinte am Plötzensee. Der bisherige Pächter ist leider gestorben, und der Bezirk strebt einen Rückbau an. Schade.
8. Ihre persönliche No-go-Area?
Schöneberg. Ich komm da so blöd mit den Öffis hin.
9. Ein Abend mit Freunden – in welchem Restaurant wird reserviert?
Meine Freunde und ich sind junge Leute mit wenig Geld. Wir gehen dann ins La Cantina. Die Pizza kostet 6,90 Euro, das Ambiente ist gemütlich, nicht überheblich, und das Personal ist freundlich, ohne dass es nervt.
10. Einkaufen in der Stadt – in welchem Laden glüht Ihre Kreditkarte besonders gern?
Bei Muji.
11. Der beste Stadtteil Berlins? Oder der schlimmste?
Wedding hat mein Herz.
12. Was nervt Sie am meisten an der Stadt – und was heitert Sie wieder auf?
Berlin ist so unfassbar groß. Ich verbringe im Schnitt vier Stunden am Tag in der BVG. Das sind 16 Prozent meines Tages, in denen ich nichts Wertvolles machen kann. Dann wiederum ist es immer sehr befriedigend, wenn ich eine Anschlussbahn früher erreiche, als es mir die App ansagt.
13. Wie sieht ihr perfektes Berlin-Wochenende aus – vom ersten Kaffee am Morgen bis zum letzten Drink in der Nacht?
Ich beginne den Tag gut ausgeschlafen (es ist 13 Uhr) mit der ersten von vier Tassen Kaffee. Dann gibt es völlig überteuertes Frühstück im Benedict, weil ich am Tag zuvor vergessen habe einzukaufen. Auf dem Sprung schaue ich beim Adieu vorbei, ob dort Julian arbeitet (und um mir einen weiteren Kaffee zu ergaunern).
Danach schaue ich auf „Wo ist?“, wer gerade in der Nähe ist. Ich entscheide mich, zu Freunden im Mauerpark zu stoßen. Dort ist es zu voll und wir gehen zum Weinbergspark, um dort die restliche Sonne zu genießen, Karten zu spielen und Kaltgetränke vom Späti zu trinken.
Langsam wird es kühler und der Boden härter. Ich gehe mit Jun noch spontan ins Studio und wir versuchen, an Songs zu arbeiten. Nach mehreren Versuchen und einer lyrischen Blockade lassen wir es sein. Wir werden angerufen und setzen uns noch zu Freunden ins Haliflor. Dort habe ich wieder vergessen, dass man nur bar bezahlen kann, und erhöhe meine Schulden bei meinen Freunden.
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