Verbot

„Wir sind hier nicht in Neapel!“: Bürgermeister in Frankreich verbietet Wäsche am Fenster

Wäsche-Verbot in Frankreich: RN-Bürgermeister Rémi Berthoux begründet den Erlass in Thizy-les-Bourgs mit dem Stadtbild. Kritik am Neapel-Vergleich.

3 Min
Wäsche am Balkon gehört in Neapel zum Straßenbild, wie hier in der Via Francesco Girardi. Im französischen Thizy-les-Bourgs bei Lyon kann genau dieser Anblick jetzt ein Bußgeld kosten.

Wäsche am Balkon gehört in Neapel zum Straßenbild, wie hier in der Via Francesco Girardi. Im französischen Thizy-les-Bourgs bei Lyon kann genau dieser Anblick jetzt ein Bußgeld kosten.

© IMAGO

Wer in Thizy-les-Bourgs seine Unterhose zum Trocknen ans Fenster hängt, riskiert jetzt ein Bußgeld. Der Bürgermeister der Kleinstadt nordwestlich von Lyon hat Wäsche an Fenstern, Balkonen und Fassaden verboten, sobald sie von der Straße aus zu sehen ist.

Die Gemeinde kündigte das Verbot auf Facebook mit einem Satz an, der ihr nun um die Ohren fliegt: „Nein, wir sind hier nicht in Neapel!“

Wäsche-Verbot in Thizy-les-Bourgs: Das regelt der Erlass

Der Erlass stammt vom 8. September, wie das Lyoner Lokalradio Radio Espace berichtet. Verboten ist alles, was an Fenstern, Balkonen oder Fassaden hängt und öffentlich sichtbar ist.

Sogar Blumenkästen fallen darunter, wenn sie über das Geländer ragen und schlecht gesichert sind.

Erlaubt bleibt der Wäscheständer auf dem Balkon. Er darf nur nicht über die Brüstung hinausragen.

Wie hoch das Bußgeld ausfällt, hat die Gemeinde bislang nicht verraten.

Warum der Bürgermeister die Wäsche verbietet

Thizy-les-Bourgs hat knapp 5800 Einwohner und entstand 2013 aus dem Zusammenschluss von fünf Gemeinden. Seit März regiert dort Rémi Berthoux, 30 Jahre alt, vom Rassemblement National (RN). Gewählt wurde er auf einer Liste des vereinten rechten Lagers.

Dem Fernsehsender France 3 sagte er, er stehe voll und ganz hinter dem Erlass. Mit dem Rummel habe er nicht gerechnet.

Den Anstoß gaben demnach Händler. Morgens lagen vor ihren Läden gelegentlich Kleidungsstücke und Unterwäsche, die aus den Fenstern darüber gefallen waren.

Einige Familien habe die Stadt vorab angesprochen. Manche hätten eingelenkt, andere nicht.

Das Verbot sei Teil eines ganzen „Arsenals“, mit dem Berthoux die Innenstadt wiederbeleben will. Dazu gehören sanierte Häuser, mehr Videoüberwachung und neue Parkregeln. Das Wäsche-Verbot gilt allerdings für die ganze Gemeinde.

Neapel-Vergleich: Anwohner reagieren verärgert

Der junge Einheimische Léo sagte dem Fernsehsender, er habe in Thizy noch nie Wäsche an Fenstern gesehen. Der Ort habe italienische Wurzeln, das dürfe man nicht vergessen. Er frage sich, ob der Bürgermeister die Geschichte des Ortes überhaupt kenne.

Eine gebürtige Neapolitanerin sprach laut dem Lokalradio von einem Vorurteil. In ihrer Heimatstadt gehöre die Wäsche am Balkon schlicht zum Alltag.

Berthoux weist das zurück. Fremdenfeindlich sei an dem Satz nichts gewesen, man habe witzig sein wollen. „Aber in diesem Land darf man über nichts mehr lachen“, klagte er.

Rentner Jean-Marc gibt ihm sogar ein Stück weit recht: Wäsche am Fenster könne schon stören. Nur hat er weder Garten noch Terrasse noch Platz für einen Trockner. Seine Hemden trocknen künftig drinnen auf dem Ständer.

Wäsche auf dem Balkon trocknen: Was gilt in Deutschland?

Hierzulande hätte ein pauschales Verbot kaum Bestand. Mietrechtsanwalt Dennis Rehfeld vom Deutschen Anwaltverein erklärte in einem Ratgeber, generelle Verbote in Mietvertrag oder Hausordnung seien unzulässig.

Ein Wäscheständer mit normaler Wäsche, der unter der Brüstung bleibt, ist demnach in Ordnung. Heikel wird es, wenn Laken über das Geländer hängen, Nachbarn sich an Gerüchen stören oder für die Leine Löcher in die Fassade gebohrt werden müssten.

Unterm Strich gilt in Thizy damit fast dieselbe Faustregel wie in Berlin. Der Kampf gegen Neapel endet bei einer Vorschrift, die jede deutsche Hausverwaltung unterschreiben würde.

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