Israel

Meron Mendel über „Naza“: „Ein gefundenes Fressen für Netanjahu“

Meron Mendel, der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, spricht im Interview über die Empörung, die der Film „Naza“ ausgelöst hat, Israels Eliteeinheit 8200 und den Wahlkampf.

10 Min
Meron Mendel im September 2023 in Berlin

Meron Mendel im September 2023 in Berlin

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Der Dokumentarfilm „Naza“ hat in Venedig den Spezialpreis der Jury gewonnen und in Israel heftige Empörung ausgelöst. Der Kulturminister will den Regisseuren die Staatsbürgerschaft entziehen, der Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eskaliert. Meron Mendel, der Publizist, Pädagoge und Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, analysiert die Gründe. Ein Gespräch über einen Film, den beide Gesprächspartner nicht gesehen haben.

Der Film „Naza“ hat vor allem in Israel extreme Reaktionen hervorgerufen, obwohl ihn noch kaum jemand gesehen hat, auch ich nicht. Hat Sie das überrascht?

Auch ich habe ihn nicht gesehen, insofern sitzen wir alle auf dem Trockenen. Aber es geht in Israel ohnehin eigentlich nicht um den Film. Das Klima dort ist gerade sehr aufgeheizt, denn am 27. Oktober wird gewählt und für beide politischen Lager steht alles auf dem Spiel. Netanjahu und sein Lager tun alles dafür, um die Aufmerksamkeit von ihrer Verantwortung für den 7. Oktober abzulenken. Dass er durch seine Politik die Hamas gestärkt hat, dass er sämtliche Warnsignale vor dem 7. Oktober ignoriert hat, diese Themen will Netanjahu wegwischen. Und das funktioniert wunderbar, indem man Nebelkerzen zündet und Feinde im Inneren identifiziert. Und nun ist es dieser Film, der von ihnen als große Bedrohung für Israel dargestellt wird.

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