Chinas Staatspräsident Xi Jinping beginnt an diesem Mittwoch einen dreitägigen Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten. Er folgt einer Einladung von US-Präsident Donald Trump nach Washington.
Bei den Gesprächen im Weißen Haus wolle Xi mit Trump ausführlich über zentrale Fragen der bilateralen Beziehungen sowie über Weltfrieden und Entwicklung sprechen. Das sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun, am Montag in Peking.
Der wechselseitige Austausch der beiden Staatsoberhäupter innerhalb eines halben Jahres habe „historische Bedeutung als Meilenstein“, erklärte Guo. China sei bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten und den Dialog zu vertiefen. Differenzen sollten angemessen bewältigt und der Nutzen für die Bevölkerungen beider Länder vergrößert werden.
Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua ordnete den Besuch als Schritt zu mehr Berechenbarkeit ein. Seit Trumps Amtsantritt 2025 hätten die beiden Staatschefs mehrfach telefoniert, Briefe ausgetauscht und sich zweimal persönlich getroffen. Bei ihrer Begegnung in Peking im Mai hätten sich beide auf eine „konstruktive Beziehung strategischer Stabilität“ verständigt. Diese solle als Leitlinie für die kommenden drei Jahre dienen.
Peking strebt dauerhafte Stabilität an
Xi habe diese Formel nach Xinhua-Angaben mit vier Elementen unterlegt: einer positiven Stabilität mit Kooperation als Hauptrichtung, einer soliden Stabilität mit maßvollem Wettbewerb, einer beständigen Stabilität mit beherrschbaren Differenzen sowie einer dauerhaften Stabilität mit Friedenszusagen.
Zitiert wurde auch Sean Stein, Präsident des amerikanisch-chinesischen Wirtschaftsrats US-China Business Council. Gipfeltreffen schafften vor allem Vertrauen zwischen den Staatschefs und erleichterten dadurch weitere Schritte.
Bilateraler Handel wächst zweistellig
Trotz der Handelskonflikte verweist Xinhua auf ein Wachstum des bilateralen Warenhandels von 13,7 Prozent im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr. In China seien bis Juli insgesamt mehr als 84.000 Unternehmen mit US-Beteiligung ansässig gewesen. Eine chinesische Wirtschaftsdelegation habe im Juli Vertreter von mehr als 120 US-Unternehmen und Organisationen in Salt Lake City, Chicago und Washington getroffen.
Nach chinesischen Angaben verhandeln beide Seiten zudem über gegenseitige Zollsenkungen auf nicht sensible Waren im Wert von jeweils rund 30 Milliarden Dollar. Ein bilaterales „Board of Trade“ soll diesen Bereich koordinieren. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte Anfang September gegenüber dem Sender Fox News, Washington strebe keinen umfassenden Handelsvertrag mit China an.
Sanktionsspirale trifft auch Europäer
Die Sanktionsspirale zwischen beiden Seiten hat sich in den vergangenen Monaten weitergedreht. Die US-Regierung setzte Ende Juli 43 weitere chinesische Unternehmen auf eine Sperrliste. Deren Waren gelten als mit Zwangsarbeit hergestellt und dürfen nicht eingeführt werden.
Das Pekinger Handelsministerium untersagte daraufhin die Zusammenarbeit mit sechs US-Unternehmen und -Organisationen. Zusätzlich kündigte es strengere Ausfuhrkontrollen für bestimmte Drohnen und elektronische Bauteile in die USA an.
Auch europäische Unternehmen sind betroffen. China verhängte im Juli Exportkontrollen gegen 14 Firmen aus Deutschland und anderen EU-Ländern. Darunter sind der Rüstungskonzern Rheinmetall, die Antraco Chemie-Handelsgesellschaft aus Duisburg und Sindlhauser Materials aus Kempten.
Ausfuhren sogenannter Dual-Use-Güter mit zivilem und militärischem Verwendungszweck an diese Firmen sind seither untersagt. Die Maßnahme ist eine Reaktion Pekings auf das 21. Sanktionspaket der EU gegen Russland, das auch chinesische Einrichtungen trifft.
Streit um Seltene Erden bleibt ungelöst
Zu den ungelösten Streitpunkten zwischen Washington und Peking gehören zudem die chinesischen Ausfuhrbeschränkungen für Seltene Erden. Dies sind Rohstoffe für Elektronik, Elektromotoren und Rüstungsgüter. Auf Fragen der New York Times zur für den 10. November geplanten Ausweitung der Beschränkungen verwies Guo auf die zuständigen Behörden.
Zu Berichten, wonach China Lieferungen trotz früherer Zusagen nicht vollständig wieder aufgenommen habe, sagte er, sein Land setze sich für stabile globale Lieferketten bei kritischen Mineralien ein. Beide Seiten sollten die Vereinbarungen der Staatschefs umsetzen.
Zu den Ausfuhrbeschränkungen gegenüber Japan erklärte Guo, China untersage die Ausfuhr von Dual-Use-Gütern an japanische Militärnutzer. Ziel sei es, eine weitere Aufrüstung Japans und mögliche nukleare Ambitionen zu verhindern.
Peking sucht auch Entspannung mit der EU
Parallel zu den Gesprächen mit Washington bemüht sich Peking um Entspannung im Handelsstreit mit der Europäischen Union. Chinas Außenminister Wang Yi warnte am Montag in einem Telefonat mit Bundesaußenminister Johann Wadephul vor einem Handelskrieg mit der EU.
Er forderte Deutschland auf, innerhalb der Union für freien Handel einzutreten. China und die EU seien nach Angaben seines Ministeriums „umfassende strategische Partner“. Das Auswärtige Amt betonte laut Reuters dagegen, Handelsbeziehungen müssten auf fairen Regeln und gleichen Wettbewerbsbedingungen beruhen.
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Taiwan zwischen Boom und Bedrohung – Sachsen blickt nach Taipeh
Hintergrund ist ein erhebliches Handelsungleichgewicht. Nach Eurostat-Zahlen importierte die EU 2025 Waren im Wert von 559,4 Milliarden Euro aus China. Exportiert wurden dorthin nur Güter für 199,6 Milliarden Euro.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuletzt in ihrer Rede zur Lage der Union betont, das Handelsdefizit habe einen „kritischen Punkt“ erreicht. Brüssel werde alle verfügbaren Instrumente nutzen, um die Handelsbeziehungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Bei einem Treffen am 8. und 9. Oktober in China erwartet die EU-Kommission erste konkrete Ergebnisse aus den Verhandlungen zwischen EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao.
Taiwan und KI im Hintergrund
Auch die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz dürfte beim Gipfel von Xi und Trump eine Rolle spielen. Sicherheitsexperten aus den USA und China hatten erst jüngst davor gewarnt, dass autonome KI-Systeme eine militärische Krise unbeabsichtigt eskalieren lassen könnten.
Überschattet werden die Verhandlungen zudem durch die Taiwan-Frage. Die Inselrepublik, die sich offiziell Republik China nennt, wird seit dem Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 eigenständig regiert. Bis zur Demokratisierung in den späten 1980er- und den 1990er-Jahren geschah dies autoritär unter Kriegsrecht.
Taiwan wird international nur von wenigen Staaten diplomatisch anerkannt. Peking betrachtet die Insel weiterhin als Teil des eigenen Staatsgebiets. Ihr politischer Status gehört zu den zentralen Konfliktpunkten im Verhältnis zu Washington.
Die USA sind Taipehs wichtigster militärischer Unterstützer. Keine der drei großen Parteien in Taiwan unterstützt Pekings Modell „ein Land, zwei Systeme“.
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