Am 19. November soll „Grand Theft Auto VI“ erscheinen, das wohl meist erwartete Videospiel dieses Jahrzehnts. Es ist ein Spiel für Erwachsene. Und trotzdem, sagt der Psychologe Florian Buschmann, fiebern schon Grundschulkinder dem Termin entgegen.
„Wenn sich bereits Neunjährige auf ein Spiel ab 18 freuen, dann ist klar: Die Altersfreigabe hält das Thema nicht aus dem Kinderzimmer fern“, so der Gründer der Initiative „Offline Helden“. Sein Rat an Eltern: nicht erst im November reagieren, sondern jetzt, wo der Hype schon da ist.
Wie groß der Sog ist, zeigt eine Beobachtung, die Buschmann nach eigenen Angaben zuletzt mehrfach erreicht hat: Berufsschulen hätten ihm signalisiert, in den ersten Wochen nach dem Start besser keine Workshops zur Suchtprävention einzuplanen – weil sie mit Fehlzeiten rechnen. „Dass Schulen ihre Präventionsarbeit um einen Spiele-Release herumplanen, hätte ich vor ein paar Jahren nicht für möglich gehalten“, sagt er.
Bekannt, ohne es zu besitzen
Die offizielle Einstufung durch die USK steht noch aus, alle bisherigen Hauptteile waren ab 18 Jahren freigegeben. Der Grund liegt in den Inhalten: bewaffnete Gewalt, Drogen, ein stark sexualisiertes Milieu. In Buschmanns Workshops ist die Reihe dennoch fast überall bekannt. Besitzen müssen die Kinder das Spiel dafür nicht – auf Videoplattformen sind Spielszenen weitgehend unabhängig von der Altersfreigabe abrufbar.
Workshop für Eltern
Medienexperte Florian Buschmann bietet am Dienstag, 27. Oktober 2026, einen kostenlosen einstündigen Online-Workshop für Eltern an. Thema: Wie Familien mit dem Interesse ihrer Kinder an „GTA 6“ umgehen können. Informationen und Anmeldung unter www.florian-buschmann.de.
Eine Frage hört Buschmann auf Elternabenden besonders oft: Wenn ich doch mitspiele, ist es dann in Ordnung? Gemeinsames Spielen sei wertvoll, es schaffe Nähe und Gesprächsanlässe, sagt er. Eine Altersfreigabe hebe es aber nicht auf, denn sie beziehe sich auf Inhalte, die Kinder in ihrer Entwicklung belasten können. „Begleitung hilft beim Einordnen. Sie macht drastische Inhalte aber nicht altersgerecht.“
Vor GTA 6: Netz wettet auf Ukraine-Frieden und Jesu Rückkehr
Schon wieder: Rockstar Games verschiebt Release von „GTA VI“ erneut
Der 25-Jährige, als Jugendlicher selbst mediensüchtig, erwartet bei „GTA 6“ einen stärkeren Sog als bei früheren Titeln: eine große Parallelwelt mit einer Geschichte, in die man eintaucht. Anders als kurze Spielrunden könne sich eine erzählte Welt über Wochen ziehen – es gebe immer ein nächstes Kapitel.
Das Geschäft nach dem Kauf
Mit dem Kaufpreis ist es oft nicht getan. Beim Vorgänger lag das eigentliche Geschäft im Online-Modus, wo sich echtes Geld in Spielwährung tauschen ließ: Auswertungen zufolge kamen dort seit 2014 über fünf Milliarden Dollar zusammen, bei nur rund vier Prozent regelmäßig zahlenden Spielern. „Ein System, das seinen Umsatz mit wenigen sehr aktiven Nutzern macht, ist für Jugendliche mit Suchtneigung besonders heikel“, so Buschmann. Für den Story-Modus von „GTA 6“ hat Hersteller Rockstar Mikrotransaktionen ausgeschlossen; wie der Online-Teil aussehen wird, ist offen.
Buschmanns Empfehlung an Familien: sich ansehen, worum es geht – Trailer und Beschreibungen sind frei verfügbar. Klären, ob das Spiel zu den eigenen Werten passt. Die Technik regeln: Auf PS5 und Xbox lassen sich Titel ab 18 über die Familieneinstellungen für Kinderkonten sperren. Und vor allem: rechtzeitig entscheiden. „Am Erscheinungstag diskutieren Sie nicht mehr über Werte, sondern gegen die Vorfreude von Wochen.“
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]