Wie die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen heute mitteilten, sind neun Mitglieder einer polnischen Autodiebstahlbande per Europäischem Haftbefehl festgenommen worden.
Den zwölf Männern zwischen 19 und 54 Jahren wird vorgeworfen, zwischen 2017 und 2025 hochwertige Pkw aus dem gesamten Bundesgebiet gestohlen, nach Polen verbracht und dort verwertet zu haben – Gesamtschaden: über drei Millionen Euro.
120 polnische und 60 sächsische Beamte durchsuchten am Dienstag Objekte unter anderem in Wroclaw, Lubin und Zgorzelec. Dabei wurden verschiedene Fahrzeugteile von etwa 30 entwendeten Fahrzeugen sichergestellt.
Die Staatsanwaltschaft Dresden hatte zuvor einen Europäischen Haftbefehle für neun Beschuldigte beantragt. Sie befinden sich nunmehr in Polen in Auslieferungshaft, ihnen soll in Sachsen der Prozess gemacht werden.
Die gestohlenen Fahrzeuge werden komplett in Einzelteile zerlegt.
© Polizei Sachsen
Wo wurden welche Fahrzeuge gestohlen?
„Insgesamt haben wir Fahrzeugteile von 75 Fahrzeugen gefunden. Die Marken waren fast ausnahmslos BMW, Audi, Mercedes und Porsche“, erklärt der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt im Gespräch mit dieser Zeitung.
Dabei war die wohl insgesamt zwölfköpfige Bande europaweit aktiv. „Wir konzentrieren uns auf die Diebstähle im Bundesgebiet“, so Schmidt weiter und nennt alle Städte, denen sie Fahrzeugdiebstähle der Polen-Bande zuordnen konnten. Es geht quer durch Deutschland:
Algermissen, Bad Sassendorf, Berlin, Bleicherorde, Castrop-Rauxel, Delbrück, Diekholzen, Dresden, Dülmen, Ebersbach-Neugersdorf, Erlensee, Eschwege, Garbsen, Görlitz, Groß-Gerau, Groß-Twülpstedt, Groß-Zimmern, Halle/Saale, Heiligenstadt, Hildesheim, Kleinmachnow, Klipphausen, Laupheim, Leverkusen, Lippstadt, Lübbenau, Magdeburg, Mannheim, Münster, Neckarsulm, Neuberg, Niederau, Nordstemmen, Nörten-Hardenberg, Northeim, Oybin, Radeberg, Radebeul, Saarbrücken, Schleife, Schönfeld, Schulzendorf, Schwäbisch-Hall, Uder, Untermünkheim-Kupfer, Velpke, Wadersloh, Walldorf, Wiesloch, Wolfenbüttel, Wolfsburg und Zittau.
Ein Problem seit Jahrzehnten
Bereits seit 2010 hat Sachsen Verträge mit polnischen Behörden, um die grenzüberschreitende Kriminalität in den Griff zu bekommen. Wie solche Diebstähle organisiert werden, schilderte in jenen Jahren der Verbindungsbeamte der polnischen Polizei in Deutschland, Robert Baranski, bei einer Konferenz zur Grenzkriminalität in Frankfurt (Oder): „Vor allem Autos der VW-Gruppe werden in den sogenannten Bunkern auseinandergebaut.“ Das sind versteckte Werkstätten, die bis zum Wegfall der Grenzkontrollen 2007 noch in Brandenburg lagen, seither aber überwiegend in Polen zu finden sind.
Bereits im Oktober 2020 konnte die „Soko Kfz“ zusammen mit der Wojewodschaftskommandantur Wroclaw den Kopf einer hierarchisch organisierten polnischen Bande festgenommen, die auf Diebstähle von Keyless-Go-Fahrzeugen der Marken Porsche, Mercedes, BMW und Audi spezialisiert war.
Wie auf einem Friedhof liegen in Polen die Überreste der zerlegten Fahrzeuge.
© Polizei Sachsen
Über 30.000 Fahrzeuge verschwinden jedes Jahr, jedoch kaum E-Autos
Für die anhaltend hohen Fallzahlen – das BKA zählte 2023 rund 15.924 dauerhaft entwendete Pkw, 2024 waren es bereits über 30.000 gemeldete Fälle – lieferte Anfang 2026 Henning Hauswald, Leiter der sächsischen „Soko Kfz“, eine bemerkenswerte Randnotiz: E-Autos würden von Dieben eher gemieden, denn: „Diebe haben keine Zeit, um an die Ladesäule zu fahren.“
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Der jüngste Schlag gegen die Bande wurde durch das EU-Programm ISF LUMEN Expanded mitfinanziert, das eng mit Europol kooperiert. Erst im September 2025 waren 52 Ermittler aus Polen, Tschechien, Österreich und Deutschland in Warschau zusammengekommen, um 21 laufende Verfahren zur internationalen Kfz-Verschiebung zu besprechen – ein Beleg dafür, wie sehr sich die einst improvisierte Grenzkooperation von 2010 zu einer dauerhaften europäischen Fahndungsstruktur entwickelt hat.
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