Sicherheit

Drohnen, Scharfschützen, Bunker: Wovor rüstet Trump Washington?

Donald Trump will seinen Triumphbogen mit Drohnen, Scharfschützen und Munition ausstatten. Auch unter dem neuen Ballsaal entsteht ein Militärkomplex. Doch gegen welche Gefahr?

5 Min
Nationalgardisten nahe dem Weißen Haus in Washington. Trump hat den Einsatz der Truppen in der Hauptstadt bis Januar 2029 verlängert.

Nationalgardisten nahe dem Weißen Haus in Washington. Trump hat den Einsatz der Truppen in der Hauptstadt bis Januar 2029 verlängert.

© Hasan Akbas/imago

Ein monumentaler Triumphbogen, auf dessen Dach Scharfschützen Stellung beziehen können. Drohnen, die von dort schnell zum Einsatz kommen sollen. Große Mengen Scharfschützenmunition mitten an einer der markantesten Zufahrten nach Washington. Und wenige Kilometer entfernt ein neuer Ballsaal am Weißen Haus, unter dem Schutzräume und militärische Anlagen entstehen.

US-Präsident Donald Trump versieht seine großen Bauprojekte in Washington zunehmend mit einer zweiten Funktion: Sie sollen nicht nur repräsentativ sein, sondern der nationalen Sicherheit dienen. Die Frage ist nur, vor welcher konkreten Gefahr.

Triumphbogen soll zum Militärkomplex werden

Am Sonntag hatte Trump die Pläne für den rund 76 Meter hohen Bogen überraschend erweitert. Auf Truth Social erklärte er, auf „starken Wunsch“ des US-Militärs und aus Gründen der nationalen Sicherheit solle das Monument zu einem „erstklassigen Militärkomplex/Triumphbogen“ werden.

Nach Trumps Darstellung sollen dort zahlreiche Drohnen gelagert und kurzfristig eingesetzt werden können. Scharfschützen sollen auf dem Dach und dem Platz darunter Position beziehen können. Zudem kündigte der Präsident größere Vorräte an Scharfschützenmunition an. Der Bogen soll an einem stark befahrenen Kreisverkehr nahe der Arlington Memorial Bridge entstehen, zwischen dem Lincoln Memorial und dem Nationalfriedhof Arlington.

Die militärische Nutzung ist neu. CNN berichtet, sie sei in den bisherigen Entwürfen und Konzepten, die den zuständigen Bundesbehörden vorgelegt wurden, nicht enthalten gewesen. Mehrere Personen, die mit der Regierung an dem Projekt arbeiten, seien von Trumps Ankündigung überrascht worden.

Auch Militärexperten stellen Fragen. Der pensionierte Marine-Oberst Mark Cancian vom Center for Strategic and International Studies verwies gegenüber Reuters darauf, dass sich weniger als zwei Kilometer entfernt mit Joint Base Myer-Henderson Hall bereits eine aktive Militäranlage befindet. Auch das Pentagon liegt nur wenige Kilometer entfernt. Warum gerade der Triumphbogen einen zusätzlichen Drohnen- und Scharfschützenstützpunkt brauche, sei nicht erkennbar. Trump nannte bisher keine spezifische Bedrohung, gegen die die neue Anlage schützen soll. Das Pentagon erklärte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur lediglich, den Angaben Trumps nichts hinzufügen zu können.

Eine Replik von Donald Trumps geplantem Triumphbogen bei der Great American State Fair in Washington im Juli 2026.

Eine Replik von Donald Trumps geplantem Triumphbogen bei der Great American State Fair in Washington im Juli 2026.

© Gage Skidmore/imago

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Projekt steckt mitten im Rechtsstreit

Die neue Begründung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Drei Vietnam-Veteranen und ein Architekturhistoriker klagen gegen das Projekt. Sie argumentieren unter anderem, der Kongress müsse einem Bau dieser Größenordnung zustimmen. Außerdem würde der Bogen nach ihrer Auffassung die historische Sichtachse zwischen Lincoln Memorial und Arlington National Cemetery beeinträchtigen. Eine endgültige Genehmigung der National Capital Planning Commission steht noch aus.

Eine Bundesrichterin verpflichtete die Regierung bereits dazu, 48 Stunden vor Arbeiten auf dem Gelände Bescheid zu geben. Zusätzliche Fragen wirft nun der geplante Drohnenbetrieb auf. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte den Bogen unter bestimmten Auflagen zwar als ungefährlich für den Flugverkehr eingestuft. Die angekündigte Nutzung als Drohnenstützpunkt war dabei jedoch noch nicht Gegenstand der Prüfung.

Auch Trumps Ballsaal wurde zum „Militärkomplex“

Die Argumentation erinnert auffällig an ein anderes Prestigeprojekt des Präsidenten. Auf dem Gelände des abgerissenen East Wing des Weißen Hauses entsteht ein rund 400 Millionen US-Dollar teurer Ballsaal. Auch diesen bezeichnet Trump mittlerweile regelmäßig als Teil eines „Militärkomplexes“.

Hier ist der militärische Anteil allerdings dokumentiert. Unter dem Ballsaal entsteht nach Gerichtsunterlagen ein umfangreicher unterirdischer Sicherheitskomplex. Trump hat von Schutzräumen, medizinischen Einrichtungen sowie Schutz vor Drohnen und Raketen gesprochen. Das US-Justizministerium bezeichnete das Gesamtprojekt vor dem Supreme Court als für die nationale Sicherheit dringend erforderlich.

Auch beim Ballsaal rückte dieses Argument stärker in den Vordergrund, als das Projekt vor Gericht auf Widerstand stieß. Untere Gerichte stoppten zeitweise die oberirdischen Arbeiten. Ende August erlaubte der Supreme Court mit fünf zu vier Stimmen die Fortsetzung. Das Gericht entschied damit allerdings nicht endgültig über die Rechtmäßigkeit des Baus. Die Mehrheit verwies vor allem auf Zweifel an der Klagebefugnis der Denkmalschutzorganisation und auf mögliche Sicherheitsfolgen eines Baustopps.

Ein Baukran am Gelände des neuen Ballsaals am Weißen Haus. Unter dem Gebäudekomplex entsteht auch eine militärische Sicherheitsanlage.

Ein Baukran am Gelände des neuen Ballsaals am Weißen Haus. Unter dem Gebäudekomplex entsteht auch eine militärische Sicherheitsanlage.

© Gent Shkullaku/imago

Regierung sieht Vorteil im Sicherheitsargument

Reuters beschreibt dahinter ein breiteres Muster. Trump berief sich in seiner zweiten Amtszeit unter anderem bei Zöllen, Offshore-Windparks, dem Einsatz der Nationalgarde und seinen Bauprojekten auf die nationale Sicherheit. Rechtsexperten zufolge nutzen US-Präsidenten dieses Argument seit Jahrzehnten. Trump wende es jedoch häufiger und auf deutlich mehr Politikfelder an.

Dass dies innerhalb der Regierung auch als strategischer Vorteil gesehen wird, räumte ein hochrangiger Vertreter des Weißen Hauses gegenüber Reuters ein. Sicherheitsargumente könnten Trumps Position stärken, wenn seine Vorhaben auf juristische Hindernisse stoßen. Sie veränderten das „rechtliche und politische Terrain“ eines Konflikts. Auf die Frage, ob diese Strategie Erfolg habe, antwortete der Regierungsvertreter knapp: „Es funktioniert.“

Reale Anschlagsgefahr?

Ganz theoretisch sind Gefahren für das politische Zentrum Washingtons allerdings nicht. Mitte Juni vereitelte das FBI nach Angaben des US-Justizministeriums einen mutmaßlichen Anschlagsplan auf UFC Freedom 250, eine Großveranstaltung am 14. Juni auf dem Gelände des Weißen Hauses. Die Verdächtigen sollen geplant haben, zunächst mit Sprengstoff bestückte Drohnen über dem Veranstaltungsbereich einzusetzen und damit eine Evakuierung auszulösen. Scharfschützen sollten anschließend auf ausgewählte hochrangige Zielpersonen in der fliehenden Menge feuern. In verschlüsselten Chats diskutierte die Gruppe nach Angaben der Ermittler auch konkrete Drohnenstartplätze und Scharfschützenpositionen rund um das Weiße Haus.

Auch mögliche Anschläge aus dem Umfeld des Iran beschäftigen die amerikanischen Sicherheitsbehörden. FBI und National Counterterrorism Center warnten in diesem Jahr vor einer anhaltenden iranischen Bedrohung für Regierungs- und Militärvertreter. Mehrere konkrete Warnungen vor angeblichen iranischen Mordplänen gegen Trump konnten US-Geheimdienste laut Reuters allerdings nicht bestätigen.

Ob solche Gefahren etwas mit Trumps neuen Plänen für den Triumphbogen zu tun haben, ist unbekannt. Der Präsident sagte lediglich, die militärische Nutzung erfolge auf „starken Wunsch“ der Streitkräfte.

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