Berlin, Hackescher Markt. Die Pressekonferenz zur Olympia-Bewerbung ergab am Donnerstag, dass Berlin seine Bewerbung tatsächlich zurückgezogen hat. Als weitere deutsche Olympia-Bewerber bleiben München und KölnRheinRuhr im Rennen.
Die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger offenbaren ein tief gespaltenes Stimmungsbild. Auf der einen Seite wird Berlin als Austragungsort befürwortet und als enorme Chance wahrgenommen. Andererseits wird das Milliardenprojekt von vielen als reine Geldverschwendung kritisiert.
Rudern in Deutschland
© Christian Charisius/dpa
Alles Geldverschwendung
Die Kritik an den Plänen ist vielerorts greifbar. Marton B., 34 Jahre alt, sagt, er habe die Bewerbungen mitverfolgt und halte gar nichts davon. Für ihn seien die Spiele vor allem eines: Geldverschwendung und teuer. Auch wenn er die politischen Details nicht kenne, vermute er nach den Wahlen hinter einem möglichen Berliner Rückzug politische Motive. Wenn überhaupt, würde er sich noch am ehesten München als Ausrichtungsort vorstellen, da die Stadt es sich finanziell eher leisten könne.
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Auch pragmatische Stimmen melden sich zu der Debatte rund um Olympia: Alexander F., 30 Jahre alt, verfolgte das Bewerbungsverfahren und den Rückzug der Hauptstadt aufmerksam. Er empfinde den Rückzug als vollkommen richtigen Schritt. Das immens hohe Budget für ein solches Großevent sei in lokalen Projekten der Stadt deutlich besser angelegt, sagt er. Er bezweifle stark, dass exzessive Olympia-Ausgaben der Berliner Infrastruktur oder den Bürgern nachhaltig zugutekommen würden. Dass die Politik nun zurückrudere, sieht er als folgerichtige Bürgerreaktion.
Steffi H., 51 Jahre alt, blickt mit Bedauern auf das Berliner Aus: Olympia hätte der Hauptstadt wichtigen Tourismus, Einnahmen und ein besseres Image gebracht. Dass hinter dem Rückzug politische Motive stecken könnten, findet sie schade. Im verbleibenden Rennen drückt sie nun München die Daumen – auch wenn sie sich mehr Abwechslung bei den deutschen Austragungsorten wünschte. Vor allem stört sie jedoch die ständige Spardebatte: Die Spiele wären eine einmalige Chance, Deutschland der Welt als schönes und weltoffenes Land zu präsentieren.
München als Favorit bei der Auswahl der deutschen Bewerber
© Sven Hoppe/dpa
Doch es gibt auch enthusiastische Stimmen. Der 47-jährige, gebürtige Rostocker, Daniel H. spricht von Olympia als einem „megageilen Event“, welches Deutschland und besonders Berlin enorm gut stehen würde. Zwar sehe er NRW aktuell gut im Rennen und hebe Münchens schönere Kulisse sowie eine gute Infrastruktur hervor, doch für die Hauptstadt wäre der Zuschlag von hoher Wichtigkeit: „Die Leute interessieren sich nicht mehr so wirklich für Olympia, das ist ein bisschen zurückgefahren. Das letzte wirklich geile Event war Usain Bolt auf 100 Metern.“
„Breakdance reicht nicht aus“
Um das zu ändern, brauche es modernere Sportarten – Formate wie Breakdance genügten da nicht, sagt Daniel H. Er verweist dabei auf den Fitnesstrend Hyrox, dessen Gründer bis 2032 die olympische Bühne anstreben. Zudem ordnet er die Debatte wirtschaftspolitisch ein: Sport sei längst globales Standortmarketing. Genau deshalb brauche Berlin an der Stadtspitze Personen, die Investitionen und Großevents mutig anziehen, anstatt sie durch Abschrecken zu verhindern.
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Die 60-jährige Katrin H. sieht das Zurückziehen der Bewerbung gelassen und findet es keineswegs schade. Zwar lasse sich nach den jüngsten Wahlen durchaus ein politischer Hintergrund vermuten, doch das Berliner Vorhaben sei für sie schon vorher fragwürdig gewesen. Jede Region sollte selbst entscheiden dürfen, ob sie ein solches Event überhaupt möchte – sie persönlich favorisiere München. Sportliche Wettkämpfe schätze sie zwar grundsätzlich, sehe Deutschland als Gastgeber jedoch genauso gut wie jedes andere Land und empfinde die Planung als immense Kommerzialisierung: Am Ende stecke hinter Olympia einfach viel zu viel Geld.
Der Olympiapark in München
© Frank Hoermann /Imago
Diskurs ohne Durchblick
Den Abschluss bildet eine besonders differenzierte Stimme. Die 38-jährige Anja S. verfolgte den gesamten Debattierprozess rund um die Austragungsorte und die Pro-Kontra-Argumente des Berliner Senats aufmerksam. Den Berliner Rückzug bedauert sie primär aus Effizienzgründen: In die Ausarbeitung der Konzepte sei viel Zeit und Geld geflossen und das, ohne die Chance zur Umsetzung wahrzunehmen, fühle sich im Nachhinein wie verpulvertes Budget an. Ob man die Entscheidung jedoch einfach der Politik der Linken zuschreiben könne, lässt sie offen. Generell plädiert sie, dass dem Privatmenschen schlicht das Hintergrundwissen fehle, um alle Facetten eines solchen Milliardenprojekts zu beurteilen. Rein praktisch sieht sie letztlich München im Vorteil: Der dortige Olympiapark sei nahbar, sympathisch und biete die Möglichkeit, viele Wettkämpfe auf einer zentralen Fläche zu erleben, ohne ständig den Standort wechseln zu müssen.
Die Meinungen vom Hackeschen Markt spiegeln die allgemeine Spaltung der Bewohnerinnen und Bewohner: Während die einen den Verlust von internationaler Präsenz und Investitionen bedauern, sehen die anderen die verhinderten Ausgaben als Sieg der Vernunft. Ob München oder die Region Rhein-Ruhr den olympischen Traum für Deutschland wahr machen können, bleibt offen.
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