Ein Containerschiff aus China ist nach einer Fahrt durch den neu eröffneten Pinglu-Kanal im vietnamesischen Hafen Can Tho empfangen worden. Die Begrüßungsfeier fand am Donnerstag statt, wie die vietnamesische Zeitung Tuoi Tre berichtet.Das Schiff war am 16. September in Nanning gestartet und über den Kanal und den Golf von Tonkin ins Mekongdelta gefahren, wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.
Demnach transportierte der Frachter 252 Standardcontainer, darunter Holzplatten, Natriumsulfat und Autoteile. Die neue Verbindung zwischen Nanning und Can Tho soll zunächst zweimal im Monat bedient werden. Für die Strecke sind nach Angaben des vietnamesischen Blatts Nhan Dan rund sieben Tage vorgesehen. Ob dauerhaft ausreichend Fracht in beide Richtungen zusammenkommt, muss sich noch zeigen.
Empfangsfeier für das erste Handelsschiff, das durch Chinas Pinglu-Kanal nach Vietnam gefahren ist, am 24. September 2026 im Hafen von Can Tho.
© Duong Huy/Xinhua/imago
Kürzerer Weg von China nach Südostasien
China hatte den 134,2 Kilometer langen Pinglu-Kanal am 16. September eröffnet. Er verbindet das Binnenwasserstraßennetz der Region Guangxi mit dem Golf von Tonkin. Zuvor mussten Schiffe aus der Region zunächst nach Osten in Richtung der Häfen der Provinz Guangdong fahren.
Die neue Route verkürzt diesen Binnenwasserweg nach chinesischen Angaben um mehr als 560 Kilometer. Der Kanal ist für Schiffe mit einer Tragfähigkeit von bis zu 5000 Tonnen ausgelegt.
Der Bau dauerte gut vier Jahre und kostete laut Xinhua 72,7 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 9,4 Milliarden Euro. Drei Schleusenanlagen überwinden einen Höhenunterschied von etwa 65 Metern. Der Kanal gehört zu einem Handelskorridor, der Chinas Binnenregionen mit südostasiatischen Märkten verbinden soll. Chinesische Stellen erwarten, dass die neue Wasserstraße die Logistikkosten senkt. Dabei handelt es sich bislang um Prognosen.
Kanal als strategische Alternative im Handelskonflikt
Die Eröffnung des Pinglu-Kanals fällt in eine Zeit wachsender Handelskonflikte mit den USA und zunehmender Spannungen im Südchinesischen Meer. Mit dem Kanal baut Peking seine Transportinfrastruktur in Richtung Südostasien aus und bindet die Binnenprovinzen enger an eine Region, die für China sowohl als Absatzmarkt als auch als Produktionsstandort und Rohstofflieferant an Bedeutung gewinnt.
Der Pinglu-Kanal verändert damit zwar nicht die internationalen Seewege selbst. Er verschiebt aber Chinas interne Warenströme weg von den stark ausgelasteten Häfen im Perlflussdelta und schafft einen zusätzlichen Zugang zu den südostasiatischen Märkten. Die South China Morning Post bezeichnet das Projekt deshalb als neues maritimes Tor für das südwestchinesische Hinterland.
Luftaufnahme der Schleusenanlage Madao am Pinglu-Kanal in Südchina: Im Juni 2026 wurde Wasser in den letzten Abschnitt der damals noch nicht eröffneten Wasserstraße eingelassen.
© Xiang Zhiqiang/Xinhua/imago
Neue Verbindung für das Mekongdelta
Auch für Vietnam eröffnet die Route eine direkte Transportmöglichkeit zwischen dem Hafen von Can Tho und Südwestchina. Aus der chinesischen Region können etwa Industrieprodukte eingeführt werden.
In Gegenrichtung kommen nach Angaben der Stadtverwaltung von Can Tho unter anderem Reis, Obst und Meeresfrüchte aus dem Mekongdelta als Fracht infrage. Die Hafenbetreiber müssen nun regelmäßige Ladungen für beide Fahrtrichtungen gewinnen, damit sich die Verbindung auf Dauer trägt.
China schafft neue Handelsroute nach Südostasien - milliardenteurer Kanal eröffnet
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