1. FC Union

Union Berlin hat ein Stürmerproblem – Ist Joselu doch die Lösung?

Andrej Ilic fehlt bei Union Berlin an allen Ecken und Enden. Ein neuer Stürmer wird dringend gebraucht. Löst Joselu die Probleme der Eisernen?

5 Min
Joselu traf für Real Madrid einst gegen Union Berlin. Jetzt könnte der die Probleme im Angriff bei den Eisernen lösen.

Joselu traf für Real Madrid einst gegen Union Berlin. Jetzt könnte der die Probleme im Angriff bei den Eisernen lösen.

© Luciano Lima/imago

Der 1. FC Union Berlin vermisst seinen Stürmer. Andrej Ilic fehlt nun bereits seit dem Beginn der Sommervorbereitung. Erst verabschiedete er sich wegen einer Lebensmittelvergiftung aus dem Trainingslager in Österreich. In der Folge berichtete die Bild, der Stürmer habe sich wegen einer Blinddarmentzündung operieren lassen müssen. Ohne ihn läuft es bei den Eisernen derzeit überhaupt nicht.

Nach vier Spielen ist Union mit einem Punkt Vorletzter und hat nach dem 0:7 in München bereits 17 Gegentore kassiert. Die größte Sorge der Köpenicker ist also eigentlich die Abwehr. Doch auch die Offensive ließ während der bisherigen Spiele einiges zu wünschen übrig.

Ilic fehlt nicht nur vorm Tor

Das hat zum einen spielerische Gründe, aber eben auch personelle: Klar, wenn ein Stürmer, der in der Vorsaison an 15 Toren beteiligt war, fehlt, dann tut das einer Mannschaft weh. Aber nicht nur seine Scorer fehlen Union derzeit, sondern besonders seine Kopfballstärke, die in der Mannschaft niemand ersetzen kann.

Andrej Ilic wird bei Union vermisst.

Andrej Ilic wird bei Union vermisst.

© Soeren Stache/dpa

Ilyas Ansah verließ den Klub kurz vor dem Ende des Transferfensters und auch Nachwuchsstürmer Dmytro Bogdanov wurde spät im Sommer noch an den FC Energie Cottbus verliehen. Mauro Lustrinelli standen bisher also nur noch Emmanuel Latte Lath, Marin Ljubicic und Tim Skarke als Optionen für den eigentlich geplanten Doppelsturm zur Verfügung, von denen Ljubicic mit 1,83 Metern noch der größte ist.

Skarke hat zwar schon zweimal als Joker getroffen und Latte Lath bringt definitiv seine Stärken mit. Lange Bälle gegen große Innenverteidiger behaupten kann aber keiner von ihnen. Diese Rolle war auch gar nicht für sie vorgesehen. Sie sollen eigentlich neben einem Wandstürmer wie Ilic spielen, der ihnen die Bälle so weiterleitet, dass sie ihr Tempo ausspielen können.

Doch nicht nur offensiv fehlt Ilic. Auch die Defensive stünde stabiler, wenn der Ball, nachdem er geklärt wurde, mal in den eigenen Reihen bleiben würde, weil Ilic ihn in letzter Linie kontrollierte – und eben nicht direkt die nächste Angriffswelle des Gegners auf sie einprasseln würde.

Es braucht einen Ersatz

Gut für Union also, dass die Länderspielpause ihrem Hoffnungsträger Zeit gibt, zu genesen. Doch selbst wenn Ilic am 10. Oktober gegen den SV Elversberg wieder zur Verfügung stehen sollte, bleibt die Frage, wie schnell er auch wieder in Form sein kann.

Rückblickend muss es als Fehler bezeichnet werden, dass nach dem Ansah-Abgang kein neuer Stürmer verpflichtet wurde, auch wenn der Markt wohl nicht allzu viele Optionen geboten hatte. Dass zusätzlich aber auch noch Bogdanov, der in der Vorbereitung oft als Zielspieler fungierte, ohne Not abgegeben wurde, verschärft die derzeitige Situation.

Und davon auszugehen, dass alle Probleme gelöst sind, wenn Ilic zurückkehrt, wäre ein Trugschluss. Keineswegs kann es die Lösung sein, dass Ilic ab dem Zeitpunkt seiner Genesung jedes Spiel über 90 Minuten spielt. Ein neuer Stürmer mit einem ähnlichen Profil muss zwingend verpflichtet werden. Spätestens im Winter, idealerweise sogar schon früher.

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Kann Horst Heldt nochmal nachlegen?

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© IMAGO/Jan Huebner

Dafür müsste Horst Heldt einen derzeit vertragslosen Stürmer finden. Der Markt für solche bietet Ende September selten die allerbesten Deals, weswegen Heldt voraussichtlich auch bisher noch nicht tätig wurde. Doch die Not ist groß und sie wächst auch bei den Spielern, weshalb sich der Geschäftsführer der Profi-Männer von Union womöglich doch noch einmal genauer umsehen sollte.

Viele Optionen gibt es nicht

Die ganz großen Namen unter den Spielern, die noch keinen neuen Verein gefunden haben, werden auch jetzt noch unrealistisch sein. Union-Fans sollten sich wohl keine Hoffnungen darauf machen, dass Karim Benzema oder Mauro Icardi bald im Stadion An der Alten Försterei auflaufen werden.

Joselu (r) kennt Union Berlin noch aus der Champions League.

Joselu (r) kennt Union Berlin noch aus der Champions League.

© Manu Fernandez

Ein Spieler aber, an dem Union schon während des Transferfensters Interesse gehabt haben soll, könnte jetzt noch einmal interessant werden. Am Spanier Joselu sollten am Deadline Day laut einem Bericht von Sky nicht nur Union Berlin, sondern ganz besonders Eintracht Frankfurt interessiert gewesen sein sowie mehrere Vereine aus Spanien. Zustande kam aber keiner der Transfers.

Fast vier Wochen, nachdem das Transferfenster geschlossen wurde, steht Joselu noch immer ohne Verein da. Während er im August vielleicht noch eine andere Option präferiert hätte, könnten die Eisernen nun eine gute Lösung für den Stürmer sein.

Ins gesuchte Profil würde er passen. Kopfballstärke bringt der 1,91 Meter große Stürmer genauso mit wie Erfahrung in der Bundesliga, wo er unter anderem für Eintracht Frankfurt spielte. Das große Manko bei ihm: das Alter. Mit 36 Jahren ist er womöglich nicht mehr der Stürmer, der vor zwei Jahren die Bayern aus der Champions League geschossen hat, ehe er den Wettbewerb mit Real Madrid gewann. Zumal er die jüngsten zwei Jahre in der ersten Liga Katars verbracht hat.

Die Rolle, die Ilic bei Union einnimmt, kann Joselu also vielleicht nicht mit der Wucht des Serben, dafür aber trotzdem mit Erfahrung ausfüllen. Zumal es Führungsspieler bei Union gerade nicht zuhauf gibt. Und: Etwa drei Jahre, nachdem er für Real Madrid gegen Union Berlin in der Champions League doppelt traf, würde er auf jeden Fall ein wenig königlichen Glanz mit nach Köpenick bringen.

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