Es gibt Abende, nach denen man einen Ort anders sieht. Samstag, der 19. September 2026, war so ein Abend für die Berliner Waldbühne. 20.000 Menschen saßen im restlos ausverkauften Rund zur Abenddämmerung und auch nach Sonnenuntergang – verzaubert von den großen Melodiebögen, die so wohl nur die Italiener bauen können.
Auf der Bühne stand eine 72-jährige Gianna Nannini, die mehr als zwei Stunden lang zeigte, warum sie seit fünf Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen der europäischen Rockmusik gehört. Es war ihr einziges Konzert in diesem Jahr und zugleich der Auftakt zu ihrem Jubiläumsprojekt „Giannagold“. Das führt sie 2027, wie wir jetzt wissen, auch nach Leipzig.
Drei Seiten Nanninis: Rockband, Orchester, Klavier
Das Besondere an Gianna Nanninis Konzertabend bis zur Zugabe „Un’ estate italiana“ (dem offiziellen Fußball-WM-Song Italiens 1990) war seine Architektur. Da war die Rockband, die jene raue, heisere Energie freisetzte, mit der Nannini in den 1980ern berühmt wurde.
Da war aber auch das Bohemian Symphony Orchestra Prague unter der Leitung von Martin Sanda, das mit raffinierten Arrangements neue Farben in vertraute Songs brachte. Und da war, im vielleicht intimsten Moment, Gianna Nannini ganz allein am Klavier.
Gerade dieser Moment erinnerte daran, woher sie kommt. Klavier studierte sie am Konservatorium in Lucca, der Geburtsstadt Giacomo Puccinis, später nahm sie in Mailand Kompositionsunterricht bei Bruno Bettinelli.
Die Rockröhre, die klassisch geschulte Musikerin und die Klavierkomponistin waren in der Waldbühne an einem einzigen Abend zu erleben. Nebeneinander und doch in Personalunion.
Deutschland, ihre zweite musikalische Heimat
Dass ausgerechnet Berlin den Auftakt machte, ist kein Zufall. „Ich bin eine Berlinerin“, sagte Nannini im Frühjahr im Interview mit der Berliner Zeitung. Und: „Früher war die Stadt eine Insel, ein Refugium für Ungehorsame.“
Für die Karriere der Sängerin aus einer Sieneser Konditorenfamilie spielte Deutschland eine Schlüsselrolle. 1982 kam Gianna Nannini zu Conny Plank, dem legendären Produzenten, der mit Kraftwerk und Neu! den Sound der elektronischen Musik mitgeprägt hat.
In Conny Planks Studio auf einem Bauernhof bei Köln entstanden die Alben „Latin Lover“, „Puzzle“ mit „Fotoromanza“ und „Profumo“ mit der Mega-Single „Bello e impossibile“, einem ihrer bis heute größten Hits. Diese Alben formten ihren Sound und machten sie auch in Deutschland zum Star.
Leipzig: Arena-Show im Oktober 2027
Jetzt folgt das nächste Kapitel, und Leipzig ist dabei. Am 16. Oktober 2027 kommt Gianna Nannini mit der „Giannagold – Celebration Tour – Live 2027“ in die Quarterback Immobilien Arena. Nach dem Tourauftakt in ihrem Heimatland Italien ist Leipzig einer von nur acht Terminen in Deutschland und der Schweiz.
Tickets gibt es ab Freitag, 25. September, 10 Uhr, im Presale bei Eventim. Der allgemeine Vorverkauf startet am Montag, 28. September, um 10 Uhr.
Das Album zur Tour
Für alle, die es gar nicht abwarten können: Am 6. November erscheint bereits das Album „Giannagold“ mit 29 Songs. Darunter sind vier bislang unveröffentlichte Titel und zehn neu arrangierte Orchesterversionen, also genau jene Klangwelt, die Berlin so begeistert hat.
Mit dabei sind auch „America Inc.“ mit Marracash und „Meraviglioso errore“, das Nannini gemeinsam mit Brunori Sas und Dimartino geschrieben hat.
Nach allem, was die Waldbühne erlebt hat, darf sich Leipzig auf einen grandiosen Abend freuen. La dolce vita, aber mit verzerrten Gitarren.
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