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Terrorverdacht

Flydubai-Flug: Messerattacke im Cockpit – Crew und Passagiere verhindern offenbar Absturz

Ein Pilot soll den Kapitän mit einem Messer attackiert haben. Die Boeing sackte rund 4200 Meter ab und sendete einen Notfallcode, bevor Crew, Passagiere und mitreisende Piloten eingriffen.

Peter Steiniger Alexander Schmalz
6 Min
Israelische Touristen steigen aus einem Flugzeug der Fluggesellschaft Flydubai, das vom Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv gestartet war, auf dem Flughafen von Dubai aus.

Israelische Touristen steigen aus einem Flugzeug der Fluggesellschaft Flydubai, das vom Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv gestartet war, auf dem Flughafen von Dubai aus.

© Malak Harb/AP

Passagiere und Besatzungsmitglieder haben nach israelischen Angaben an Bord eines Flydubai-Fluges einen Piloten überwältigt, der zuvor den Kapitän mit einem Messer attackiert und offenbar versucht haben soll, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schilderte den Vorfall am Mittwochnachmittag erstmals ausführlich und sprach von einem „äußerst schweren Sicherheitsvorfall“.

Israelische Medien berichteten von knapp 180 Menschen an Bord. Fast alle Passagiere seien Israelis gewesen, sagte Netanjahu. Einer der Piloten habe den anderen während des Anflugs auf Israel mit einem Messer angegriffen. Anschließend habe er offenbar versucht, die Maschine mit den Insassen zum Absturz zu bringen. Der mutmaßliche Angreifer wurde nach der Notlandung in Saudi-Arabien festgenommen und wird dort nach Angaben Netanjahus verhört.

Besonders ausführlich äußerte sich Netanjahu zum Eingreifen der Menschen an Bord. Er habe mit einem Passagier gesprochen, der ihm berichtet habe, die Maschine sei ins Trudeln geraten und habe begonnen, stark zu sinken. Der Mann sei gemeinsam mit einem Besatzungsmitglied in das Cockpit gelangt. Dort hätten sie den angreifenden Piloten überwältigt, während dieser versucht habe, Systeme des Flugzeugs zu beschädigen. Andere Piloten an Bord hätten daraufhin die Kontrolle übernommen. „Sie retteten viele Leben. Sie verhinderten eine schwere Katastrophe“, sagte Netanjahu.

Passagiere sollen Angreifer mit Ladekabeln gefesselt haben

Inzwischen liegen weitere Schilderungen von Passagieren vor. Ein Israeli, der nach eigenen Angaben an dem Eingreifen beteiligt war, berichtete der Jerusalem Post, der Angreifer habe den anderen Piloten mehrfach mit einem kleinen Messer verletzt und versucht, ihn aus dem Cockpit zu drängen. Mehrere Passagiere seien daraufhin nach vorn gestürmt und hätten den Mann aus dem Cockpit gezogen.

Weil zunächst keine geeigneten Fesseln verfügbar gewesen seien, hätten Passagiere den Angreifer nach Darstellung des Mannes mit Ladekabeln fixiert. Der anonym bleibende Passagier sagte der Jerusalem Post, er habe zudem zwei mitreisende Piloten dazu gedrängt, ins Cockpit zu gehen und die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen. Ein israelischer Zahnarzt an Bord habe währenddessen den verletzten Piloten versorgt. Diese Einzelheiten wurden bislang nicht unabhängig bestätigt.

Videos aus dem Flugzeug liefern zumindest Hinweise auf die dramatische Situation. Die Nachrichtenagentur AP überprüfte Aufnahmen, auf denen zwei verletzte Männer am Boden zu sehen sind. Andere Menschen leisten Erste Hilfe und bewachen den Zugang zum Cockpit. Auf weiteren Aufnahmen sind weinende und schreiende Passagiere zu sehen, während das Flugzeug stark schwankt.

Medienvertreter und Passagiere versammeln sich am Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv.

Medienvertreter und Passagiere versammeln sich am Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv.

© Jack Guez/AFP

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Boeing sackt binnen Sekunden mehr als 4 Kilometer ab

Auch die Flugdaten zeigen einen außergewöhnlichen Verlauf. Nach Angaben von Flightradar24 begann Flug FZ1073 gegen 5.21 Uhr UTC in einer Höhe von rund 34.000 Fuß einen steilen Sinkflug. Reuters zufolge verlor die Boeing innerhalb von weniger als 30 Sekunden fast 14.000 Fuß, also rund 4200 Meter, an Höhe.

Wenige Minuten später sendete die Maschine zunächst den international verwendeten Notfallcode 7700. Danach wechselte der Transponder auf 7500, den Code für einen möglichen widerrechtlichen Eingriff in ein Flugzeug. Später wurde wieder 7700 übertragen. Wer die Codes im Cockpit eingab, ist bislang nicht bekannt.

Der Flug war am Mittwochmorgen in Dubai gestartet und sollte am Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv landen. Stattdessen drehte die Boeing in Richtung Saudi-Arabien und landete schließlich sicher auf dem Flughafen von Tabuk im Nordwesten des Königreichs. Israel ließ während des Zwischenfalls Kampfjets aufsteigen, weil zunächst eine mögliche Entführung befürchtet wurde.

Israel untersucht möglichen Terrorangriff

Drei israelische Beamte sagten Reuters, nach der derzeitigen Einschätzung habe der Copilot den Kapitän angegriffen. Einer der Beamten bezeichnete den mutmaßlichen Täter als Staatsbürger Omans. Israelische Sicherheitskreise behandeln den Vorfall demnach als möglichen versuchten Terroranschlag und sehen eine psychische Ausnahmesituation derzeit nicht als wahrscheinlichste Erklärung.

Eine offizielle saudische oder emiratische Feststellung zu einem terroristischen Motiv liegt jedoch weiterhin nicht vor. Auch gibt es bislang keine belastbaren Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Täter im Auftrag eines Staates oder einer Organisation gehandelt haben könnte.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz sprach bereits von einem „versuchten dschihadistischen Anschlag“. Verkehrsministerin Miri Regev forderte, Flydubai-Flüge nach Israel bis zur Klärung des Vorfalls auszusetzen. Zudem soll geprüft werden, ob geltende Luftverkehrsvereinbarungen eingehalten wurden, nachdem der mutmaßliche Angreifer als omanischer Staatsbürger identifiziert worden war. Diese Angaben zur Nationalität stammen bislang von israelischer Seite.

Flydubai warnt vor voreiligen Schlüssen

Flydubai selbst formuliert deutlich zurückhaltender. Die Fluggesellschaft bestätigte inzwischen offiziell, dass es auf Flug FZ1073 zu einer Auseinandersetzung im Cockpit gekommen sei. Mitreisende Flydubai-Crewmitglieder hätten das Flugzeug gesichert, nach Tabuk umgeleitet und dort sicher gelandet. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien erfasst.

Zu Ursache und Motiv macht die Airline ausdrücklich keine Angaben. Diese seien Gegenstand einer formellen Untersuchung, erklärte Flydubai und warnte vor voreiligen Spekulationen, solange die Behörden die Fakten zusammentragen. Die Fluggesellschaft schickte zwei Ersatzmaschinen nach Tabuk.

Damit ist auch ein Punkt aus den ersten Berichten überholt: Frühe Meldungen hatten die Piloten teils als Russen und Ukrainer bezeichnet. Dafür gibt es weiterhin keine belastbare Bestätigung. Reuters berichtet inzwischen unter Berufung auf einen israelischen Beamten, der mutmaßliche Angreifer sei Omaner. Die Identitäten beider Piloten wurden von den zuständigen Behörden bislang nicht vollständig öffentlich bestätigt.

Passagiere auf dem Weg zurück nach Israel

Am Nachmittag startete schließlich ein Flydubai-Ersatzflug mit Passagieren aus Tabuk in Richtung Ben Gurion, wie die israelische Flughafenbehörde mitteilte. Zuvor hatten einige der Betroffenen nach Berichten israelischer Medien zunächst gezögert, erneut eine Maschine derselben Fluggesellschaft zu besteigen, und einen israelischen Rückholflug verlangt.

Saudi-Arabien und Israel unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. Das Königreich erlaubt israelischen Fluggesellschaften jedoch seit 2022 die Nutzung seines Luftraums und hat bereits in der Vergangenheit Notlandungen von Flugzeugen mit israelischen Passagieren abgewickelt.

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