Die Gefäßchirurgen des Städtischen Klinikums Görlitz haben zum ersten Mal eine biologische Gefäßprothese eingesetzt. Sie besteht aus einer speziell aufbereiteten Halsschlagader vom Rind und trägt den Handelsnamen Artegraft. Das Klinikum teilte den Eingriff am Mittwoch mit. Das Implantat kommt für Patientinnen und Patienten infrage, bei denen körpereigene Venen fehlen oder ungeeignet sind und Standardmaterialien nicht ausreichen.
Fachleute sprechen von einer xenogenen Prothese, also einem Implantat tierischen Ursprungs. Sie hat die natürliche Form eines Blutgefäßes und ist in verschiedenen Längen und Durchmessern erhältlich. Erste Wahl für einen Bypass, also die Überbrückung einer verschlossenen Arterie, bleibt nach Angaben des Klinikums die eigene Vene. Reicht diese nicht aus, soll die biologische Prothese die Lücke schließen.
Der erste Patient litt unter einem Verschluss im Bereich einer großen Beckenarterie. Eine Vorerkrankung mit Strahlenchemotherapie und frühere Operationen hatten das Gewebe im Becken stark verändert und vernarbt. Die Ärzte stellten die Durchblutung zunächst mit einem Kunststoffbypass wieder her. Wegen der kritischen Gewebesituation mussten sie das Implantat später gegen die biologische Prothese austauschen. Die Durchblutung sei damit nachhaltig gesichert, so das Klinikum. Der Mann ist inzwischen entlassen und wird in der gefäßchirurgischen Sprechstunde ambulant weiterbetreut.
Prothese ersetzt etablierte Verfahren nicht
Die neue Prothese löst die bisherigen Methoden des Gefäßersatzes nicht ab. Ob sie infrage kommt, entscheidet das Behandlungsteam im Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweilige Gefäßerkrankung, Voroperationen und der allgemeine Gesundheitszustand.
Daniela Zeller, Oberärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, sieht darin eine zusätzliche Option für komplexe Gefäßrekonstruktionen. Das Behandlungsspektrum erweitere sich für Patienten, bei denen die üblichen Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft seien. „Bestimmte komplexe Gefäßerkrankungen können wir damit künftig auch vor Ort in Görlitz behandeln“, sagte Zeller.
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Nach eigenen Angaben behandeln die Gefäßspezialisten des Klinikums seit über 30 Jahren Menschen mit Gefäßerkrankungen und nehmen jährlich mehr als 1.500 Eingriffe vor. Dabei arbeiten Gefäßchirurgie, Radiologie, Angiologie, Kardiologie, Neurologie und Intensivmedizin zusammen.
Görlitzer Gefäßtag am 14. November
Wer sich über Gefäßerkrankungen informieren möchte, kann den Görlitzer Gefäßtag besuchen. Er findet am 14. November von 9 bis 12 Uhr unter dem Motto „Gefäßerkrankungen früh erkennen und gezielt behandeln“ statt. Angeboten werden Gefäßultraschalluntersuchungen, ein Vortrag und Führungen.
Weitere Informationen zur Gefäßchirurgie stellt das Klinikum unter www.klinikum-goerlitz.de/gefaesschirurgie bereit.
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