Die Schweizer Gletscher haben in diesem Jahr rund 5,5 Prozent ihres Eisvolumens verloren. Das geht aus dem Jahresbericht des Schweizer Gletschermessnetzes Glamos hervor, den die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften und die ETH Zürich am Mittwoch veröffentlicht haben. Es ist der zweitgrößte je gemessene Rückgang nach dem Rekordjahr 2022.
Grundlage sind Messungen an 23 Gletschern im September 2026. Im Mittel verloren die Gletscher 2,9 Meter Wasseräquivalent – ein Wert, der angibt, wie viel Wasser aus dem geschmolzenen Eis und Schnee entsteht. Die Eisdicke nahm im Schnitt um 2,5 bis vier Meter ab, an den Zungen einzelner Gletscher um bis zu zehn Meter. Am tiefsten Messpunkt des Grossen Aletschgletschers auf 1980 Metern seien rund 13 Meter Eis abgeschmolzen, heißt es im Bericht der Forscher.
Rekorde an mehreren Gletschern
Rhone-, Aletsch- und Claridengletscher verzeichneten laut Glamos die höchsten je gemessenen Jahresverluste. Kleinere Gletscher wie der Bella Tola im Kanton Wallis und der Griessfirn im Kanton Glarus seien endgültig verschwunden. In den vergangenen fünf Jahren hätten die Schweizer Gletscher knapp 20 Prozent ihres Volumens eingebüßt – mehr als doppelt so viel wie in jedem früheren Fünfjahresabschnitt.
Als Ursachen nennen die Forscher einen der zehn schneeärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen und anhaltende Hitze zwischen Mai und September. An 76 Tagen habe die Nullgradgrenze oberhalb von 4000 Metern gelegen, mehr als doppelt so häufig wie im langjährigen Mittel. Bis September sei auch auf 3500 Metern kein Schnee mehr vorhanden gewesen, der das darunterliegende Eis sonst vor dem Abschmelzen schützt.
Milliarden Liter Schmelzwasser
Von Juli bis September gaben die Gletscher nach Angaben von Glamos rund 2200 Milliarden Liter Wasser ab – mehr als das Vierfache dessen, was Schweizer Haushalte jährlich an Trinkwasser verbrauchen. Das milderte zwar die sommerliche Wasserknappheit, doch dieser Effekt werde mit schrumpfender Eisfläche kleiner.
Glamos-Leiter Matthias Huss sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Gletscher schmölzen inzwischen einfach weg. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP führte er die derzeitige Erwärmung auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurück.
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