Theater-Rezension

Ein Stück über Deutschlands Geschichte: Warum die Simson-Premiere in Suhl so interessant ist

Das Theaterstück über das Simson-Werk wurde in Suhl uraufgeführt. Ein Abend über Freiheit und Enteignung, Arbeit und Verlust – und die Schwierigkeit, deutsche Geschichte in ihrer Ambivalenz zu erzählen.

5 Min
Die Mühen und Zwänge der sozialistischen Produktion. Mehr als 200.000 Einheiten wurden jährlich produziert. Man war ausverkauft.

Die Mühen und Zwänge der sozialistischen Produktion. Mehr als 200.000 Einheiten wurden jährlich produziert. Man war ausverkauft.

© Holger Friedrich

In den letzten Wochen vor den Wahlen in zwei ostdeutschen Bundesländern stiegen im Westen Deutschlands die Emotionen angesichts einer unübersehbar wachsenden Ostrenitenz. Die FAZ kam nicht umhin, Reinhard Bingener grobe Unhöflichkeiten gegenüber Ostdeutschen formulieren zu lassen, die von der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel nur zu gern aufgegriffen wurden.

Im Ergebnis hat die FAZ als publizistische Stimme des konservativen Milieus tatkräftig dabei geholfen, die CDU erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik aus einem Landesparlament zu hebeln. Denn der Osten hört schon längst nicht mehr hin. Die FAZ-Redaktion täte gut daran, sich das Theaterstück über das Simson-Werk anzusehen, das am 2. Oktober in Suhl uraufgeführt wurde.

Es gibt viele Versuche, die Gefühlslage in Ostdeutschland zu erklären. Manche sind tauglich, andere so untauglich wie Teile der gegenwärtigen Debattenkultur.

So schrieb auch die taz in einem Ankündigungsstück über die Premiere von „Freiheit Simson“ in Suhl, einem Stück der beiden Autoren Aron Boks und Janek Liebetruth, dass eine S50 zur Republikflucht genutzt würde, und verwies dabei auf ein Werk der neuen deutschen Literatur: Charlotte Gneuß’ Debütroman „Gittersee“.

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