Wealth-Report

Fast jeden Tag ein neuer Superreicher: Polen stellt einen Weltrekord auf

Polen hat 3017 Ultrareiche und damit doppelt so viele wie 2021. Deutschland bleibt mit 38.215 Spitze in Europa, wächst aber deutlich langsamer.

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Abendstimmung über Warschau: Links ragt der Varso Tower in den Himmel, das höchste Gebäude der EU, rechts der Kulturpalast. In Polen leben inzwischen mehr als 3000 Menschen mit einem Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar.

Abendstimmung über Warschau: Links ragt der Varso Tower in den Himmel, das höchste Gebäude der EU, rechts der Kulturpalast. In Polen leben inzwischen mehr als 3000 Menschen mit einem Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar.

© Imago/Markus Mainka

In Polen leben heute mehr als doppelt so viele Superreiche wie vor fünf Jahren. Kein anderes Land der Welt hat in dieser Zeit so schnell neue Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar hervorgebracht.

Das zeigt der Wealth Report 2026 der britischen Immobilienberatung Knight Frank. Verglichen wurden 44 Länder mit jeweils mindestens 500 Ultrareichen.

Superreiche in Polen: 109 Prozent Plus seit 2021

2021 zählte Knight Frank in Polen 1442 Menschen mit mehr als 30 Millionen Dollar Vermögen, 2026 sind es 3017. Mit 109 Prozent Wachstum liegt Polen knapp vor Katar und der Türkei.

Bis 2031 sollen es knapp 4900 werden. Das wäre fast jeden Tag ein neuer Superreicher. Nur für Indonesien und Saudi-Arabien sagen die Analysten ein noch schnelleres Wachstum voraus.

Die Zahl der polnischen Milliardäre soll im selben Zeitraum von 13 auf 29 steigen.

Ultrareiche in Deutschland: zwölfmal mehr als in Polen

Deutschland spielt trotzdem in einer anderen Liga. Mit 38.215 Ultrareichen ist die Bundesrepublik die klare Nummer eins in Europa, berichtet Euronews.

Seit 2021 kamen hierzulande mehr als 9000 dazu, so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Prozentual ist das allerdings nur rund ein Drittel mehr.

Polens Rekord hat also auch mit der kleinen Ausgangszahl zu tun. Wer 1442 Superreiche hat, verdoppelt diese Zahl leichter als ein Land mit fast 30.000.

Reichste Polen: Dino-Gründer und KI-Milliardäre

Wo die großen Vermögen entstehen, zeigt die Forbes-Liste der 100 reichsten Polen. Ganz oben steht Michał Sołowow mit rund 27,6 Milliarden Zloty, umgerechnet etwa 6,5 Milliarden Euro. Zu seinem Reich gehören der Chemiekonzern Synthos und der Fliesenhersteller Cersanit.

Platz zwei belegt Tomasz Biernacki, Gründer der Supermarktkette Dino. Er meidet die Öffentlichkeit konsequent.

Erstaunlich weit oben stehen zwei Namen aus der KI-Branche: Mati Staniszewski und Piotr Dąbkowski haben das Sprach-Startup ElevenLabs gegründet und besitzen inzwischen jeweils rund 5,7 Milliarden Zloty.

Starker Zloty treibt die Statistik

Ein Teil des Rekords entsteht allerdings im Devisenkurs. Die Schwelle von 30 Millionen gilt in Dollar, und der Zloty hat gegenüber dem Dollar deutlich zugelegt.

Ende 2021 musste ein Pole dafür noch rund 122 Millionen Zloty besitzen. Heute reichen etwa 108 Millionen. Mancher ist damit nicht durch neue Geschäfte, sondern durch den Wechselkurs in den Club der Ultrareichen gerutscht.

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Polens Wirtschaft: Wachstum mit Rückenwind aus Brüssel

Der Kern des Booms ist trotzdem echt. Polen gehört seit Jahren zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften der EU. Für 2026 erwartet die EU-Kommission ein Plus von 3,5 Prozent, getragen vom Konsum und von milliardenschweren EU-Investitionen.

Auch in der Breite kommt etwas an. Der Anteil der Polen, die sich finanziell gut abgesichert fühlen, ist laut Knight Frank auf den Rekordwert von 39 Prozent gestiegen.

Family Offices: Polens Reiche investieren im Ausland

Mit dem Geld wächst der Wunsch, es abzusichern. Seit Polen 2023 Familienstiftungen steuerlich begünstigt, entstanden mehr als 4000 davon.

Reiche Familien bauen eigene Family Offices auf und holen sich Leute von JPMorgan oder der Beratung EY. Viele Unternehmer hätten gemerkt, dass ihr Vermögen fast komplett in Polen stecke und kaum gestreut sei, sagte Vermögensverwalter Michał Parkowski der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Angst vor einem Krieg habe das noch verstärkt.

Risiken für den Polen-Boom

Ob Polen dieses Tempo halten kann, ist offen. Die Inflation stieg im September nach vorläufigen Daten auf 4,0 Prozent, das Staatsdefizit liegt laut Brüsseler Prognose bei rund 6,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Wer verstehen will, wie schnell sich in Europa die Gewichte verschieben, muss trotzdem nicht bis nach Singapur schauen. Es reicht der Blick über die Oder.

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