Fußball

Messi geht als König, Ronaldo jammert: Das unwürdige Ende des ewigen Duells

Lionel Messi verabschiedet sich mit einer Gala-Show aus der Albiceleste. Cristiano Ronaldo liefert stattdessen Zoff. Wie unterschiedlich das Ende sein kann.

6 Min
Emotionaler Abschied: Lionel Messi hat seine Karriere in der argentinischen Nationalmannschaft beendet.

Emotionaler Abschied: Lionel Messi hat seine Karriere in der argentinischen Nationalmannschaft beendet.

© Photogamma/Imago

20 Jahre lang war die Frage, wer von beiden der Größte ist. Messi oder Ronaldo? Zwei Spieler, zwei Lager, zwei völlig unterschiedliche Arten, Fußball zu spielen und sich selbst zu inszenieren. Nun, am Ende ihrer Nationalmannschaftskarrieren, liefert dieses ewige Duell eine letzte Pointe: Die interessantere Frage lautet plötzlich nicht mehr, wer besser war. Sondern wer wusste, wann es Zeit ist zu gehen.

Lionel Messi verabschiedet sich mit drei Scorerpunkten

Lionel Messi hat seine Entscheidung getroffen. Und sein letzter Abend mit Argentinien hätte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch deutscher Zeit kaum passender ausfallen können. Beim 3:0 gegen Benin erzielte der 39-Jährige ein Tor und bereitete die beiden anderen Treffer vor. Es war sein 208. und letzter Auftritt für die Albiceleste, sein 126. Tor. Ein letztes Mal Nummer zehn, ein letztes Mal das Monumental von Buenos Aires – und noch einmal eine Leistung, die daran erinnerte, warum Messi für Argentinien so viel mehr war als nur ein außergewöhnlicher Fußballer.

Danach liefen ihm die Tränen über das Gesicht. 85.000 Zuschauer verabschiedeten ihn, seine Mitspieler standen ergriffen daneben. „Nicht mehr dabei zu sein, wird mir sehr wehtun“, sagte Messi.

Lionel Messi ist für die argentinischen Fußballfans schon längst auf einer Stufe mit Diego Maradona.

Lionel Messi ist für die argentinischen Fußballfans schon längst auf einer Stufe mit Diego Maradona.

© Federico Peretti/Imago

Und trotzdem wirkte dieser Abend nicht wie ein Kampf gegen das Unvermeidliche. Eher wie die bewusste Entscheidung eines Spielers, der weiß, dass seine Geschichte mit Argentinien abgeschlossen ist. „Für die argentinische Nationalmannschaft zu spielen, ist das Schönste, was einem passieren kann“, sagte Messi.

Sein Abschied war deshalb nicht nur der Abschied eines Superstars. Er war die Huldigung an einen Spieler, der nach Jahren voller Enttäuschungen mit Argentinien doch noch alles erreicht hatte: Copa América 2021, Weltmeister 2022, Copa América 2024. Die Last des Vergleichs mit Diego Maradona war längst einer anderen Gewissheit gewichen.

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Und ausgerechnet an diesem Abend meldete sich der andere Teil des ewigen Duells mit einer Geschichte, die kaum gegensätzlicher ausfallen kann. Während Messi in Buenos Aires verabschiedet wurde, veröffentlichte Cristiano Ronaldo seine lange Erklärung zum Streit mit Portugals Trainer Jorge Jesus. 1740 Wörter, Vorwürfe gegen den Coach, eine Entschuldigung für den eigenen Abgang aus dem Trainingslager – und zugleich die Botschaft, dass Ronaldo weiterhin für Portugal spielen will.

Ob Ronaldo damit bewusst Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, lässt sich nicht seriös behaupten. Aber der Zeitpunkt macht den Kontrast unübersehbar: Messi bekam seinen Abschied. Ronaldo kämpft noch darum, selbst zu bestimmen, wie seiner aussehen soll.

Cristiano Ronaldo war zuletzt mit seiner Reservistenrolle im portugiesischen Nationalteam unzufrieden und reiste deshalb eigenmächtig vorzeitig ab.

Cristiano Ronaldo war zuletzt mit seiner Reservistenrolle im portugiesischen Nationalteam unzufrieden und reiste deshalb eigenmächtig vorzeitig ab.

© Johan Nilsson/TT/Imago

Dabei hatte Ronaldo nach eigener Aussage schon mit dem Gedanken gespielt, nach der WM aufzuhören. Er hatte sogar einen Abschiedsbrief vorbereitet, ließ sich aber vom portugiesischen Verbandspräsidenten zum Weitermachen bewegen. Nun zeigt der Streit mit Jesus, wie schwierig dieser zweite Anlauf geworden ist.

Ronaldo verließ das Trainingslager, nachdem er gegen Norwegen zunächst auf der Bank saß und anschließend nicht eingewechselt wurde. In seiner späteren Erklärung warf er Jesus vor, sein Wort gebrochen und sich arrogant verhalten zu haben. Zwar entschuldigte er sich für seinen Abgang und bekräftigte seine Bereitschaft, weiter für Portugal zu spielen. Doch der Konflikt macht sichtbar, dass seine Rolle längst nicht mehr selbstverständlich ist.

Und genau hier endet die Gemeinsamkeit der beiden Geschichten. Messi und Ronaldo haben über zwei Jahrzehnte miteinander um Titel, Rekorde und individuelle Auszeichnungen gekämpft. In Spanien war ihr Duell der Maßstab einer ganzen Ära. Messi bei Barcelona, Ronaldo bei Real Madrid – selbst ihre herausragendsten Leistungen wurden oft nur als Argument für die jeweils andere Seite betrachtet.

Mit ihren Wechseln nach dem Ende dieser Ära veränderte sich auch das öffentliche Bild. Ronaldo ging 2018 nach Turin, Messi 2021 nach Paris. Später verließen beide Europa endgültig – Messi Richtung Inter Miami, Ronaldo zu Al-Nassr. Aus der unmittelbaren sportlichen Rivalität wurde zunehmend eine Frage des Vermächtnisses.

Messi schien dieses Vermächtnis spätestens mit dem WM-Titel 2022 gefunden zu haben. Ronaldo blieb der Spieler, der seinen Status mit größerer Vehemenz verteidigte. Bei der Weltmeisterschaft 2026 wurde dieser Unterschied noch einmal sichtbar: Ronaldo wirkte zunehmend wie ein Superstar, dessen Rolle im portugiesischen Team nicht mehr garantiert war. Messi dagegen wurde weiterhin von seinen Mitspielern getragen – und lieferte in entscheidenden Momenten.

Nun bekam dieser Unterschied seinen letzten Beleg. Messi verabschiedete sich mit einem Tor und zwei Vorlagen aus der Nationalmannschaft. Danach sprach er nicht über seine eigene Größe, sondern über die Mannschaft. „Wenn wir zusammenhalten, können wir alles meistern“, sagte er.

Das ist vielleicht der entscheidende Punkt. Messi geht als Kapitän einer Mannschaft, mit der er nach Jahren des Scheiterns die größten Titel gewonnen hat. Ronaldo dagegen befindet sich noch in einem Kampf um seine Rolle – und damit auch um die Kontrolle über sein eigenes Ende.

Sportlich hat er immer noch einen gewissen Wert. Aber die portugiesische Nationalmannschaft hat längst gezeigt, dass sie auch ohne ihn funktioniert. Genau das macht den Abschied so kompliziert: Ronaldo kann noch immer wichtig sein, aber er ist nicht mehr unersetzlich.

Cristiano Ronaldo sucht noch den Punkt für den Abschied

Es ist die letzte Wende des größten individuellen Duells im Profifußball der vergangenen zwei Jahrzehnte. Wer besser war, wird sich nie endgültig beantworten lassen. Die Zahlen liefern Argumente für beide Seiten, die Titel ebenfalls. Messi hat die Weltmeisterschaft, Ronaldo die Europameisterschaft. Beide haben Rekorde gebrochen, die zuvor unerreichbar schienen. Beide haben den Fußball weit über ihre Generation hinaus geprägt.

Aber am Ende einer solchen Karriere entscheidet nicht nur die Zahl der Tore oder Titel darüber, was bleibt. Auch der Umgang mit dem eigenen Ende wird Teil der Geschichte. Messi hat seinen Abschied gefunden. Ronaldo sucht ihn noch.

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