Griechenland

Der Westen soll wieder nach Macht streben: Rubio fordert Europa „zum Erwachen“ auf

In Athen hat US-Außenminister Rubio für nationale Stärke geworben. Europas Zukunft verknüpft er mit einer Rückbesinnung auf westliche Werte.

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US-Außenminister Marco Rubio spricht auf dem Pnyx-Hügel in Athen vor der Kulisse der Akropolis.

US-Außenminister Marco Rubio spricht auf dem Pnyx-Hügel in Athen vor der Kulisse der Akropolis.

© One Inch Productions/imago

US-Außenminister Marco Rubio hat die europäischen Staaten zu einer Rückbesinnung auf westliche Werte und zur Stärkung ihrer nationalen Macht aufgerufen. Europa könne aus seinem „langen Schlummer erwachen“, sagte Rubio am Mittwoch in Athen laut dem vom US-Außenministerium veröffentlichten Redetext. Angesichts neuer Bedrohungen müssten die westlichen Staaten ihre Institutionen und Bündnisse erneuern.

Rubio hielt seine Rede auf dem Pnyx-Hügel, auf dem im antiken Athen die Volksversammlung tagte. Vor der Kulisse der Akropolis erklärte er, die Trump-Regierung wolle ein antikes Verständnis von Staatskunst wiederbeleben: Staaten müssten ihre Interessen durch Diplomatie verfolgen, bei deren Scheitern aber auch Gewalt einsetzen können. An anderer Stelle bezeichnete er „Heldentum, Ehre und Pflicht“ als prägende Werte der westlichen Zivilisation.

Nationale Interessen an erster Stelle

Rubio wandte sich in der Rede gegen die Vorstellung, eine aufgeklärte Außenpolitik müsse die internationale Gemeinschaft über die eigene Bevölkerung stellen. Die Menschen im antiken Griechenland hätten gewusst, dass Loyalität zur eigenen Nation und die Verteidigung ihrer Interessen weder falsch noch eigennützig seien, sagte er.

Die kommenden zehn Jahre würden darüber entscheiden, ob der Westen seine führende Stellung behalte oder sich mit „Niedergang und Abhängigkeit“ abfinde. Unter Trump hätten die USA ihre Entscheidung bereits getroffen, erklärte Rubio laut AFP: „Wir entscheiden uns für das uneingeschränkte Streben nach nationaler Macht.“

Dazu zählte er die Rückgewinnung der Kontrolle über wichtige Lieferketten, die Wiederbelebung der Industrie und den Ausbau der Verteidigung. Auch bei den Technologien und Wirtschaftszweigen der Zukunft wollten die USA eine beherrschende Stellung erreichen.

Bündnisse sollen neue Bedrohungen abwehren

Rubio betonte zugleich die Bedeutung gemeinsamer Bündnisse. „Wir wollen gemeinsam gewinnen. Wir müssen gemeinsam gewinnen“, sagte er. Angesichts neuer Konkurrenz zwischen Großmächten, Aggression und Terrorismus müssten die westlichen Staaten ihre Institutionen und Bündnisse erneuern, „um diesen Bedrohungen gemeinsam zu begegnen“.

In Europa sehe er bereits Anzeichen für einen Wandel: stark steigende Verteidigungsausgaben, zahlreiche neue Partnerschaften und Programme sowie eine Ausweitung der industriellen Produktion. Rubio äußerte die Hoffnung, darin zeige sich „der Beginn eines Generationenwandels“. „Wir glauben, dass Europa aus seinem langen Schlummer erwachen und das Feuer neu entfachen kann, das hier vor Jahrtausenden entzündet wurde“, sagte er.

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Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus haben Spannungen die transatlantischen Beziehungen geprägt. US-Vizepräsident JD Vance warf Europa im Februar 2025 in einer aufsehenerregenden Rede eine Abkehr von gemeinsamen Werten vor.

Die US-Sicherheitsstrategie warnte anschließend vor einem Verlust europäischer Identität durch Migration und kritisierte die EU scharf. Washington erhob dabei auch Vorwürfe gegen den Umgang mit Meinungsfreiheit und nationaler Souveränität.

Rubio gilt als Anwärter für Präsidentschaftskandidatur

Die Associated Press ordnete den Auftritt Rubios in Athen nun auch als Hinweis auf Rubios mögliche politische Ambitionen ein. Die Rede habe über seine Rolle als Außenminister hinausgewiesen. Rubio gilt als möglicher Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2028.

Sein Besuch in Griechenland ist Teil einer Reise zu den Nato-Partnern Island, Griechenland und Portugal.

Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis lobte die Rede nach Angaben seines Regierungsbüros ausdrücklich. Beim Treffen mit Rubio standen zudem die Zusammenarbeit in Verteidigung und Energie sowie die Entwicklungen in der Ukraine, im Iran und im Nahen Osten im Mittelpunkt.

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