Hertha BSC genießt gerade einen Lauf, wie ihn sich die Fans im Olympiastadion seit Jahren erträumt haben. Sechs Spiele, sechs Siege, Tabellenplatz eins. Die Berliner strotzen vor Selbstvertrauen und gehen als klarer Favorit in das Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth am Sonntag (13.30 Uhr). Doch ausgerechnet vor diesem Duell taucht ein Name wieder auf, der bei vielen Hertha-Anhängern unangenehme Erinnerungen weckt: Jordan Siebatcheu.
Der heute 30 Jahre alte Stürmer steht sinnbildlich für ein Kapitel, das sowohl für Hertha als auch für ihn selbst denkbar unglücklich verlief. Als der Ami-Franzose im Sommer 2022 zum 1. FC Union Berlin wechselte, galt er als einer der begehrtesten Angreifer außerhalb der großen europäischen Topligen. Die Köpenicker überwiesen rund sechs Millionen Euro an Young Boys Bern und verpflichteten den damaligen Torschützenkönig der Schweizer Super League.
Jordan Siebatcheu schoss Hertha Richtung Abgrund
Sein Start hätte kaum spektakulärer ausfallen können. Am 6. August 2022 traf Union zum Bundesliga-Auftakt im Derby gegen Hertha. Siebatcheu köpfte sein erstes Tor für die Eisernen und brachte die Gastgeber früh auf die Siegerstraße. Union gewann 3:1. Für Hertha war die Niederlage der Auftakt zu einer Saison, die schließlich im Abstieg endete.
Aus heutiger Sicht wirkt die Geschichte fast schon ironisch. Während Union auf Siebatcheu setzte, verpflichtete Hertha dessen ehemaligen Sturmkollegen Wilfried Kanga aus Bern. Beide galten als vielversprechende Offensivkräfte. Doch weder Kanga bei den Blau-Weißen noch Siebatcheu in Köpenick konnten die hohen Erwartungen erfüllen.
Derry Scherhant: Ex-Herthaner zählt zu den großen Klopp-Gewinnern
Für Siebatcheu blieb das Derbytor gegen Hertha letztlich ein früher Höhepunkt. In seiner ersten Bundesligasaison für Union gelangen ihm danach lediglich drei weitere Treffer. Zwar sammelte der Angreifer immer wieder Einsatzminuten, doch die Konstanz eines Topstürmers fehlte. Der Verein reagierte und verlieh ihn im Sommer 2023 an Borussia Mönchengladbach. Auch dort gelang ihm der erhoffte Neustart nur teilweise. Fünf Bundesliga-Tore in 25 Spielen waren keine Bilanz, die Zweifel an seiner Entwicklung beseitigen konnte. Nach der Rückkehr zu Union verschlechterte sich seine Situation sogar weiter. In der Saison 2024/25 kam er zwar noch zu 18 Einsätzen, wartete jedoch vergeblich auf einen Treffer.
Vier Jahre Absturz für Jordan, jetzt Hoffnung in Fürth
Im Februar 2025 endete das Kapitel Berlin endgültig. Union verkaufte den Angreifer für rund 4,5 Millionen Euro an Stade Reims. Es war die Rückkehr zu einem Klub, den Siebatcheu aus früheren Jahren bereits kannte. Doch auch in Frankreich fand der Angreifer nicht zu alter Stärke zurück. Bis zum Saisonende gelang ihm lediglich ein Tor. Die Suche nach einem Neuanfang führte ihn anschließend nach Portugal. Stade Reims verlieh ihn an Aufsteiger CD Tondela. Doch auch dort lief es nicht besser. Ein Treffer in 22 Pflichtspielen war deutlich zu wenig, um sich nachhaltig zu empfehlen. Tondela stieg direkt wieder ab, Siebatcheu musste erneut seine Koffer packen.
Wie Stefan Leitl in den Alpen seinen neuen Hertha-Kapitän fand
Nun startet der Angreifer den nächsten Anlauf in Deutschland. Kurz vor Transferschluss unterschrieb er Ende August bei der SpVgg Greuther Fürth. Nach Jahren voller Rückschläge wirkt der Wechsel wie eine letzte große Chance, seine Karriere wieder in ruhigere Bahnen zu lenken. „Es hat mich total gereizt, zurück nach Deutschland zu kommen.
Auch dass ich Trainer Heiko Vogel schon kenne, hat mir bei der Entscheidung geholfen“, erklärte Siebatcheu nach seiner Verpflichtung. Auch Vogel setzt große Hoffnungen in den Neuzugang. Der Fürther Coach kennt den Stürmer noch aus der Schweiz und schätzt vor allem dessen körperliche Präsenz. „Er ist ein wuchtiger Stürmer, der sehr intensiv spielt“, sagt der Trainer.
Jordan machte bisher zwei Spiele für Greuther Fürth
Bislang kam Siebatcheu bei den Franken lediglich zu Kurzeinsätzen. Die Länderspielpause nutzte er jedoch, um körperlich aufzuholen und sich besser in die Mannschaft zu integrieren. Deshalb spricht einiges dafür, dass seine Rolle gegen Hertha deutlich größer ausfallen könnte als zuletzt.
Für die Berliner wäre es eine unangenehme Pointe. Ausgerechnet jener Mann, der vor vier Jahren das erste Derbytor einer Absturz-Saison erzielte, könnte nun versuchen, den Höhenflug des aktuellen Spitzenreiters zu stoppen. Hertha geht zwar mit breiter Brust in die Partie. Doch Jordan Siebatcheu kennt das Gefühl, gegen die Berliner zu treffen. Die Frage ist nur: Kann der einstige Union-Held und spätere Union-Flop ausgerechnet im Olympiastadion seine Karriere wiederbeleben?
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]