Filmfestival

dokumentART Neubrandenburg: 70 Filme und spektakulärer Auftakt über den Dächern

Das Filmfestival bringt dieses Jahr europäische Dokumentarfilme an ungewöhnliche Orte. Mehr als 70 Filme und regionale Geschichten stehen auf dem Programm.

4 Min
Die 32. Auflage der dokumentART startete mit einer  außergewöhnlichen Tanzperformance am weithin sichtbaren Kulturfinger.

Die 32. Auflage der dokumentART startete mit einer  außergewöhnlichen Tanzperformance am weithin sichtbaren Kulturfinger.

© Lucia Alfaro

Für das Publikum ist die Neubrandenburger „dokumentART“ vor allem ein internationales Filmfestival mit Tradition. Seine Wurzeln liegen in der DDR, sein Ursprung geht auf das Jahr 1978 zurück. Damals trug das Festival noch den sperrigen Namen „Nationales Festival Dokumentar- und Kurzfilm der DDR für Kino und Fernsehen“ und war Teil der staatlich gelenkten Kulturlandschaft.

Jetzt hat sich in der Kreisstadt der Mecklenburgischen Seenplatte der Vorhang wieder gehoben, zur mittlerweile 32. Auflage des europäischen Filmfestivals. Und die dokumentART startete gleich mit einem schwungvollen wie spektakulären Auftakt.

Rund 500 Menschen standen auf dem Marktplatz und verfolgten eine außergewöhnliche Tanzperformance am weithin sichtbaren HKB-Turm, dem sogenannten Kulturfinger. Hoch über den Köpfen der Zuschauer verwandelten die Künstlerinnen die Fassade des markanten Hochhauses in eine vertikale Bühne. Tanz, Musik und Architektur verschmolzen zu einem eindrucksvollen Erlebnis mitten im Herzen der Vier-Tore-Stadt.

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Im Anschluss eröffnete der französische Naturfilm „Das Flüstern der Wälder“ von Vincent Munier im ausverkauften CineStar das diesjährige Kinoprogramm. Der 2026 mit dem César als bester Dokumentarfilm ausgezeichnete Film nahm das Publikum mit in die Wälder der Vogesen. Mit außergewöhnlichen Naturaufnahmen erzählt er von der Beziehung zwischen Mensch und Natur und von der Weitergabe des Wissens zwischen Generationen

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Mehr als 70 Filme und fünf Preise

Noch bis Sonntag bleibt Neubrandenburg Treffpunkt der europäischen Dokumentarfilmszene. Mehr als 70 Filme stehen auf dem Programm. Allein für den Europäischen Wettbewerb waren fast 1.000 Produktionen aus etwa 30 europäischen Ländern eingereicht worden. 51 Filme schafften es schließlich in die Auswahl und werden nun in zehn thematisch kuratierten Wettbewerbsblöcken gezeigt.

Fünf Preise im Gesamtwert von 8.500 Euro wechseln am Ende den Besitzer, über die Auszeichnungen entscheidet eine fünfköpfige internationale Jury. Ihr gehören die schwedische Filmemacherin Camilla Jämting, die französische Festivalprogrammgestalterin Fanny Dauny, der deutsche Produzent und Regisseur Frieder Schlaich, die Filmemacherin Laurence Favre und der polnische Künstler und Kurator Łukasz Jastrubczak an. Die Preisverleihung findet am Samstag statt.

Das Filmfestival begann mit einem ausverkauften Kinosaal. Am Samstag erreicht die 32. dokumentART mit der feierlichen Preisverleihung ihren Höhepunkt.

Das Filmfestival begann mit einem ausverkauften Kinosaal. Am Samstag erreicht die 32. dokumentART mit der feierlichen Preisverleihung ihren Höhepunkt.

© Lucia Alfaro

Ein Festival, das die Stadt bespielt

Die dokumentART setzt in diesem Jahr aber nicht nur auf klassische Filmvorführungen, sondern vor allem auch auf Begegnungen jenseits des Kinosaals. Auf dem Plan stehen etwa Veranstaltungen in der Regionalbibliothek, an der Hochschule Neubrandenburg und im Café International. Gemeinsam mit Partnern aus Kultur, Bildung und Gesellschaft entstehen so neue Räume für Filmgespräche und Austausch, heißt es dazu von der Festivalleitung.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit jungen Menschen. So bringt das Jugendprogramm YOU junge Filmschaffende und eine deutsch-französisch-polnische Jugendjury zusammen. Eine außergewöhnliche Kooperation führt das Festival an diesem Freitag zudem in die Jugendvollzugsanstalt Neustrelitz - zu einer Sondervorführung für junge Inhaftierte.

Eine eigens gebildete Jugendjury beschäftigt sich dort mit sechs Filmen, wählt ihren Favoriten und gestaltet eine eigene Auszeichnung. Diese Zusammenarbeit soll jungen Menschen neue Zugänge zu Filmkunst und kultureller Teilhabe eröffnen.

Auch internationale Begegnungen prägen die dokumentART des Jahres 2026. Deutsch-französische und deutsch-polnische Filmprogramme sowie Gespräche mit Filmschaffenden machen Neubrandenburg somit für einige Tage zu einem Ort des kulturellen Austauschs über Ländergrenzen hinweg.

Familienkino und Sport zum Abschluss

Am Samstag erreicht die 32. dokumentART mit der feierlichen Preisverleihung schließlich ihren Höhepunkt. Und am Sonntag klingt das Festival mit einem Familienblock aus, der Kinder und Eltern zum gemeinsamen Kinoerlebnis einlädt. Nicht vergessen werden soll das Sport-Spezial, das eine Brücke zur traditionsreichen Sportstadt Neubrandenburg schlägt.

Damit unterstreicht die dokumentART ihren Anspruch, nicht nur ein Festival für Filmfachleute und Cineasten zu sein. Sie versteht sich als ein kulturelles Erlebnis für die gesamte Region. Seit ihrem Neustart 1992 hat sie sich als Plattform für eigenständige dokumentarische Filmkunst und den Austausch zwischen europäischen Filmschaffenden und ihrem Publikum etabliert. Daran ändert sich auch in der 32. Ausgabe nichts.

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