Es ist ein langer Brief, den Andreas W. Herb aufgesetzt hat. Den Unternehmer kennt man als CEO und Corporate Influencer. Seit diesem September ist Herb zudem Mitglied der Jury bei „Die Höhle der Löwen“, was ihm ein Millionenpublikum beschert.
Als Gründer der MBG Group kennt sich der 55-Jährige in der Liquid-Branche besonders gut aus: 1993 begann die Unternehmensgeschichte der Paderborner Firma, die mit der Entwicklung, Vermarktung und dem Vertrieb von Getränken Geld macht. Mit über 250 Mitarbeitern erwirtschaftet die MBG Group heute nach eigenen Angaben über 240 Millionen Euro.
Die Person Andreas Herb ist dabei in den vergangenen Jahren stärker in den Mittelpunkt gerückt. Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer baute er seine Präsenz in sozialen Netzwerken aus. Auf Instagram und TikTok gibt er Einblicke in seinen Arbeitsalltag, spricht über Themen wie Unternehmertum und Marketing und zeigt auch private Eindrücke.
Erwartungen nach 33 Jahren als Unternehmer
Jetzt aber wird’s politisch bei Herb, der bei Instagram 325.000 und bei TikTok knapp 250.000 Follower hat. Der Unternehmer hat einen Brief an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) verfasst, der nicht nur unter seiner Anhängerschaft viel Beachtung findet. 85.000 Likes und Tausende Kommentare hat das Statement allein auf der Plattform Instagram innerhalb kürzester Zeit versammelt.
„Herr Klingbeil, das ist mein offener Brief an Sie“, leitet Andreas W. Herb sein Schreiben ein. Nach 33 Jahren als Unternehmer und mit Verantwortung für über 300 Familien erwarte er vom Staat denselben Maßstab, den er von jedem Unternehmen und jedem Haushalt verlange.
Diesen Weg habe er bewusst gewählt, so Herb, „denn diese Frage gehört in die Öffentlichkeit“. In seinem Brief an den Vizekanzler heißt es: „Herr Klingbeil, ich schreibe Ihnen nicht als außenstehender Beobachter, sondern als jemand, der seit 33 Jahren Unternehmer in Deutschland ist.“ So lange trage er Verantwortung, zahle Steuern und Abgaben, investiere, schaffe Arbeitsplätze.
Und: „Hinter jedem dieser Arbeitsplätze stehen Menschen, Familien, Verpflichtungen und Existenzen. Gerade deshalb kann ich diese Art der Finanzpolitik zunehmend nicht mehr ertragen.“
Als Unternehmer sei er jeden Tag gezwungen, mit den vorhandenen Mitteln auszukommen: „Wenn Kosten steigen oder Einnahmen fehlen, kann ich nicht einfach meinen Kunden eine neue ‚Sonderabgabe‘ präsentieren. Ich muss priorisieren, effizienter werden, Investitionen hinterfragen, Strukturen verändern und notfalls schmerzhafte Einsparungen vornehmen.“
Beim Staat hingegen entstehe zunehmend ein völlig anderer Eindruck: „Wenn das Geld nicht reicht, wird nicht zuerst konsequent gespart – es wird geschöpft. Und wenn eine weitere Steuer oder Abgabe politisch schwer vermittelbar ist, findet sich offenbar immer wieder ein wohlklingender Deckmantel: Gesundheit, Umwelt, Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung. Das Ergebnis bleibt dasselbe: Bürger und Unternehmen sollen erneut bezahlen.“
Kreativität beim Sparen, ein schlankerer Staat
Auf ihn wirke diese Vorgehensweise inzwischen hilflos und verzweifelt, so Herb. „Wo bleibt dieselbe Kreativität beim Sparen? Wo ist der Ehrgeiz, staatliche Strukturen zu verschlanken? Wo ist die Konsequenz bei der Überprüfung neuer Stellen, freiwilliger internationaler Leistungen, europäischer Ausgaben, des Bürgergeldes und anderer großer Ausgabenblöcke?“
Unternehmer, Arbeitnehmer und Steuerzahler seien keine unerschöpfliche Quelle, aus der sich der Staat nach Belieben bedienen könne, so der Unternehmer, der als CEO von MBG Marken wie Salitos Bier, effect Energy und 9 Mile Vodka etabliert hat.
Er habe viele politische Entscheidungen und Belastungen mitgetragen, aber irgendwann sei ein Punkt erreicht, „an dem man erwarten darf, dass der Staat nicht reflexartig nach neuen Einnahmen sucht, sondern endlich mit derselben Konsequenz seine eigenen Ausgaben hinterfragt, die er von jedem Unternehmen und jedem privaten Haushalt selbstverständlich verlangt“.
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Seine konkrete Aufforderung an Klingbeil: „Legen Sie einen nachvollziehbaren Sparplan vor. Sagen Sie konkret, welche Ausgaben Sie reduzieren, welche Strukturen Sie verschlanken, auf welche neuen Stellen und Programme Sie verzichten und welche Einsparsumme Sie innerhalb der kommenden Jahre erreichen wollen.“
An den Finanzminister gerichtet schreibt der Investor: „Bevor Sie über die nächste Steuer, Abgabe oder vermeintlich gut gemeinte Lenkungsabgabe sprechen, beantworten Sie bitte eine sehr einfache Frage: Wo sparen Sie selbst – in welcher Höhe und bis wann?“
Denn eines könne auf Dauer nicht die Antwort sein: „immer weiter schöpfen bei denen, die arbeiten, investieren, Arbeitsplätze schaffen und dieses Land seit Jahrzehnten finanzieren“.
Viele Follower zeigen sich nun gespannt, ob Lars Klingbeil auf diesen Brief antworten wird. Auch andere Unternehmer melden sich in den Kommentaren zu Wort. So schreibt Erdbeerbauer Robert Dahl, Gründer der beliebten Karls Erlebnis-Dörfer: „Gut so, Andreas. Ich würde mir so wünschen, dass es endlich ein Umdenken beim Staat gibt. Einfach mal auskommen mit dem, was da ist. Müssen wir doch alle täglich so machen.“
Neben viel Zustimmung gibt es auch Widerspruch unter den Usern. Wie der Staat sein Geld ausgebe und woran er spare, könne jeder selber nachschauen, der Haushalt sei öffentlich, heißt es da.
Andere üben Kritik am Absender. Ein Instagram-User schreibt: „Ein Multimillionär, der sich von nem Chauffeur in immer verschiedenen Luxusautos von Privatjet zu Privatjet fahren lässt, klagt, dass er zu viele Steuern zahlt. Genau mein Humor. Sieht mir irgendwie nicht aus, als ob dein Unternehmen mit dem Überleben kämpft. Was willst du denn?“
In der Gegenrede finden etliche User, Herb lege den Finger in die Wunde. „Es ist unerträglich, jeden Tag zu sehen, wie dieses Land kaputt regiert wird“, schreibt ein Kommentator. „Was hatten wir für eine gute Ausgangssituation ... ein Land im Aufbruch, mit Wachstum und Wohlstand. Aber jede kleine politische Entscheidung der letzten zehn Jahre ging in die falsche Richtung. Ein Trauerspiel!“
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