Das Norwegische Nobelkomitee hat an diesem Freitag in Oslo den Träger des Friedensnobelpreises 2026 bekannt gegeben. Mit der Auszeichnung geehrt wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay. Der Komiteevorsitzende Jørgen Watne Frydnes verkündete die Entscheidung um 11 Uhr auf einer Pressekonferenz im Norwegischen Nobelinstitut.
Navanethem „Navi“ Pillay (85) wuchs unter dem Apartheidregime auf und verteidigte als Anwältin Gegner der Rassentrennung. 1973 erstritt Pillay für politische Häftlinge auf der Gefängnisinsel Robben Island, darunter Nelson Mandela, das Recht auf anwaltlichen Beistand.
1995 wurde sie als erste nichtweiße Frau Richterin an einem südafrikanischen High Court. Später leitete sie das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda, das mit ihrer Beteiligung Vergewaltigung als Tatbestand des Völkermords anerkannte.
Von 2008 bis 2014 war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Zuletzt stand sie bis November 2025 einer UN-Untersuchungskommission zu Israel und den Palästinensergebieten vor. Diese kam im September 2025 zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe.
UN-Menschenrechtsbüro und EU begrüßen Entscheidung
Das UN-Menschenrechtsbüro würdigte die Entscheidung umgehend. „Das sind großartige Nachrichten, wir brauchen mehr Hingabe und Engagement für die Menschenrechte“, sagte dessen Sprecherin Shabia Mantoo laut Reuters in Genf. Die Auszeichnung werde hoffentlich auch andere ermutigen, sich weltweit für die Menschenrechte einzusetzen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte laut dem britischen Guardian, nur wenige Menschen hätten ihr Leben so sehr der Gerechtigkeit, dem Frieden und der Menschenwürde gewidmet wie Pillay. Deren Mut und moralische Klarheit seien in der heutigen Welt ein wertvoller Kompass.
Pillay selbst reagierte nach Angaben des Guardian zunächst ungläubig. Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard veröffentlichte die Szene auf der Plattform X. „Wir sind am Nürnberger Gericht; mir fällt kein stärkeres Symbol für ihren Nobelpreis ein.“ Als ihr Menschen dort applaudierten, scherzte die 85-Jährige, sie werde den Preis bei weiterem Applaus womöglich mit Trump teilen.
Der kommissarische Direktor des norwegischen Friedensforschungsinstituts PRIO, Haakon Gjerløw, bewertete die Entscheidung gegenüber Reuters als Würdigung der internationalen Rechtsordnung. Gjerløw zufolge richte sich die Auszeichnung nicht unmittelbar gegen Trump. Geehrt werde allerdings eine frühere Richterin des Internationalen Strafgerichtshofs, gegen dessen Vertreter die Trump-Regierung Strafmaßnahmen verhängt habe.
Pillay ist weiterhin als Ad-hoc-Richterin am Internationalen Gerichtshof tätig, unter anderem im Verfahren Gambias gegen Myanmar wegen Völkermords an den Rohingya.
Zuvor gehandelte Favoriten
Nominiert waren nach Angaben des Komitees 287 Kandidaten, davon 208 Einzelpersonen und 79 Organisationen. Die Namen der weiteren Nominierten bleiben nach den Statuten 50 Jahre lang unter Verschluss. Die feierliche Verleihung findet traditionell am 10. Dezember statt. Das Preisgeld beträgt in diesem Jahr zwölf Millionen schwedische Kronen, umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro.
Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, gibt im Nobelinstitut bekannt, dass Navanethem Pillay die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2026 ist.
© Javad Parsa/AP
Zu den öffentlich gehandelten Anwärtern zählten laut einem Vorbericht der Nachrichtenagentur AP humanitäre Einsatzkräfte im Sudan, Kinderrechtsorganisationen aus der Ukraine, die Internationale Raumstation ISS sowie zwei internationale Gerichte. Auch der kanadische Premierminister Mark Carney wurde auf Prognosemärkten gehandelt. Das Komitee bestätigt grundsätzlich keine einzelnen Nominierungen.
Trump beanspruchte Preis für sich
US-Präsident Donald Trump erhebt seit Langem Anspruch auf die Auszeichnung. „Ich habe acht Kriege beendet“, sagte er erst am Mittwoch im Weißen Haus. Sollte das Nobelkomitee ihn übergehen, würde es sich „schwer diskreditieren“. Sein Vorgänger Barack Obama habe den Preis 2009 erhalten, „und er hat nichts getan“.
Trumps eigene Bilanz hält einer Überprüfung jedoch nicht stand: Einige der von ihm angeführten Kriege waren gar keine, andere dauern an oder sind erneut aufgeflammt, etwa im Kongo und an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha. Zudem begannen die USA und Israel im Februar selbst einen bis heute nicht beendeten Krieg gegen den Iran.
125 Jahre nach der ersten Nobelpreisverleihung
Der Preis wird in diesem Jahr zum 107. Mal vergeben. Gestiftet wurde er vom schwedischen Chemiker und Industriellen Alfred Nobel (1833–1896), der vor allem durch die Erfindung des Dynamits bekannt und reich geworden war. In seinem Testament von 1895 bestimmte er, dass sein Vermögen Preise für Menschen finanzieren sollte, die der Menschheit den größten Nutzen gebracht hatten.
Den Friedenspreis wollte Nobel ausdrücklich für die „Verbrüderung der Völker“, die Abschaffung oder Verringerung stehender Heere und die Förderung von Friedenskongressen vergeben. Wie die Nobelstiftung erläutert, beeinflusste ihn dabei auch die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner, die 1905 selbst den Friedensnobelpreis erhielt.
Seit 1901 ging die Auszeichnung an 112 Einzelpersonen und 28 Organisationen. Im vergangenen Jahr erhielt den Preis die rechte venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado. Sie überreichte ihre Medaille im Januar 2026 an Trump – eine symbolische Geste, da die Auszeichnung selbst nicht übertragbar ist.
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