Der Krimi „Röslein, Röslein, Röslein – tot“, der gerade im Satyr-Verlag erschienen ist und dessen Buchpremiere am Mittwoch von Gregor Gysi moderiert wird, führt in die Berliner Medienszene. Der Autor Martin Buchholz war dort vor sehr langer Zeit einmal zu Hause, wurde dann Kabarettist und schrieb zwar auch Bücher, doch keine Krimis. Fragen wir ihn: Was reizt Sie neuerdings an Mord und Totschlag?
Martin Buchholz: Daran reizt mich eigentlich herzlich wenig. Ich bin nicht mordlüstern, sondern vielmehr wortlüstern. Nach vielen, vielen Kabarett-Programmen (im November wieder ein neues bei den Wühlmäusen) und zehn politisch-satirischen Sachbüchern wollte ich mich mal an einem Krimi ausprobieren.
So musste ich mich notgedrungen ans Meucheln machen. Meine satirisch-fiese Veranlagung hat mir dabei geholfen. Es hat mich gereizt, all die Klischees des Genres mal ironisch gegen den Strich zu bürsten. Doch es sollte auch eine spannende Whodunit-Story sein mit einer verblüffenden Auflösung.
Inspiriert hat mich ein Woody-Allen-Zitat, in dem er Oscar Wilde widerspricht: „Das Leben imitiert nicht die Kunst. Das Leben imitiert schlechtes Fernsehen.“
So wird in meinem Buch eine unsägliche TV-Serie zur imitierten Realität: Ein Täter (oder eine Täterin?) stellt die Morde nach. Die Opfer: ein zweitrangiges Fernsehstarlet und ein rechtsradikaler Rapper, der Goethes „Heideröslein“ zur Vorlage für seine perversen frauenfeindlichen Fantasien macht und mit dem Foto eines Donald Trump zwischen den Pobacken endet. „Ein Arschloch im Arschloch eines Arschlochs“, kommentiert Kommissar Bruns.
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MehrEr, der eigentlich schon zu alte Kommissar mit einem Hang zur Beredsamkeit, ermittelt zusammen mit Irina Schultz, der eigentlich noch zu jungen Feministin mit vorlauter Klappe. Das führt zu pointierten Screwball-Dialogen.
Nach den mehrfachen Neuanfängen in meinem beruflichen Leben – als Journalist, dann als Kabarettist, schließlich als influenzierender Newsletter-Verbreiter (martin-buchholz.de) – wollte ich nun endlich literarisch debütieren als Nachwuchsautor von bald 85 Jahren. Beim Schreiben hatte ich ein mörderisches Vergnügen. Ich hoffe, dieser Mordsspaß stellt sich auch beim Lesen ein.
Gregor Gysi behauptet jedenfalls, dass er ihn gehabt habe. Und damit hätte ich zumindest schon mal einen Fan.
Buchpremiere: Thalia Tauentzienstraße, 14.10., 20 Uhr
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