Ein Lorbeerblatt hinter dem Kühlschrank, zwei weitere in der Kellerecke: Mehr soll es nicht brauchen, damit Mäuse und Ratten das Weite suchen. Der Trick wird gerade wieder in zahlreichen Ratgeberportalen empfohlen, das Gewürz steht in fast jeder Küche.
Wer tatsächlich Ratten im Haus hat, kommt damit allerdings nicht weit. In vielen Städten und Gemeinden müssen Eigentümer den Befall dann den Behörden melden. Und auch die Wirkung des Blattes ist dünner belegt, als die Versprechen klingen.
Warum Mäuse und Ratten jetzt ins Haus drängen
Beide Nager halten keinen Winterschlaf. Sobald es kalt wird, suchen sie geschützte Plätze in Kellern, Garagen und Lauben und vermehren sich dort weiter, solange sie Futter finden.
In deutschen Städten ist vor allem die Wanderratte verbreitet, in Berlin etwa kommt fast nur sie vor, wie das Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf erklärt. Sie kann Salmonellen und Leptospiren übertragen, etwa über Kot, Urin oder angefressene Lebensmittel.
Lorbeer gegen Mäuse und Ratten: So soll der Trick wirken
Lorbeerblätter enthalten ätherisches Öl, dessen Hauptbestandteil Eucalyptol ist, auch 1,8-Cineol genannt. Es riecht scharf nach Eukalyptus. Weil sich Nager stark über die Nase orientieren, sollen sie den Geruch meiden.
Empfohlen wird, frische oder getrocknete Blätter in dunkle Ecken und entlang typischer Laufwege zu legen. Nach zwei bis drei Wochen ist das Aroma verflogen, dann müssen neue Blätter her.
Eucalyptol und Ratten: Was Studien zeigen
Aus der Luft gegriffen ist die Idee nicht. Forscher der Punjab Agricultural University in Indien besprühten in Laborgehegen Futterbereiche mit Eukalyptusöl in Konzentrationen von 5 bis 20 Prozent. Hausratten fraßen auf der behandelten Seite deutlich weniger.
Getestet wurde allerdings konzentriertes Öl, regelmäßig frisch aufgesprüht. Ein trockenes Blatt hinter dem Kühlschrank gibt nur einen Bruchteil davon ab. Belastbare Versuche mit Lorbeerblättern im Haushalt sind nicht bekannt.
Ähnlich sieht es bei Pfefferminzöl aus. In einer thailändischen Studie mieden Ratten behandelte Bereiche, die Autoren halten es aber selbst für offen, ob das außerhalb des Labors funktioniert.
Lorbeer kann also allenfalls vorbeugen, einen Befall beseitigt er nicht.
Vorsicht bei Hund und Katze
Anders als oft behauptet, ist Lorbeer für Haustiere nicht harmlos. Die US-Tierschutzorganisation ASPCA führt die Pflanze als giftig für Hunde und Katzen. Fressen die Tiere davon, drohen Erbrechen und Durchfall.
Wer Haustiere hat, legt die Blätter deshalb nur dort aus, wo Hund und Katze nicht hinkommen.
Ratten und Mäuse fernhalten: Was wirklich hilft
Entscheidend für die Vermehrung ist vor allem das Nahrungsangebot, betont das Berliner Gesundheitsamt. Mülltonnen gehören fest verschlossen, Vogel- und Tierfutter sollte nicht über Nacht draußen stehen. Gekochte Essensreste haben auf dem Kompost nichts verloren.
Ebenso wichtig sind die Zugänge. Spalten an Kellerfenstern oder undichte Rohrdurchführungen lassen sich mit wenig Aufwand schließen.
Rattengift: Darauf müssen Laien achten
Wer zu Gift greift, riskiert Nebenwirkungen weit über das eigene Grundstück hinaus. Das Umweltbundesamt warnt, dass Köder auch Haus- und Wildtiere vergiften können. Rückstände wurden unter anderem in Füchsen, Eulen und Fischen gefunden.
Laien dürfen nur zugelassene Mittel verwenden. Erkennbar sind sie an einer Zulassungsnummer, die mit „DE-„ beginnt und auf „-14“ endet, erläutert die Stiftung Warentest.
Rattenbefall melden: Was in Deutschland gilt
Ratten gelten als Gesundheitsschädlinge. Grundlage für ihre Bekämpfung ist bundesweit das Infektionsschutzgesetz. Die Einzelheiten regeln Länder und Kommunen, etwa über Schädlingsbekämpfungs- oder Polizeiverordnungen. Wer betroffen ist, sollte deshalb bei der eigenen Stadt nachsehen.
In vielen Orten ist die Meldung Pflicht. Berlin etwa schreibt per Landesverordnung vor, dass Eigentümer und Hausverwaltungen einen Rattenbefall unverzüglich dem Gesundheitsamt anzeigen und eine Fachkraft beauftragen. Wer das versäumt, handelt ordnungswidrig.
Auch Städte wie Karlsruhe verweisen auf das Gesetz und die örtliche Polizeiverordnung. Auf privatem Grund zahlt dort der Eigentümer die Bekämpfung.
Mieter wenden sich an ihren Vermieter. Ratten auf Gehwegen, Spielplätzen oder in Parks meldet man bei der Kommune, die sich dann selbst darum kümmert.
Das Lorbeerblatt in der Kellerecke kann also liegen bleiben. Den Anruf beim Vermieter oder Amt erspart es nicht.
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