Sozialdemokratie

Hat mal eben jemand Zeit? SPD sucht schon wieder Teilzeit-Chef

Früher war es angeblich „das schönste Amt neben Papst“. Heute ist der Posten des SPD-Vorsitzenden so beliebt wie ein ranziges Fischbrötchen. Woran liegt das?

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Lars Klingbeil, Co-Parteivorsitzender der SPD, im Schatten von Willy Brandt: Ein Platz neben Klingbeil ist nun frei geworden.

Lars Klingbeil, Co-Parteivorsitzender der SPD, im Schatten von Willy Brandt: Ein Platz neben Klingbeil ist nun frei geworden.

© Juliane Sonntag/imago

Kurt Schumacher verlor seinen rechten Arm bereits im ersten Kriegsjahr 1914. NSDAP und KPD hielt er während der Weimarer Republik für die größten Feinde der damals wackligen Demokratie. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde der SPD-Reichstagsabgeordnete Schumacher steckbrieflich gesucht und verbrachte die meiste Zeit der NS-Diktatur in Konzentrationslagern und Gestapo-Gefängnissen. Nach dem Krieg organisierte er die westdeutsche SPD neu und wurde 1946 ihr unumstrittener Anführer.

Sein großer Widersacher, CDU-Kanzler Konrad Adenauer, soll ihn den „einarmigen Banditen“ genannt haben. Bereits 1948 musste man Schumacher auch noch das linke Bein amputieren. Doch Schumacher blieb bis zu seinem Tod 1952 Vorsitzender der SPD. Deutschland und die Demokratie waren ihm wichtiger als einzelne Gliedmaßen. Den Vorsitz bei der zweiten großen deutschen Partei empfand Schumacher als staatstragend. Anders als heute. Heute stehen Gesundheit und Work-Life-Balance im Vordergrund.

Matthias Platzeck gab das Amt des SPD-Chefs 2006 nach einem halben Jahr wegen eines Hörsturzes auf. Kurt Beck trat 2008 nach zwei Jahren zurück, weil ihn die Berliner Presse zu sehr piesackte. Bärbel Bas verzichtete nun nach anderthalb Jahren wegen eines Trauerfalls in der Familie. Jetzt suchen die Sozis mal wieder nach einer neuen Doppelspitze. Seit 2019 wird der SPD-Vorsitz in Teilzeit vergeben. Nach dem Motto: Wer hat denn gerade mal Zeit und Lust?

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