China baut seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen in Afrika weiter aus. Präsident Xi Jinping hat am Dienstag in Peking mit Botswanas Staatschef Duma Boko eine umfassende strategische Partnerschaft vereinbart. Beide Länder wollen künftig enger bei der Förderung von Rohstoffen, im Handel, bei Infrastrukturprojekten und in Sicherheitsfragen zusammenarbeiten.
Nach Angaben des chinesischen Außenministeriums unterzeichneten beide Seiten mehrere Kooperationsvereinbarungen. Sie betreffen unter anderem den Bergbau, das Gesundheitswesen, die Ausbildung von Fachkräften und Chinas Seidenstraßeninitiative. Auch die sogenannte Global Security Initiative, mit der Peking eine größere Rolle in internationalen Sicherheitsfragen anstrebt, ist Bestandteil der Zusammenarbeit.
Xi Jinping: „Afrikas Ressourcen gehören Afrika“
Xi erklärte, afrikanische Rohstoffe dürften nicht zum Instrument geopolitischer Rivalitäten werden. „Afrikas Ressourcen gehören Afrika“, sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. China wolle afrikanische Staaten dabei unterstützen, ihre Bergbauindustrie auszubauen, neue Technologien einzusetzen und eigene Wertschöpfungsketten aufzubauen.
Hinter diesen Zusagen stehen erhebliche wirtschaftliche Interessen. China hat sich in Botswana bereits Zugang zu großen Kupfervorkommen gesichert. Das südafrikanische Land verfügt zudem über bedeutende Diamantenreserven und sucht dringend nach neuen Investitionen.
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Chinas Milliardeninvestitionen: Kupfermine in Botswana wird ausgebaut
Wie weit Chinas wirtschaftliche Präsenz bereits reicht, zeigt die Kupfermine Khoemacau im Nordwesten Botswanas. Im März 2024 übernahm der chinesisch kontrollierte Bergbaukonzern MMG das Unternehmen hinter der Mine. Der vereinbarte Unternehmenswert betrug rund 1,875 Milliarden US-Dollar.
MMG gehört mehrheitlich zum staatlichen chinesischen Rohstoffkonzern China Minmetals. Die Mine liegt im sogenannten Kalahari Copper Belt, einer Region mit großen Kupfer- und Silbervorkommen.
Im Februar 2026 begann MMG mit dem Ausbau der Anlage. Nach Angaben des Unternehmens sind dafür Investitionen von etwa 900 Millionen US-Dollar vorgesehen, einschließlich bereits zuvor getätigter Ausgaben.
Die jährliche Produktionskapazität soll auf rund 130.000 Tonnen Kupfer im Konzentrat steigen. Zusätzlich werden mehr als vier Millionen Unzen Silber pro Jahr angestrebt. Der erste Kupferkonzentrat-Ausstoß aus dem Erweiterungsprojekt wird für die erste Jahreshälfte 2028 erwartet.
Kupfer ist ein zentraler Rohstoff für Stromnetze, Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen und zahlreiche industrielle Anwendungen. Der Zugang zu großen Lagerstätten ist deshalb für internationale Bergbaukonzerne und die chinesische Industrie von strategischer Bedeutung.
Wie wichtig das Projekt für die Beziehungen beider Länder ist, zeigt die am Dienstag veröffentlichte gemeinsame Erklärung. Darin nennen die Regierungen die Mine Khoemacau ausdrücklich als Beispiel für ihre künftige Zusammenarbeit bei der Rohstoffförderung und Energiewende.
Botswanas Präsident Duma Boko (2. v. l.) mit seiner Frau Kaone Boko sowie Chinas Präsident Xi Jinping und dessen Frau Peng Liyuan bei der offiziellen Begrüßungszeremonie in Peking am 13. Oktober 2026.
© Xie Huanchi/imago
Diamantenkrise: Warum Botswanas Präsident auf China setzt
Für Botswana sind chinesische Investitionen vor allem eine wirtschaftliche Chance. Das Land ist stark von seiner Diamantenindustrie abhängig, die seit Jahren unter sinkender Nachfrage leidet.
Diamanten machen normalerweise etwa ein Drittel der staatlichen Einnahmen und drei Viertel der Deviseneinnahmen aus. Doch der weltweite Markt für natürliche Diamanten schwächelt. Besonders die geringere Nachfrage aus China und die wachsende Konkurrenz künstlich hergestellter Steine belasten die Branche.
Die Ratingagentur S&P senkte deshalb im März die Kreditwürdigkeit Botswanas. Nach Angaben von Reuters schrumpfte die Wirtschaft sowohl 2024 als auch 2025. Für die kommenden Jahre rechnen die Experten weiterhin mit erheblichen Haushaltsdefiziten.
Präsident Boko will die Abhängigkeit von Diamanten verringern und neue Wirtschaftszweige entwickeln. China soll dabei helfen, insbesondere im Bergbau, in der Industrie und bei Infrastrukturprojekten.
Wie deutlich sich Boko an Peking orientiert, zeigte seine Rede während des Staatsbesuchs. Nach Angaben der staatlichen Botswana Press Agency bezeichnete er Chinas Entwicklung als ein „wirtschaftliches und politisches Wunder“. Das chinesische Entwicklungsmodell wolle er zum Vorbild nehmen.
Zum Besuch reiste Boko mit einer Wirtschaftsdelegation. Für ein Unternehmerforum in Peking werden 30 Unternehmen aus Botswana und mehr als 100 chinesische Firmen erwartet. Dabei sollen konkrete Investitions- und Handelsmöglichkeiten ausgelotet werden.
China öffnet afrikanischen Staaten seinen Markt
Die Partnerschaft mit Botswana ist Teil einer umfassenderen chinesischen Wirtschaftsstrategie. Seit Mai 2026 gewährt Peking allen 53 afrikanischen Staaten, mit denen China diplomatische Beziehungen unterhält, zollfreien Zugang für ihre Waren.
Nach Angaben von Reuters wuchs der Handel zwischen China und Afrika 2025 um nahezu 18 Prozent. Die Zollbefreiungen sollen die wirtschaftlichen Beziehungen weiter vertiefen.
Für Botswana ergeben sich daraus neue Exportmöglichkeiten. In ihrer gemeinsamen Erklärung nennen beide Regierungen ausdrücklich Rindfleisch, Zitrusfrüchte und weitere landwirtschaftliche Produkte, deren Zugang zum chinesischen Markt erleichtert werden soll.
China verfolgt darüber hinaus finanzpolitische Interessen. Peking möchte seine Währung Yuan im internationalen Handel stärker etablieren und die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern.
Erst am 12. Oktober gab die afrikanische Bankengruppe Ecobank eine Kooperationsvereinbarung mit dem chinesischen Zahlungssystem CIPS bekannt. Die Bank ist in 34 afrikanischen Märkten vertreten. Künftig soll die Zusammenarbeit grenzüberschreitende Zahlungen in Yuan erleichtern.
Damit baut China seine wirtschaftlichen Verbindungen nicht nur über Investitionen, Handel und Rohstoffe aus, sondern zunehmend auch über internationale Zahlungswege.
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Die Vereinbarungen mit Botswana reichen über wirtschaftliche Fragen hinaus. Beide Regierungen wollen auch bei internationalen Sicherheitsfragen enger zusammenarbeiten.
Botswana unterstützt nach Angaben des chinesischen Außenministeriums die Global Security Initiative von Xi Jinping. Aus den veröffentlichten Vereinbarungen ergibt sich allerdings weder ein Militärbündnis noch eine Zusage für chinesische Militärstützpunkte.
Auch bei einem zentralen außenpolitischen Anliegen erhielt Peking Unterstützung: Boko bekräftigte die Ein-China-Politik und sprach sich gegen eine Unabhängigkeit Taiwans aus. Beide Regierungen wollen ihre Positionen in internationalen Organisationen künftig enger abstimmen.
Für China verbinden sich damit mehrere Interessen: der langfristige Zugang zu Rohstoffen, neue Absatzmärkte für chinesische Unternehmen, eine stärkere Nutzung des Yuan und politische Unterstützung auf internationaler Ebene.
Botswana wiederum erhofft sich Investitionen, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Alternativen zur kriselnden Diamantenindustrie.
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