Spanien hatte am Montag frei, Nationalfeiertag. An der Cala Tirant bei Fornells, einer Surferbucht im Norden Menorcas, genossen die letzten Badegäste der Saison die Oktobersonne. Dann zog im flachen Wasser eine Rückenflosse ihre Bahnen.
Ein Delfin schwamm zwischen Sand und Felsen hin und her. Den Weg ins offene Meer fand er nicht.
Delfin an der Cala Tirant: Rettungsversuch mit dem Surfbrett
An einem Surfstrand liegt das passende Werkzeug nahe. Die Rettungsschwimmer paddelten mit einem Surfbrett zu dem Tier hinaus und versuchten, es behutsam in tieferes Wasser zu lenken.
Viele Badegäste verfolgten das Manöver vom Ufer aus. Videos der Inselzeitung Menorca – Es Diari zeigen die Szene. Fachleute mit geeigneter Ausrüstung, so bemängelte das Blatt, waren nicht vor Ort.
Notruf am Montag, Experte am Dienstag
Die Rettungsschwimmer wählten den Notruf 112. Über ihn sollten die Umweltpolizei der Guardia Civil und das Tierschutz-Konsortium der Balearen, kurz Cofib, alarmiert werden.
Am Montag kam niemand. Ein Cofib-Techniker traf nach Angaben der Zeitung erst am Dienstag ein – wegen des Feiertags.
Ein Meeressäuger in Not kämpft einen Tag um sein Leben, weil Feiertag ist. Das ist die eigentliche Geschichte dieses Montags. Eine Stellungnahme des Cofib liegt bislang nicht vor.
Toter Delfin am Dienstagmorgen entdeckt
Da war es zu spät. Am Dienstagmorgen lag der Delfin tot im Sand, genau dort, wo er tags zuvor umhergeirrt war.
Rettungsschwimmer trugen den Kadaver zu einem Transporter, Cofib und Lokalpolizei von Es Mercadal koordinierten den Einsatz. Im Palma Aquarium auf Mallorca wird das Tier nun untersucht.
Ob schnellere Hilfe ihn gerettet hätte, ist fraglich. Laut der Zeitung lag der Delfin schon im Sterben, als er am Montag in die Bucht schwamm.
Warum Delfine an den Strand schwimmen
Ein Delfin im Flachwasser ist nicht automatisch in Not. Manche jagen dort Fische, andere sind schlicht neugierig.
Heikel wird es, wenn Krankheiten oder Unterwasserlärm den Orientierungssinn stören. Auch die Form des Meeresbodens kann die Tiere in die Irre führen.
Menorcas Norden: Kinderstube für Wale und Delfine
Eigentlich wimmelt es vor der Nordküste vor Leben. Forscher der Organisation Tursiops zählten dort im Sommer 48 Pottwale, jedes fünfte davon ein Jungtier. Dazu kamen Große Tümmler und rund hundert Streifendelfine.
Erst im Juni lag in der Bucht Son Saura ein toter Großer Tümmler. Seine Schwanzflosse war abgetrennt, nach ersten Erkenntnissen durch Menschenhand.
Delfin am Strand: So reagieren Badegäste richtig
Wer auf einen geschwächten Delfin trifft, ruft in Spanien die 112. Streicheln und Umringen für Fotos setzen das Tier zusätzlich unter Stress. Das Atemloch auf dem Kopf muss frei bleiben.
Wie schnell das tödlich enden kann, zeigte 2016 ein Fall im andalusischen Mojácar. Dort starb ein Delfinbaby, nachdem Badegäste es angefasst und fotografiert hatten.
An der Cala Tirant haben Badegäste und Rettungsschwimmer getan, was sie konnten. Gefehlt hat an diesem Montag die Fachhilfe, die der Notruf anfordern sollte.
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