Russland

Moskaus Spionagevorwurf gegen japanischen Journalisten: Tokio protestiert und fordert Freilassung

Der russische Geheimdienst FSB beschuldigt einen Korrespondenten der Hokkaido Shimbun, für japanische Nachrichtendienste gearbeitet zu haben. Japans Regierung will protestieren.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Japans Außenminister Toshimitsu Motegi (Mitte) fordert von Russland Auskunft über die Umstände der Festnahme eines japanischen Zeitungskorrespondenten.

Japans Außenminister Toshimitsu Motegi (Mitte) fordert von Russland Auskunft über die Umstände der Festnahme eines japanischen Zeitungskorrespondenten.

© David Mareuil/imago

Japans Regierung hat am Mittwoch auf die Festnahme eines japanischen Zeitungskorrespondenten in Russland reagiert. Außenminister Toshimitsu Motegi erklärte laut dem Sender TV Asahi, Tokio habe von den russischen Behörden Auskunft über die Umstände der Festnahme sowie eine „humanitäre Behandlung“ und ein „faires und unparteiisches Vorgehen“ verlangt.

Nach Angaben von Regierungsvertretern beabsichtigt das Außenministerium, den russischen Botschafter einzubestellen, formell Protest einzulegen und die rasche Freilassung des Reporters zu fordern.

Kabinettssekretär Minoru Kihara sagte, japanische Stellen hätten bislang keinen Kontakt zu dem Festgenommenen aufnehmen können. Motegi kündigte an, die näheren Umstände und den Gesundheitszustand des Journalisten zu klären und „alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz japanischer Staatsbürger“ zu ergreifen.

FSB wirft Reporter Spionage für japanische Dienste vor

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte die Festnahme am Dienstag bekannt gegeben. Der Reporter arbeitete für die japanische Tageszeitung Hokkaido Shimbun im Büro in Juschno-Sachalinsk, dem Verwaltungszentrum der russischen Insel Sachalin. Das meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf eine FSB-Mitteilung.

Der Journalist sei auf Sachalin festgenommen und anschließend nach Moskau gebracht worden, wo ein Gericht die Untersuchungshaft angeordnet habe. Laut FSB soll der Korrespondent im Auftrag japanischer Nachrichtendienste Informationen über die russische Verteidigungsfähigkeit gesammelt und weitergegeben haben.

Der Geheimdienst stützte seine Darstellung auf ein Video, das örtlichen Medien zur Verfügung gestellt wurde. Darin erklärte ein FSB-Mitarbeiter, der Reporter habe gegenüber Vertrauten eingeräumt, Kontakt zu japanischen Diensten gehabt zu haben. Die Behörde habe dessen Tätigkeit als für einen akkreditierten Journalisten unüblich bewertet und daher gestoppt.

Regionalzeitung mit großer Auflage

Die Hokkaido Shimbun ist eine japanische Regionalzeitung mit Sitz in Sapporo auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido. Sie entstand 1942 durch den Zusammenschluss von elf Zeitungen. Die Morgenausgabe erreichte im Januar 2026 eine Auflage von rund 704.000 Exemplaren. Der Verlag unterhält Redaktionen in Tokio sowie im Ausland, darunter das Büro in Juschno-Sachalinsk.

Die Festnahme fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Tokio und Moskau, geprägt vom Streit um die von Russland verwalteten und von Japan beanspruchten südlichen Kurilen sowie von den japanischen Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine.

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