Der Iran hat seine Angriffe auf Handelsschiffe in und um die Straße von Hormus ausgeweitet. Teheran setzt dabei seit rund zehn Tagen eine veränderte Angriffstaktik gegen Schiffe ein, die aus iranischer Sicht gegen Vorgaben des Landes verstoßen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf zwei hochrangige iranische Vertreter.
Ziel sei es, die Ölpreise auf hohem Niveau zu halten und damit Einfluss auf die bevorstehenden US-Zwischenwahlen zu nehmen.
Geografische Ausweitung der Angriffe
Die britische Marinebehörde UKMTO meldete für die vergangenen Tage mehrere Zwischenfälle – nicht nur in der Meerenge selbst, sondern auch im Golf von Oman, in Gewässern vor den Vereinigten Arabischen Emiraten und bis in die Nähe Katars. Betroffen waren ein Containerschiff sowie mehrere Rohöl- und Produktentanker, die von unbekannten Geschossen getroffen wurden. Vor dem omanischen Ankerplatz Sohar wurde ein Tanker nach UKMTO-Angaben von einer Drohne getroffen.
Das von der Financial Times zitierte US-Institut für Kriegsstudien (ISW) hält es für möglich, dass der Iran seine Fähigkeiten zum Einsatz von Anti-Schiffs-Raketen weiterentwickelt, um Ziele auf See genauer treffen zu können.
Nach Angaben der Financial Times wurden allein am Sonntag sechs Schiffe angegriffen, darunter zwei Rohöltanker chinesischer und südkoreanischer Reeder sowie ein indisches Containerschiff. Zwei indische Besatzungsmitglieder würden vermisst. In den zwei Wochen bis zum 11. Oktober seien 24 Schiffe getroffen worden – die dichteste Welle von Attacken seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran vor sieben Monaten.
Reedereien weichen aus
Reedereien, die wegen hoher Frachtraten bislang Risiken in Kauf genommen hatten, beginnen nach Darstellung der Financial Times, die Region insgesamt zu meiden. Mehrere Schiffe seien in den vergangenen Tagen dem Umschlagplatz Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgewichen und hätten stattdessen Kurs auf US-Häfen am Golf von Mexiko genommen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Schiffsverfolgungsdaten.
Die Marktanalystin Priyanka Sachdeva vom Finanzdienstleister Phillip Nova sagte Reuters, dass iranische Vertreter offen einräumten, die Bemühungen der USA zur Dämpfung der Ölpreise zu unterlaufen. Der Iran sei sich seiner geografischen Bedeutung bewusst und werde dieses Druckmittel wohl weiter nutzen.
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