Von Fisherman’s Wharf in Oxnard ist fast nichts mehr übrig. Nur der kleine Leuchtturm steht noch, frisch gestrichen und mit rotem Erdbeer-Logo.
Hier, rund eine Autostunde westlich von Los Angeles, baut Robert Dahl das erste Karls Erlebnis-Dorf außerhalb Deutschlands. Dass dafür ein komplettes Hafenviertel verschwindet, war nie der Plan.
Termiten im Holz: Warum Karls alles abreißen musste
Rund 40 Prozent der alten Holzhäuser wollte Karls ursprünglich behalten. So schilderte es Hafendirektor Michael Tripp dem Ventura County Reporter. Dann sahen sich Gutachter die Gebäude genauer an.
Das Ergebnis fasste Dahl auf Instagram in vier Worten zusammen: „Alles von Termiten zerfressen.“ Das Portal Der Westen hat den Post jetzt erneut aufgegriffen, die Berliner Zeitung berichtete bereits im August.
Die Ironie steckt in den Akten. Als Ventura County Karls 2024 den Zuschlag gab, lobte die Hafenbehörde ausdrücklich die Weiternutzung alter Gebäude. Nachzulesen ist das bis heute auf der Website des Hafens.
Abriss in Oxnard: So weit ist die Baustelle
Mit einem Nachbarschaftsfest und dem ersten Schlag der Abrissbirne startete Karls am 15. August. Fundstücke aus dem alten Hafenviertel kamen für einen guten Zweck unter den Hammer.
Seitdem verschwindet das 1978 eröffnete Ensemble Stück für Stück. Im September fiel das markante Eckhaus an der Kreuzung Victoria Avenue und Channel Islands Boulevard.
Drei Monate Abriss hatte Karls-Projektleiter Axel Stelter eingeplant, er ist dafür eigens nach Kalifornien gezogen. Geht alles nach Plan, rollen die letzten Abrissbagger Mitte November vom Gelände.
Karls USA: Was am Fisherman’s Wharf entsteht
Gepachtet hat Dahl rund 4,5 Hektar am Wasser, neu bebaut werden davon knapp 2,5 Hektar. Park und Bootsliegeplätze bleiben weitgehend erhalten.
Auf etwa 5600 Quadratmetern sollen Läden, Gastronomie und Attraktionen Platz finden. Tripp dämpfte im Radiosender KCLU allzu große Erwartungen: Ein zweites Knott’s Berry Farm werde das nicht, dafür sei das Grundstück zu klein.
Wer deutsche Karls-Dörfer kennt, findet trotzdem Vertrautes. Laut der Lokalzeitung Ojai Valley News sind eine Erdbeer-Raupenbahn, eine Traktorbahn und Spielplätze geplant, dazu gläserne Manufakturen für Brot, Marmelade, Bonbons und Schokolade.
Hinzu kommen neun Restaurants und ein Markt mit mehr als 8000 Artikeln. Einmal pro Woche verkaufen örtliche Fischer ihren Fang auf dem neuen Steg. Öffnen soll das Dorf täglich von 8 bis 20 Uhr.
Warum ausgerechnet Oxnard?
Oxnard nennt sich selbst Erdbeerhauptstadt der Welt. Dahl kennt die Stadt seit seiner Jugend: Vater und Großvater, beide Erdbeerbauern, nahmen ihn ab den frühen Achtzigern zu Farmern dorthin mit.
Leicht gemacht hat es ihm Oxnard nicht. Nach anfänglichem Widerstand gab es mehr als 20 Bürgerworkshops, Karls baute das Projekt um. Erst im August 2025 kam das Okay der kalifornischen Küstenkommission, seit Februar 2026 ist Dahl Pächter für 30 Jahre.
Eröffnung 2028: Karls im Wettlauf mit Olympia
Eröffnen will Karls im Frühjahr 2028, kurz vor den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles. Die Neubauten sollen laut Stelter aber erst Mitte 2027 aus dem Boden wachsen.
Für Hochbau, Bahnen und neun Restaurants bleiben damit kaum zehn Monate. Selbst für ein Unternehmen, das in Deutschland Dörfer im Jahrestakt eröffnet, ist das sportlich.
Berliner müssen übrigens nicht bis Kalifornien reisen, um Karls beim Bauen zuzusehen. In Elstal entsteht neben dem dortigen Erlebnis-Dorf der erste Bibi-&-Tina-Freizeitpark, Eröffnung im Sommer 2027.
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