Russland hat offenbar innerhalb von nur sechs Wochen eine neue, großflächige Basis für Angriffsdrohnen nahe der ukrainischen Grenze errichtet. Die Anlage in der südrussischen Region Rostow ist nach Einschätzung von Militärexperten nahezu fertiggestellt und könnte künftig als Ausgangspunkt für umfangreiche Drohnenangriffe auf die Ukraine dienen. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Recherche der Nachrichtenagentur Reuters hervor.
Satellitenaufnahmen der Unternehmen Planet Labs und Airbus dokumentieren den rasanten Baufortschritt. Wo am 31. August noch ein weitgehend unbebautes Feld zu sehen war, erstreckt sich inzwischen eine Anlage über rund 0,9 Quadratkilometer. Das entspricht ungefähr 126 Fußballfeldern. Bereits am 1. September waren auf Satellitenbildern erste Bauarbeiten zu erkennen.
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Russland errichtet acht Startplattformen für neue Angriffsdrohnen
Die Anlage befindet sich nahe der Stadt Millerowo, etwa 3,5 Kilometer von einem russischen Militärflugplatz entfernt. Auf den Satellitenbildern sind acht Plattformen zu erkennen, die nach Einschätzung von Militärexperten für den Start von Angriffsdrohnen vorgesehen sind.
Auf zwei der Plattformen waren am Mittwoch bereits Startschienen installiert. An zwei weiteren wurde gearbeitet. Der Ausbau ist damit weit fortgeschritten, auch wenn die Anlage nach den vorliegenden Informationen noch nicht vollständig einsatzbereit ist.
Mike Monnik, Gründer des Sicherheitsunternehmens DroneSec, hält den Standort laut Reuters für geeignet, um Russlands neueste strahlgetriebene Angriffsdrohnen der Typen Geran-4 und Geran-5 zu starten. Diese Modelle erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 600 Kilometern pro Stunde.
Nach Einschätzung Monniks könnte die Basis innerhalb weniger Wochen vollständig einsatzbereit sein, möglicherweise sogar früher. Russland verfügt laut seiner Analyse bereits über mindestens elf weitere feste Startstandorte für Drohnenangriffe auf die Ukraine.
Mehr als 100 Drohnenstarts pro Tag möglich
Die neue Anlage könnte Russlands Möglichkeiten für groß angelegte Luftangriffe erheblich erweitern. Monnik schätzt, dass von dem Standort unter günstigen Bedingungen mindestens 100 strahlgetriebene Drohnen innerhalb von 24 Stunden gestartet werden könnten.
Ob diese Kapazität tatsächlich erreicht wird, hängt unter anderem vom verfügbaren Nachschub und den militärischen Einsatzzielen ab. Die Zahl beschreibt damit das mögliche Potenzial der Anlage, nicht bereits erfolgte Angriffe.
Auch Robert Jordan vom britischen Forschungsinstitut Royal United Services Institute (RUSI) hält die erkennbaren Betonflächen und möglichen Startschienen für vereinbar mit Abschussvorrichtungen russischer Geran-Drohnen. Das Bautempo bezeichnete er gegenüber Reuters als bemerkenswert.
Die Geschwindigkeit zeige, welchen Stellenwert Russland inzwischen Angriffen auf weit entfernte Ziele einräume, möglicherweise zulasten seiner konventionellen Landstreitkräfte, erklärte Jordan.
Neue Drohnentypen erschweren der Ukraine die Luftabwehr
Der Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlichen Zunahme russischer Drohnenangriffe. Nach ukrainischen Militärdaten, die Reuters auswertete, setzte Russland innerhalb von drei Sommermonaten etwa sechsmal so viele strahlgetriebene Angriffsdrohnen ein wie zuvor. Besonders häufig wurden Kiew und die umliegende Region angegriffen.
Die neuen Drohnentypen stellen die ukrainische Luftabwehr vor zusätzliche Probleme. Gegen langsamere russische Angriffsdrohnen setzt die Ukraine zunehmend kostengünstige Abfangdrohnen ein. Für die wesentlich schnelleren Modelle mit Strahltriebwerken sind viele dieser Systeme jedoch nicht geeignet.
Der Standort bei Millerowo könnte den russischen Streitkräften zudem einen weiteren Vorteil verschaffen. Nach Einschätzung von DroneSec liegt die neue Anlage wahrscheinlich im Schutzbereich der Luftabwehrsysteme des benachbarten Militärflugplatzes. Das könnte ukrainische Angriffe auf die Basis erschweren.
Auch für die Nato sieht Monnik Risiken. Die Kombination aus einer zunehmenden russischen Drohnenproduktion, leistungsfähigeren Modellen und unzureichenden Abwehrmöglichkeiten in zahlreichen Bündnisstaaten stelle eine strategische Herausforderung dar.
Die ukrainische Militärführung rechnet für den kommenden Winter mit einer weiteren Zunahme russischer Drohnen- und Raketenangriffe. Ob die neue Anlage bei Millerowo bereits dafür genutzt werden kann, geht aus den Satellitenaufnahmen nicht hervor.
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