Fremdsprachen

„Sänk ju for träwelling“: Hirnforscher erklären, warum Ihr Englisch so deutsch klingt

Aussprache verbessern: Eine Studie aus London und Sendai zeigt, wie Hörpräzision das Englischlernen prägt und was Schulen daraus lernen könnten.

3 Min
Vokabeln helfen, die Aussprache aber nicht: Laut einer neuen Studie entscheidet vor allem das Gehör, wie gut jemand Englisch spricht. (Symbolbild)

Vokabeln helfen, die Aussprache aber nicht: Laut einer neuen Studie entscheidet vor allem das Gehör, wie gut jemand Englisch spricht. (Symbolbild)

© imago/momentphoto/RöhnerAlles

Wer je eine Bahndurchsage mit „Sänk ju for träwelling“ gehört hat, kennt das Problem. Das Gehirn presst fremde Laute in die Schablonen der Muttersprache. Heraus kommt Englisch mit Heimatakzent.

Eine neue Studie zeigt, wie es besser geht. Wer die Aussprache einer Fremdsprache schnell und sauber lernt, hört sie anfangs offenbar gar nicht als Sprache. Für das Gehirn dieser Talente klingt ein fremder Vokal eher wie ein Geräusch.

„Mad“ oder „mud“? Der Hörtest mit 67 Japanern

Ein Team des University College London (UCL) und der Tohoku-Universität im japanischen Sendai untersuchte 67 Japanerinnen und Japaner, die Englisch lernen. Das berichtet die Hochschule in einer Mitteilung. Erschienen ist die Studie im „Journal of Experimental Psychology: General“.

Zuerst prüften die Forscher, wie fein die Teilnehmenden hören. Sie mussten kleinste Unterschiede in Tonhöhe und Tondauer erkennen, und zwar bei Geräuschen, die mit Sprache nichts zu tun haben.

Danach ging es in den Hirnscanner. Dort sollten die Probanden zwei englische Vokale auseinanderhalten, wie sie in Wortpaaren à la „mad“ und „mud“ vorkommen. Beide Laute gibt es im Japanischen nicht.

Feines Gehör, schnellere Aussprache

Das Ergebnis: Wer genau hört, lernt die Aussprache einer neuen Sprache schneller und sauberer. Der Scan zeigt auch, warum. Diese Lernenden nutzen beim Zuhören weniger das linke sensomotorische System, das an der Sprachverarbeitung beteiligt ist.

„Lernende mit einem ‚guten Ohr‘ für Klangunterschiede können einen neuen fremdsprachlichen Laut objektiv hören, ohne ihn sofort als ‚Sprache‘ zu verarbeiten“, sagt Studienleiter Kazuya Saito-van Poeteren vom UCL Institute of Education.

Das Gehirn spricht heimlich mit

Bei Lernenden mit weniger feinem Gehör springt genau dieses Netzwerk an. Die Forscher vermuten, dass sie innerlich durchspielen, wie sie das Wort selbst sagen würden, berichtet das Wissenschaftsmagazin „Nautilus“.

Dabei rutscht der fremde Laut in die nächstbeste Schublade der Muttersprache. Der Kopf spricht also stumm mit, und zwar mit japanischem Akzent.

„Bad“ oder „bed“? Die deutsche Variante

Hierzulande heißt das Dilemma „bad“ gegen „bed“. Viele Deutsche sprechen beide Wörter fast gleich aus, weil sich das vertraute „ä“ als Abkürzung anbietet. Wer im Hotel nach dem Bad fragt und ein Bett bekommt, hat ein Hörproblem, kein Vokabelproblem.

Stures Pauken hilft da wenig. Eine Vorgängerstudie von Saito und seinem Kollegen Adam Tierney zeigte 2025: Lernende mit zu ungenauem Gehör für Tonhöhen wurden trotz viel Kontakt zur Fremdsprache in der Satzmelodie teils sogar schlechter. Viel Input kann alte Fehler festigen.

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Erst hinhören, dann nachsprechen

Die Forscher fordern deshalb einen anderen Unterricht. „Der Fremdsprachenunterricht sollte über einen Ansatz hinausgehen, der auf ‚mehr Übung‘ setzt, und stattdessen das Gehör der Lernenden entsprechend ihrer auditiven Eigenschaften schulen“, so Saito-van Poeteren.

Für Lernende mit schwächerem Gehör empfiehlt die Vorgängerstudie gezieltes Hörtraining und Phonetik-Unterricht. Wer im nächsten Englischkurs also erst einmal zuhört wie bei einem Vogelkonzert, macht nichts falsch.

Eine Einschränkung bleibt: Untersucht wurden nur einzelne Vokale bei einer kleinen Gruppe japanischer Lernender. Ob auch Grammatik und Wortschatz vom guten Ohr profitieren, lässt die Studie offen.

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