Die Fahrbahn wird enger. Links und rechts rücken die Ränder heran, so jedenfalls fühlt es sich an. Andrea Ballschuh sitzt am Steuer, unterwegs zum Dreh für „Volle Kanne“, und hat Angst, gleich ohnmächtig zu werden.
So schilderte die 54-jährige ZDF-Moderatorin am Freitagabend im MDR-Talk „Riverboat“ den Moment, in dem ihr Körper die Notbremse zog. Wenige Monate später war sie privatinsolvent.
Panikattacke auf dem Weg zum ZDF
Schon lange vorher habe sie kaum geschlafen, erzählte Ballschuh. Auf der Autobahn rettete sie sich auf einen Parkplatz. „Ich habe wirklich gedacht, ich sterbe“, sagte sie in der Sendung.
Bis zum ZDF-Gelände schaffte sie es noch, dort wurde es schlimmer. In der Nacht danach entschied sie, ihre Selbstständigkeit aufzugeben. Ihr Körper habe ihr klar gemacht, dass es reicht.
230.000 Euro Schulden: So kam es zur Privatinsolvenz
Im September hatte Ballschuh ihre Lage in der Bunte öffentlich gemacht. Demnach meldete sie am 5. Februar 2026 Privatinsolvenz an, bei rund 230.000 Euro Schulden. Beides beruht auf ihren eigenen Angaben.
Das ZDF hat damit nichts zu tun. Ballschuh arbeitete seit 2019 nebenher als Videocoach und brachte Menschen bei, vor der Kamera souverän zu wirken. 2022 eröffnete sie dafür ein großes Studio in Mainz.
Ausgerechnet 2022 gingen ihr nach eigener Darstellung vier Fernsehsendungen verloren, die Coaching-Einnahmen halbierten sich. Kurz vor dem Studiostart trennte sie sich von ihrer Geschäftspartnerin. Die Kosten trug sie fortan allein.
Die Steuerfalle im dritten Jahr
Den Rest erledigte das Finanzamt. Eine Steuernachzahlung habe sie noch begleichen können, sagte Ballschuh bei „Riverboat“. Die nachträglichen Vorauszahlungen für zwei Jahre nicht mehr.
Das Muster ist unter Selbstständigen gefürchtet. Mit dem ersten Steuerbescheid legt das Finanzamt Vorauszahlungen fest, teils rückwirkend. Wer nichts zurückgelegt hat, bekommt mehrere Rechnungen auf einmal. Bei Ballschuh kamen eine Betriebsprüfung und schwindende Aufträge dazu.
Auf Instagram fasste sie es kürzlich drastisch zusammen: Ihre Selbstständigkeit sei ihr im dritten Jahr um die Ohren geflogen. Wie es genau zur Zahlungsunfähigkeit kam, hat die Berliner Zeitung hier aufgeschrieben.
Leben mit 1500 Euro im Monat
In Monaten ohne „Volle Kanne“ lebt Ballschuh heute von 1500 Euro, mit Moderationseinsätzen ist es etwas mehr. Einen großen Teil ihrer Honorare bekommt der Insolvenzverwalter.
Allein ihre alte Wohnung kostete laut Bunte 1600 Euro Miete. Sie zog aus und zu ihrem Freund. Die private Krankenversicherung konnte sie verlassen, weil Freunde sie fest als Videocoach einstellten.
Sie sei „echt demütig geworden“, sagte Ballschuh. Einen Euro schätze sie heute ganz anders.
„Die Insolvenz hat mich gerettet“
Der überraschendste Satz des Abends kam zum Schluss. Es gehe ihr so gut wie noch nie, sagte Ballschuh, obwohl sie so wenig Geld habe wie noch nie. Nicht die Pleite habe sie zerstört, sondern der Kampf dagegen.
Darum redet sie jetzt offen. Wer pleite ist, gelte schnell als Versager, kaum jemand frage nach den Gründen. In den USA, sagt Ballschuh, sei eine Insolvenz keine Schande. Für Deutschland fordert sie mehr Finanzbildung an Schulen.
Neues Buch: DDR-Kindheit, Angst und Glaube
Aufgeschrieben hat Ballschuh ihre Geschichte in dem Buch „Volle Kanne leben“. Mehr als 3000 Fernsehsendungen hat sie laut MDR moderiert. Hinter dem Erfolg stand demnach immer die Angst, nicht gut genug zu sein.
Das Buch reicht weit zurück, bis in ihre Kindheit in der DDR. Der Sender beschreibt sie als eine Zeit zwischen Anpassung und Funktionieren. Halt fand die frühere Atheistin schließlich im Glauben an Gott.
Privatinsolvenz: Nach drei Jahren schuldenfrei
Ein Ende ist absehbar. Seit der Reform des Insolvenzrechts 2020 bekommen Schuldner in der Regel nach drei Jahren die Restschuldbefreiung, wenn sie sich an die Auflagen halten. Läuft alles glatt, wäre Ballschuh ihre Schulden Anfang 2029 los.
Wer selbst finanziell in Not steckt, findet Hilfe bei den kostenlosen Schuldnerberatungen, etwa der Verbraucherzentralen.
Die „Riverboat“-Ausgabe mit Andrea Ballschuh wiederholt der MDR am Sonntag, 18. Oktober, um 11.45 Uhr. Sie ist außerdem in der ARD-Mediathek abrufbar.
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