Ukraine-Krieg

„Gefahr Nummer eins“: Ukraine warnt vor russischem Satellitennetz Rasswet

Während die USA den militärischen Starlink-Dienst für Kiews Truppen drosseln, arbeitet Moskau an einem eigenen Satellitennetz. Die Ukraine sucht nach Gegenmaßnahmen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Eine Sojus-2.1b-Trägerrakete mit militärischen Satelliten wird am 6. Februar 2026 auf dem russischen Kosmodrom Plessezk aufgerichtet.

Eine Sojus-2.1b-Trägerrakete mit militärischen Satelliten wird am 6. Februar 2026 auf dem russischen Kosmodrom Plessezk aufgerichtet.

© SNA/imago

Russland könnte nach Einschätzung eines Beraters des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in etwa sechs Monaten eine vollständige Satellitenabdeckung über der Ukraine erreichen und damit Drohnen und Raketen in Echtzeit steuern.

Das sagte Serhij Beskrestnow, der Selenskyj in Fragen der Rüstungstechnologie berät, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, über das am Wochenende auch das ukrainische Nachrichtenportal Strana berichtete.

Beskrestnow bezeichnete das im Aufbau befindliche russische Satellitennetz Rasswet als „Gefahr Nummer eins“ unter den technologischen Herausforderungen für die Ukraine und auch für das restliche Europa.

Russische Operatoren könnten damit Shahed-Drohnen, Aufklärungsdrohnen sowie günstige Marschflugkörper wie Banderol und Dan-M direkt lenken. Die über das Land verteilten ukrainischen Systeme zur elektronischen Störung von Funksignalen würden dadurch weitgehend wirkungslos.

Enges Zeitfenster

Nach Angaben von Beskrestnow fliegen russische Satelliten bereits jetzt zeitweise über die Ukraine und ermöglichen Verbindungen von 30 bis 40 Minuten. Eine durchgehende Abdeckung sei aus seiner Sicht in rund sechs Monaten möglich. Russische Angreifer könnten dann „das ganze Land in Echtzeit und sehr präzise“ treffen, sagte er AP.

Das Netz wird vom Unternehmen Bjuro 1440 aufgebaut, einer Tochter der russischen Iks Holding. Nach dessen Angaben, die die Washington Post zitiert, werden rund 300 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn benötigt. Der kommerzielle Start ist für 2027 geplant.

Bisher wurden 32 Satelliten gestartet, einige davon gingen verloren oder erreichten die vorgesehene Höhe von rund 800 Kilometern nicht. Das ursprüngliche Ziel, bis Ende 2026 insgesamt 156 Satelliten in Betrieb zu haben, ist angesichts des Rückstands gefährdet. Langfristig soll das Netz auf rund 900 Satelliten anwachsen.

Zweifel am Zeitplan

Unabhängige Fachleute halten den von Beskrestnow genannten Zeitrahmen für unrealistisch. Pawel Lusin vom Center for European Policy Analysis sagte der Washington Post, der Plan sei „kaum machbar“, es sei denn, China liefere Trägerraketen und Satelliten in hohem Tempo zu. Die russischen Satelliten ähnelten nachgebauten Starlink-Modellen der ersten Generation.

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Beskrestnow erklärte gegenüber AP, die Ukraine arbeite bereits an Gegenmaßnahmen. Die Aufgabe sei jedoch schwierig: Russische Ingenieure hätten ihre Störtechnik an einem funktionierenden Starlink erproben können, während die Ukraine Abwehrsysteme gegen ein Netz entwickeln müsse, das noch nicht vollständig in Betrieb sei.

Bereits Anfang Oktober hatte der ukrainische diplomatische Geschäftsträger in Washington, Denys Sienik, die US-Regierung nach einem Reuters-Bericht aufgefordert, Sanktionen gegen am Aufbau beteiligte Zulieferer zu verhängen.

Streit um Starshield verschärft Lage

Der Ernst der Lage zeigt sich auch beim US-System Starshield, der militärischen Variante von Starlink. Reuters berichtete unter Berufung auf Regierungsvertreter, die Mitte Oktober erfolgte Drosselung des Dienstes für die ukrainischen Streitkräfte sei im Weißen Haus veranlasst worden.

Nach zwischenzeitlichen Verbindungsstörungen funktioniert der Dienst wieder, allerdings gilt für bewegte Starshield-Empfänger weiterhin eine Begrenzung. Das beeinträchtigt die Steuerung von Angriffs- und Abfangdrohnen bei Geschwindigkeiten über rund 160 Kilometern pro Stunde.

Selenskyj wertete den Eingriff gegenüber der Financial Times als politisch beabsichtigt. US-Präsident Donald Trump hatte Kiew zuvor zum Stopp der Angriffe auf russische Ölraffinerien gedrängt.

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