Der Iran bereitet sich nach Aussagen hochrangiger Militärvertreter auf eine weitere Kriegsrunde mit den USA und Israel vor. Kommandeure der Revolutionsgarden behaupten, große Bestände neuer Waffen aufgebaut zu haben, und drohen mit Angriffen auf bislang verschonte Ziele. Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, könnte sich eine neue militärische Eskalation weit über den Nahen Osten hinaus ausdehnen. Gleichzeitig haben die USA neue Angriffspläne gegen iranische Atom- und Energieanlagen ausgearbeitet.
„Die Welt wird staunen“, erklärte Hossein Mohebbi, Sprecher der iranischen Revolutionsgarden, bereits Ende September. „Wir haben neue Ziele, die bisher noch nicht angegriffen wurden.“
Nach Angaben des Kommandeurs bereiten sich die Revolutionsgarden auf einen langwierigen Konflikt vor. „Der Krieg ist nicht vorbei“, sagte Mohebbi. Ob der Iran tatsächlich über die angekündigten neuen Waffenbestände verfügt, lässt sich unabhängig nicht überprüfen.
USA bereiten neue Eskalation im Iran-Krieg vor – Attacken auf Tanker nehmen zu
Iran droht mit Angriffen auf Unterseekabel und KI-Rechenzentren
Die iranische Führung hat ihre Drohungen inzwischen auf weitere Teile der Infrastruktur in den Golfstaaten ausgeweitet. Mohsen Rezai, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, warnte vergangene Woche vor Vergeltungsschlägen gegen amerikanische Einrichtungen in der Region.
Sollte ein weiterer Krieg ausbrechen, könnten zahlreiche Unterseekabel, Rechenzentren, Einrichtungen für Künstliche Intelligenz und andere Infrastruktur in der Region zerstört werden, erklärte Rezai laut CNN.
Am Sonntag verschärfte Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf die Warnungen. In einem Beitrag auf der Plattform X forderte er Regierungen und Unternehmen in der Region auf, keine Firmen finanziell oder anderweitig zu unterstützen, deren Technologien für militärische Operationen eingesetzt würden.
Wer solche Unternehmen unterstütze, müsse mit Gegenmaßnahmen rechnen. Ghalibaf kündigte zudem die Schaffung einer neuen Behörde für Dateninfrastruktur am Persischen Golf an.
Angriffe auf Unterseekabel und große Rechenzentren könnten weitreichende Folgen für den internationalen Datenverkehr, Finanzdienstleistungen und die Kommunikation haben. Bereits während der bisherigen Kampfhandlungen wurden Rechenzentren in mehreren Golfstaaten beschädigt und digitale Dienstleistungen beeinträchtigt.
Könnte auch Ramstein zum Ziel werden? Experte warnt vor Eskalation
Eine neue Kriegsrunde könnte nach Einschätzung des Militärexperten Farzin Nadimi vom Washington Institute for Near East Policy auch amerikanische Militärstützpunkte in Europa betreffen.
Sollte sich die iranische Führung für den Einsatz neuer Langstreckenraketen gegen Ziele in Europa entscheiden, kämen laut Nadimi unter anderem US-Luftwaffenstützpunkte in Großbritannien oder das amerikanische Militärdrehkreuz Ramstein in Rheinland-Pfalz infrage.
Der Experte betonte gegenüber CNN allerdings, der Iran würde sich solche Angriffe vermutlich nur für eine äußerste Eskalationsstufe vorbehalten. Eine konkrete iranische Drohung gegen Ramstein liegt nicht vor.
Dass die europäischen Standorte der US-Streitkräfte bereits verstärkt im Blick der Sicherheitsbehörden stehen, zeigen jüngste Entwicklungen in Großbritannien.
Anfang Oktober verlegten die Vereinigten Staaten ihre in Großbritannien stationierten Langstreckenbomber nach einer nicht näher bezeichneten Bedrohung zurück in die USA. Zuvor waren mehrere Menschen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Anschlagsplan gegen den Militärflugplatz RAF Fairford festgenommen worden.
Der britische Geheimdienstchef Ken McCallum warnte am 13. Oktober vor zunehmenden iranischen Aktivitäten gegen militärische Einrichtungen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erklärte er, iranische Akteure versuchten inzwischen, auch stärker gesicherte Ziele anzugreifen. Die britische Regierung vermutet hinter dem Vorfall in Fairford iranische Stellen. Der Iran bestreitet eine Beteiligung.
USA prüfen Einsatz der „Mutter aller Bomben“ gegen den Iran
Nicht nur die iranischen Streitkräfte bereiten sich auf mögliche weitere Kampfhandlungen vor. Auch das US-Militär hat nach CNN-Informationen neue Angriffspläne ausgearbeitet.
Diese sehen unter anderem den möglichen Einsatz der GBU-43/B vor, der größten nicht atomaren Bombe im amerikanischen Arsenal. Die Waffe ist unter der Bezeichnung „Mother of All Bombs“, kurz MOAB, bekannt.
Nach Angaben mehrerer mit den Planungen vertrauter amerikanischer Regierungsvertreter könnte sie gegen iranische Atom- und Energieanlagen eingesetzt werden, falls Präsident Donald Trump neue Angriffe anordnet.
Trump selbst hatte am Donnerstag in einem Interview mit Newsmax erklärt, die USA müssten möglicherweise die tief unter einem Berg gelegene iranische Atomanlage Pickaxe Mountain angreifen.
„Wir müssen vielleicht dorthin gehen“, sagte der US-Präsident. Den Einsatz einer Atomwaffe schloss er aus. Ob er den Einsatz der GBU-43/B bereits genehmigt hat, sagte Trump nicht.
Zugleich hatte Trump angekündigt, vor den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November keine neuen militärischen Maßnahmen zu ergreifen. Berater des Weißen Hauses erklärten gegenüber CNN jedoch, sie wüssten nicht, ob diese Ankündigung endgültig sei.
Neuer Verteidigungsminister droht Trump mit schweren Verlusten
Am Sonntag ernannte das iranische Parlament Mehrdad Akhlaqi Ketabchi zum neuen Verteidigungsminister. Der langjährige Funktionär der iranischen Rüstungsindustrie war unter anderem im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik sowie der Raketenentwicklung tätig.
Nach Angaben von Reuters kündigte Akhlaqi vor dem Parlament an, die militärische Infrastruktur des Landes wiederaufzubauen und die Entwicklung neuer Verteidigungstechnologien zu beschleunigen.
Sollten die USA erneut angreifen, werde die iranische Antwort überraschend und umfassend ausfallen, erklärte der Minister. Mit Blick auf Berichte über einen möglichen Einsatz der GBU-43/B warnte er Trump zudem vor schweren Verlusten unter amerikanischen Soldaten.
Akhlaqi übernimmt das Verteidigungsministerium nach mehreren Monaten kommissarischer Führung. Sein Vorgänger Aziz Nasirzadeh war bei den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels im Februar getötet worden.
Am 28. Februar hatten die amerikanischen und israelischen Streitkräfte ihre Angriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurde auch der damalige oberste Führer Ali Chamenei getötet. Der Iran antwortete mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, amerikanische Militärstützpunkte und weitere Ziele in den Golfstaaten.
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Trotz Kriegsdrohungen: Der Iran hält Angebot zur Öffnung von Hormus aufrecht
Parallel zu den militärischen Vorbereitungen bemüht sich der Iran weiterhin um Verhandlungen mit der US-Regierung. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte am Sonntag bei einem Besuch in Bagdad, das iranische Angebot zur Wiederöffnung der Straße von Hormus liege weiterhin auf dem Tisch.
Nach Informationen von Reuters bietet Teheran an, die strategisch wichtige Meerenge innerhalb einer Woche wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen, sofern die Vereinigten Staaten mehrere Bedingungen erfüllen.
Dazu gehören die Aufhebung der amerikanischen Blockade iranischer Häfen, ein Ende der Sanktionen gegen iranische Ölexporte und die Einstellung der Kampfhandlungen in der Region.
Washington verlangt seinerseits Zugeständnisse beim iranischen Atomprogramm. Die USA haben auf den Vorschlag reagiert, die Verhandlungen kommen jedoch bislang nicht voran.
Ali Vaez von der International Crisis Group sieht in den iranischen Drohungen vor allem einen Versuch, Trump von neuen Angriffen abzuschrecken. Die Führung in Teheran wolle deutlich machen, dass eine weitere Kriegsrunde auf einem wesentlich größeren Schauplatz und mit schwereren Folgen ausgetragen werden könnte.
Darin liege zugleich eine erhebliche Gefahr: Was die iranische Führung als Abschreckung verstehe, könne die US-Regierung als Provokation auffassen und damit genau jene militärische Eskalation wahrscheinlicher machen, die der Iran verhindern wolle.
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