Zwei Brüder aus Deutschland, 13 und 16 Jahre alt, haben in Südtirol eine Nacht im Freien verbracht, auf 2340 Metern und ohne warme Kleidung. Ihr Ziel, die Bonnerhütte oberhalb von Toblach, war seit einer Woche geschlossen.
Gegen 1 Uhr nachts rückte die Bergrettung Hochpustertal aus. Die Retter fanden die Jungen unterkühlt vor, einer von ihnen hatte sich übergeben.
Eltern kehren um, Söhne steigen allein zur Bonnerhütte
Die Familie machte Urlaub in Toblach und war am Samstag gemeinsam aufgebrochen. Nach einigen Stunden drehten die Eltern um. Die Söhne gingen allein weiter, insgesamt lagen mehr als 1000 Höhenmeter vor ihnen.
So schildert es die Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“, deren Bericht die Deutsche Presse-Agentur aufgegriffen hat. Die Eltern hätten der Übernachtung auf der Hütte zugestimmt, weil sie ihre Söhne für erfahren genug hielten. Ein Sprecher der Bergrettung sprach laut dem Blatt von großem Leichtsinn.
Eine Frage hatte offenbar niemand geklärt: ob auf der Hütte überhaupt noch jemand ist.
Bonnerhütte seit 11. Oktober geschlossen
Die Hütte am Toblacher Pfannhorn hatte ihre Sommersaison am 11. Oktober beendet, wie das Portal UnserTirol24 unter Berufung auf die Webseite der Hütte berichtet. Die Brüder kamen also eine Woche zu spät.
Das privat geführte Schutzhaus wurde 1897 von der Alpenvereinssektion Bonn gebaut. Vom Weiler Kandellen oberhalb von Toblach ist es in rund zwei Stunden zu erreichen, aus dem Ort selbst dauert der Aufstieg deutlich länger.
Notruf um 1 Uhr: Brüder unterkühlt ins Krankenhaus Innichen
Vor der verschlossenen Tür blieben die Jungen im Freien. Erst als es einem von ihnen schlecht ging, riefen sie die Eltern an, meldet die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Die Eltern alarmierten die Landesnotrufzentrale.
Die Bergretter stiegen in der Nacht zur Hütte auf und brachten die Brüder ins Krankenhaus Innichen. Nach Berichten österreichischer und Schweizer Medien haben sie die Klinik inzwischen wieder verlassen.
Warum die Eltern umkehrten und die Söhne allein weitergehen ließen, ist offen. Ob der Fall für sie Folgen hat, ebenso.
Hüttentour im Herbst: Öffnungszeiten immer selbst prüfen
Der Fall zeigt, wie schnell eine harmlos wirkende Almtour im Oktober kippt. Mitte des Monats schließen in den Alpen viele Hütten.
Wer oben übernachten will, sollte die Öffnungszeiten auf der Webseite der Hütte nachlesen oder kurz anrufen. Einträge in Tourenportalen hinken oft hinterher.
Ein offener Winterraum ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Alpenvereinshütten haben einen, privat geführte Hütten oft nicht.
Im Herbst wird es früh dunkel, und auf dieser Höhe fallen die Temperaturen nachts schnell unter null. Eine warme Schicht zum Wechseln und eine Stirnlampe gehören deshalb in jeden Rucksack. Der Notruf in Italien und Österreich ist die 112.
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