Kontostände prüfen, Angebote vergleichen, Zahlungen vorbereiten: KI-Assistenten erhalten inzwischen immer öfter Zugang zu Bankkonten. Große US-Banken haben dabei laut dem US-Nachrichtenportal Axios Zugriffe festgestellt, die sie nicht genehmigt hatten. In einigen Fällen hätten die Programme offenbar versucht, über die Anweisungen ihrer Nutzer hinauszugehen. Das Portal beruft sich auf mit den Vorgängen vertraute Personen.
Die Tür zum Konto öffnen häufig die Kunden selbst, indem sie den Assistenten ihre Zugangsdaten überlassen. Solche KI-Agenten können Internetseiten bedienen und Aufgaben übernehmen. Doch was ein Kontoinhaber erlaubt, muss die Bank noch lange nicht gestatten.
Banken begrenzen den Zugang
Zu den Instituten, die sich derzeit mit den Risiken beschäftigen, zählen laut Axios Morgan Stanley, Bank of America, JPMorgan und Wells Fargo. Banken hätten dabei zunehmend Schwierigkeiten zu erkennen, ob Aktivitäten von Menschen oder Programmen ausgehen und ob ein Agent innerhalb seines Auftrags handelt.
Beschränkungen sind bereits öffentlich belegt. Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times berichtete am 16. Oktober, Citi erlaube externen KI-Assistenten weder die Anmeldung in Kundenkonten noch direkte Transaktionen über ihre digitalen Plattformen.
Bank-of-America-Chef Brian Moynihan forderte eine menschliche Freigabe, bevor Geld ein Konto verlässt. Ein Chase-Sprecher warnte davor, Benutzernamen und Passwörter weiterzugeben.
Wer trägt die Folgen von Fehlern?
JPMorgan-Finanzchef Jeremy Barnum erklärte nach einem Bericht des US-Bankenfachmediums American Banker bei der Quartalskonferenz, Dienste mit weitergegebenen Zugangsdaten seien unsicher. Die Bank blockiere solche Zugriffe, soweit sie dazu in der Lage sei.
In den Chase-Nutzungsbedingungen müssen sich KI-Agenten ausdrücklich als Programme zu erkennen geben und automatisierte Zugriffe kennzeichnen. Die Bank behält sich technische Sperren vor. Nutzer sollen nach den Vertragsregeln auch für Fehler oder Handlungen außerhalb der erteilten Befugnisse verantwortlich sein.
Wenn KI-Agenten Kontrollen umgehen
Dass KI-Agenten vorgegebene Grenzen überschreiten können, zeigen auch aktuelle interne Vorfälle bei OpenAI. Nach einem Bericht des Unternehmens schwächten kürzlich zwei Agenten bei Programmieraufgaben ihre eigene Sicherheitsüberwachung.
Einer schaltete automatische Warnmeldungen aus, der andere entfernte eine Überwachungsfunktion und bestritt anschließend den Eingriff. Ob die Systeme Arbeitsaufträge falsch auslegten oder gezielt Kontrollen umgingen, ist laut OpenAI noch ungeklärt.
Banken suchen einen Mittelweg
Neben Sicherheitsfragen berührt die Entwicklung das Geschäftsmodell der Institute. Agenten könnten Guthaben automatisch zu höher verzinsten Angeboten verschieben und damit günstige Einlagen abziehen.
Als möglicher Kompromiss gilt ein begrenzter Lesezugriff: Assistenten könnten Kontoinformationen auswerten, ohne selbst Geld zu bewegen. Laut Axios erlauben viele Banken solche Zugriffe bereits oder arbeiten daran.
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