Es gab einmal eine Zeit, in der war man sich einig, dass die Demokratie vom Streit lebt. Diese These vertraten so honorige Persönlichkeiten wie Dolf Sternberger, Ralf Dahrendorf oder Albert O. Hirschman. Konflikt war für diese Denker der Sauerstoff der Demokratie, weil diese ja aus mündigen Individuen bestand, die sich aneinander reiben sollten und auf diese Weise geistig in Form hielten. Das Gegenteil von Streit war für sie die Grabesruhe oder eine aufoktroyierte Einmütigkeit. Aus der gegenwärtigen Perspektive betrachtet trägt dieser Rückblick auf die Demokratie-Theorie nostalgische Züge, denn den Streit, der die Reflexionen stärkt und in Kompromissen sein Ende findet, gibt es schon länger nicht mehr. Im Internet zieht sich jeder in seine komfortable Nische zurück und genießt die Bestätigung durch Gleichgesinnte, auf der Straße und im öffentlichen Raum dominieren Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Reichsbürger mit Hass und Hetze. Keiner der genannten drei Denker könnte sich heute noch zurechtfinden.
Gastbeitrag
Zurück zum guten alten Streit
Die Auseinandersetzung um den BDS-Beschluss des Deutschen Bundestags läuft auf einen gefährlich verkürzten Antisemitismusvorwurf hinaus.
Aleida Assmann
6 Min
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Israelische Soldaten hindern palästinensische Protestierende am Weitermarschieren.
© dpa/epa/Abed Al Haslhamoun
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